IRAN-Reise

Hin- und Rückfahrt

von März bis August 2022

Was ist passiert?

Die Rückfahrt vom Iran war notwendig geworden, da die  “Alte Seidenstraße”, der Weg nach Osten “der Sonne entgegen” versperrt war und bleibt. Die Grenzen nach Turkmenistan sind weiterhin geschlossen, so dass ich nicht nach Usbekistan gelangen kann. Der Transit durch  Afghanistan ist zu unsicher, da niemand in die Köpfe der Taliban hineinschauen kann, wie und was sie denken … Außerdem kündigte sich der Tod meiner Mutter an, die ich natürlich schnellstmöglich besuchen musste und von der ich mich zum Glück noch rechtzeitig verabschieden konnte. So landete ich schließlich wieder in Deutschland.
Die folgenden Bilder aus dem Osten der Türkei zeigen das Ende meiner Rückfahrt. In Adana traf ich dann Silvia, mit der ich eigentlich drei Wochen Urlaub machen wollte ...

Euphrat & Tirgris entspringen hier

Ich quere 1000 km durch Ostanatolien bis an die Mittelmeerküste. Es ist eine uralte Kulturlandschaft, die mindestens seit der Jungsteinzeit bevölkert war. Sesshaftwerdung  ereignete sich hier, wie die Funde in den Museen  beweisen. Hethiter haben vor 3000 Jahren ihre Burgen gebaut, bevor die Assyrer, Perser, Römer, Armenier, Araber, Seldschuken, Mongolen und zuletzt die Osmanen kamen.

Diyarbakir und Gaziantep

Beide Städte liegen in der Tiefebene südlich der Gebirgszüge, in den Euphrat und Tigris entspringen, und beide Städte sind so groß wie München und Hamburg. Also müssten wir sie eigentlich kennen!? Vielleicht aus den Nachrichten als Hochburgen der Kurden? Diyarbakir liegt am Tigris und wird von einer vollständig erhaltenen Stadtmauer aus römischer Zeit geschützt. Bei Gaziantep mit seinen zwei Millionen Einwohnern wird der Euphrat im Atatürk-Stausee zurückgehalten, um Menschen, Tieren und Pflanzen das Leben zu ermöglichen. Die Stadt beherbergt das größte Mosaik-Museum der Welt: Die alten Römer haben nämlich am Ufer des Euphrat ihre schicken Villen mit Mosaik-Fußböden gebaut! Es folgen die Bilder dazu:

Die Mänade - auch die „Zigeunerin von Zeugma“ genannt

Nun kennen die Besucher des Mosaikmuseums nicht alle Sagen des griechischen Altertums. Der Viererblock oben zeigt von links nach rechts  den Raub der Europa durch Zeus, den Stier; Detail aus einer Hochzeit; Eros und Psyche; Achilles mit seinen Waffen.
Und das schönste Mosaik stammt aus dem „Haus der Mänaden“ und zeigt eine Tänzerin (zum Fest des Dionysos?). Das Besondere liegt in ihrem Blick, der den Betrachter verfolgt wie die Leonardo da Vincis Mona Lisa. 

”Durchs wilde Kurdistan”

Natürlich ist derTitel von Karl Mays Buch politisch nicht korrekt; Ostanatolien ist türkisch, aber mit mehrheitlich kurdischer Bevölkerung. Und sie ist stolz auf ihre kurdische Sprache und ihr Volk, das sich über vier Staaten verteilt findet. Zwar kann ich mich so gut wie gar nicht auf Englisch verständlich machen, aber ihr Kurdisch-Sein betonen alle mit Mimik und Gestik!

Grenzerfahrungen

Die Ausreise aus dem Iran gestaltet sich schwieriger als die Einreise. Es gibt ein ganz neues Gesetz, dass der Sprit im Tank verzollt werden muss; das ist ein aufwändiges Verfahren, das die Schlepper an der Grenze gut kennen und jedem ihre Dienste aufdrängen. Ich vertraue zwar keinem, aber ich scheine auf Hilfe angewiesen zu sein, da die Grenzpolizei am Übergang bei Serou kein Englisch spricht. Das Bezahlen des Diesels verstehe ich völlig und gebe meinem “Helfer” bereitwillig die 50,- € dafür. Der will aber 150,- Dollar für seine Dienste haben, da er mir geholfen habe, dass das Carnet de Passage zügig abgestempelt wurde und der Grenzer wegen ihm beide  Augen zugedrückt habe, als er mein Extension-Visum nicht im Computer registriert fand. Das ist schlicht falsch und ich weigere mich, ihm mehr Geld zu geben. Außerdem habe ich auch kein Bargeld mehr, da ich ihm bereits alles gegeben hatte. Daraufhin verweigert er mir die Aushändigung der Diesel-Zoll-Quittung, ohne die ich nicht über die Grenze komme. Was tun? Ich gehe zur Grenzpolizei und versuche mich zu beschweren. Die nimmt meine Argumente zur Kenntnis, aber reagiert nicht… Also versuche ich es mit einem Kompromiss: Ich habe noch einige 5,- € Scheine (als Schmiergeld gedacht) und kann dem Schleuser 50 weiter Euro in die Hand drücken. Tamtam! In Ordnung. Nach drei Stunden bin ich in der Türkei.

Der Ararat - 5130 m hoch

An der Grenze zum Iran und zu Armenien erhebt sich wie ein Solitär der höchste Berg der Türkei, an dem - so die Sage - die Arche Noah nach der Sintflut gestrandet sei. Dieser Vulkankegel ragt imposant in den den Himmel und ist mit ewigem Eis und Schnee gekrönt. Noch reizt es bei der Anfahrt, dem Gipfel vielleicht näher kommen zu können. Doch in der Stadt Dogubayazit stellt sich rasch heraus, dass dieses Ansinnen naiv war. Zum einen darf man nur mit einem Guide den Aufstieg wagen, zum anderen muss man mindestens zwei Tage für die 2000 Höhenmeter Anstieg vom Basislager aus einplanen, d.h. man braucht in jedem Fall  Zelt, Schlafsack, Proviant und Steigeisen für den harten Altschnee ab 4000 m Höhe. Na ja, und dann kostet so ein Aufstieg auch gleich 400,- bis 800,- €! Nein, das ist mir die Sache nicht wert. So bewundere ich diesen Riesen aus gebührendem Abstand und sehe, wie die geronnenen Lawaströme im Abendlicht plastisch erscheinen! Überall findet sich Schlacke und Basalt. Was muss das vor100000 Jahren für ein Schlund der Hölle gewesen sein!

Am Kurdischen Meer - der VAN-See

Welch ein einsam gelegenen Meer, das acht mal so groß ist wie der Bodensee! Ich genieße hier den Strand, an dem mich nur die Schafhirten regelmäßig um sieben Uhr morgens begrüßen. Der Vansee ist der größte Sodasee der Welt, sein Wasser ist weniger salzig als seifig. Aber man kann wunderbar im klaren Wasser schwimmen. Und mit meinem Overlander komme ich auch ganz nah ans Ufer!

Uralte Kulturgegend um den Vansee

Natürlich findet man paläolithische Werkzeuge wie die fein bearbeiteten Faustkeile aus  Obsidian - Vulkanglas gibt’s ja genug hier! Und es finden sich die Reste von Rundhäusern, Keramik und Grabhügeln aus der Zeit von 5000 bis 3000 v. Chr. Ganz prächtig aber sind die Festungen des Urartäer-Reiches (ab 1000 v. Chr.) anzusehen. Hier war lange vor den Griechen, Römern und Persern ein Volk beheimatet, das Kanalanlagen baute, die bis heute benutzbar sind, das Keilschrift benutzte und eine streitbare Armee mit Pferdewagen besaß. Es folgen Bilder von der Burg in Van und aus dem Museum.

Zurück nach Tabriz

Die letzte Woche im Iran beginnt für mich mit der Rückreise in den Nordwesten. Es schließt sich der Kreis, denn in Tabriz bin ich vor 7 Wochen im Iran angekommen. Ich werde wohl in die Türkei ausreisen müssen, da die Landesgrenzen nach Usbekistan geschlossen bleiben. Nach wie vor gibt es keine Einreisemöglichkeit nach Turkmenistan oder Aserbaidschan. Afghanistan  scheidet  für den Transit nach Usbekistan aus, da ich rund 1000 Kilometer durch unsicheres Gebiet fahren müsste (5 Tage und 4 Nächte  von Dorf zu Dorf). Wenn ich nach Pakistan einreise, müsste ich mich vom Traum der Seidenstraße verabschieden. Außerdem ist jetzt in Pakistan und dann in Indien Hochsommer und beginnende Monsunzeit: also mit Sicherheit nicht der beste Augenblick für diese Tour.

Tabriz, die Azeri-Metropole

Hier im Norden des Iran wird ein türkischer Dialekt gesprochen: Azeri (von Aserbaidschan, das lange Zeit osmanisch war). Ich treffe Mohsen Khatami wieder, der mir bereits beim ersten Besuch die 1,5 Millionen-Metropole gezeigt hatte. Wir klettern auf den Hausberg im Norden der Stadt, den “Roten Berg”, mit Top-Rop-Kletterei, Wildgehege mit Steinböcken wie in den Alpen, mit dem Besuch eines 150 Jahre alten Hamams. Mohsen ist eigentlich Elektroingenieur, arbeitet aber lieber an Offroad-Fahrzeugen und hat eine eigene Werkstatt. Hier habe ich auch mein undichtes Dachfenster komplett ausgebaut, neu verklebt und wieder eingesetzt. 

Das Denkmal der iranischen Dichter wurde noch zu Schah-Zeiten errichtet. Es erinnert auch an das Azadi-Monument in Teheran: moderne persische Architektur, die genauso stark ist wie die persische Literatur aus der Zeit vor der Revolution. Seit 800 Jahren blühten Poesie und Dichtung im islamischen Persien.

Aber o Schreck und Graus! Was finde ich im Buchladen des Denkmals? Eine Ausgabe von Hitlers “Mein Kampf” auf Farsi. Ich wollte es nicht glauben, aber im Iran gibt es eine große Verehrung der arischen Rasse, wurde doch das Land Persien 1936 in Iran = Ayran = Land der Arier umgetauft.

Hier ist die älteste Moschee in Tabriz, deren Grundmauern von der mongolischen Herrscherdynastie der Ilkhaniden im 13. Jahrhundert errichtet wurden. Es ist insgesamt interessant, wie stark der mongolisch-turkmenische Einfluss war; die späteren Quadjaren haben im 18. Jh. Teheran erst zur ihrer Hauptstadt gemacht.

Der Nordwesten - Klimawandel

Es ist eine große Überraschung, dass 1000 km weiter im Nordwesten des Irans das Klima vollständig anders ist als im Südosten: Bereits am Südhang des Elborz-Gebirges sinken die Temperaturen tags auf 34 Grad und des nachts auf 24 Grad. Ja , da kann ich ohne Klimaanlage wunderbar schlafen! Es folgen Bilder aus der Gegend von Zandschan (auf halber Strecke von Teheran nach Tabriz). Und Tabriz selber hat mitteleuropäisches Sommerklima! Durch die Höhe von 1500 Metern und die 3700 m hohen Berge wie den Vulkankegel Sahand drumherum  wehen frische Winde und es regnet auch einmal pro Woche.

Yazd-

Windtürme und Qanat-Systeme

60 mm Niederschläge fallen hier im Jahr. Also so gut wie kein Regen! Deshalb muss mit Wasser seid Jahrtausenden sehr gut gehaushaltet werden. So entstand das System der unterirdischen Kanäle von den Bergen bis in die Stadt und die Gärten. Seit 2017 ist die Stadt Yazd Teil des UNESCO-Welt-Kulturerbes. Die Kinder genießen ihren Swimmingpool am Amir Chakhmaq-Platz.

Kerman - Juni 2022

und Provinz

Ich erreiche Mitte Juni 2022 den südöstlichsten Zipfel meiner Reise. Vorbei an Salzseen, Gebirgen und Hochebenen geht’s Richtung Wüste und Städte, die ganz nahe an der Dasht-e-Lut (Wüste der Leere, des Nichts) liegen: Bam, Kerman und Yazd.

Dash-e-Lut, Shahdad und die Kalouts

Die Provinzhauptstadt Kerman ist durch einen 4000 m hohen Gebirgszug von der Dasht-e-Lut getrennt. Also fahre ich mit dem Braunen am späten  Nachmittag  los, überwinde die Passstraße mit viel braunem Qualm aus dem Auspuff und sinke im Gleitflug in die Ebene zur Wüste hinab. Doch je tiefer ich fahre, desto höher klettern die Temperaturen! In der ersten Oase in der Wüste, in Shahdad, weht der heiße Föhnwind mit 45 Grad ins Auto. Die Sonne ist bereits um 20 Uhr untergegangen, aber es wird nicht kühler. Um 21.00 h beschließe ich, wieder umzukehren und in den Bergen zu übernachten. Denn bei 45 Grad kann und will ich nicht schlafen - der Braune hat keine Klimaanlage. So fahre ich 35 km zurück in das Dorf Sirch und finde einen Stellplatz an einem kleinen Fluss. Welch ein Kontrastprogramm: Frösche quaken und geben ein Abendkonzert, meine Füßen kneippen im Wasser und die Temperaturen sinken auf 20 Grad in der Nacht. Ich weiß nur, morgen früh vor Sonnenaufgang geht’s in die Wüste für 2-3 Stunden.

50 Kilometer hinter Shahdad beginnen die sog. Kalouts. Diese sind Steinformationen, die von Wind und Wasser aus dem Kalkstein herausgesägt und gewaschen wurden. Die bizarrsten Gestalten entstanden dadurch. Diese Wüste ist die heißeste Wüste überhaupt: Hier wurden schon 76 Grad gemessen! Wüstentrip? Nicht im Hochsommer!!

Ich bin mutterseelenallein in der Wüste! Niemand ist zwischen 6 und 8 Uhr hier. Nur ein Ranger kommt mit seinem Jeep angefahren und fragt mich, ob alles in Ordnung sei; wo ich übernachtet hätte, wie lange ich bleiben wolle,… Zum Schluss notiert er sich meine Passnummer für alle Fälle. Um 9 Uhr trete ich freiwillig den Rückweg an. Es ist über 40 Grad heiß.

Rayen und seine Festung

Da mir die Stadt Bam zu weit im Süden Richtung Pakistan liegt, bleibe ich in der Stadt Rayen, die auch über eine Festung aus luftgetrockneten Lehmziegel verfügt. Und zudem ist diese wunderbar restauriert. Das schlagende Argument ist aber der nahe Wasserfall in den Bergen, die sich 4400 m hoch im Hintergrund erheben. Die Festung selber stammt aus “dem Mittelalter”, na ja wie unsere Burgen in Deutschland, und lag an der Handelsstraße, die aus Indien kam. Es folgen Bilder von den typischen Kuppelhäusern aus Lehm und den herrschaftlichen Gemächern im inneren Teil der Burg.

„Waldorf”

 in Isfahan und Shiraz?

Es gibt in beiden Städten “alternative Kindergärten”, die Waldorfpädagogik kennen und teilweise umzusetzen versuchen. Ich habe beide Orte besucht und mit den Leiter*innen und Erzieherinnen gesprochen. Pädagogische Unterstützung wird dringend gewünscht! Es wird aber - meiner Einschätzung nach - ein weiter Weg sein, bis ein echter iranischer Waldorf-Kindergarten daraus entsteht.

NARVAAN  KINDERGARDEN SHIRAZ heißt diese pädagogische Oase für die Kinder. Im Signet bilden die Kinder einen Kreis und sind mit dem Leben verbunden, das durch die Blätter symbolisiert wird.

Das Außengelände bietet vielfältige Spielmöglichkeiten: einen Tunnel, zwei Häuser, einen Sandkasten, … Der Rasen muss hier künstlich sein, da  ein echter Rasen nicht nachwachsen würde.

Einer von mehreren Räumen, in denen handwerkliche und künstlerische Tätigkeiten ausgeübt werden können. Besonders stolz war eine Erzieherin auf ihre Stockmar- Aquarellfarben, die sie vom Waldorfseminar in Teheran mitgebracht hatte.

Natürlich darf auch ein Bewegungsraum nicht fehlen. Es gibt Ecken zum Bilderbücher anschauen, um Brett- und Kartenspiele auszuprobieren, mit Puppen zu spielen, …

Sohrevardi Waldorfkindergarden and -School

Für Frau Sajjadi, die Leiterin von Sohrevardi in Isfahan, ist es natürlich ein großer Titel, sich Waldorfkindergarten bzw. -schule zu nennen. Denn es wirklich “drin”, was “drauf” steht? Das ist die spannende, aber gleichzeitig entscheidende Frage! Um in die Internationale Kindergartenvereinigung oder Schulbewegung aufgenommen werden zu können, muss das Projekt zertifiziert werden. Es muss eine Zusammenarbeit stattfinden: Auf der einen Seite muss internationale pädagogische Unterstützung angeboten werden und auf der anderen Seite müssen pädagogische Ratschläge von der Institution auch umgesetzt werden. Dann kann am Ende eines solches Prozesses, der ein, zwei, drei Jahre dauern kann, die Aufnahme in die jeweilige internationale Waldorfvereinigung stattfinden. 
Mir kam es darauf an, Menschen miteinander zu vernetzen, Kontakte zu knüpfen und die notwendigen Prozesse transparent zu machen. Immerhin wird es im kommenden Schuljahr zwei “Waldorfschulklassen” geben!

Shiraz-

die Stadt der Liebe und der Poesie

Jeder kennt den Klang desNamen dieser Stadt - und sei es nur von der edlen Traube, die hier ihren Ursprung hat. Zwar darf  im Iran offiziell kein Wein mehr produziert werden, aber privat machen es viele…
Die beiden Dichter Hafiz und Saadi haben hier bereits vor 800 Jahren das Leben, die Liebe und den Wein in poetischen  Worten besungen (was früher noch ging!). Es folgen Bilder von Hafiz‘ Grab und vom Azadi-Park an meinem ersten Tag in Shiraz  am 9. Juni .

Das lebensfrohe Shiraz

Schon beim Besuch der Grabstätte von Hafiz wurde mir klar, wie anders Shiraz ist: Ein Pärchen saß engumschlungen im Park und küsste sich innig und ausdauernd.  Auch im Hotel, in dem ich eine Nacht schlief, fiel der Hadschib der Frauen wie auf Kommando und wurde erst wieder aufgesetzt, wenn sie nach draußen gingen. Innerhalb von Privathäusern darf das Kopftuch fallen, bei strengen Musliminnen aber auch dann nicht, wenn ein Mann anwesend ist, der kein Familienmitglied ist … 

Masdsched-e-Nazir-ol-Molk

Die Moschee mit dem farbig flutenden Licht im Innenraum. Aber nur um 8.00 h morgens! Denn nur dann steht die Sonne flach genug, um durch die Fenster zu scheinen! Leider habe ich diesen Zeitpunkt verpasst. Es folgen weitere Bilder in der Galerie.

Arg-e Karim Khan

Die Zitadelle des Herrschers Karim Khan aus der zweiten Hälfte es 18. Jahrhunderts steht in der Mitte der Stadt und bewachte sie früher von den gewaltigen vier Rundtürmen aus. Die Zand-Dynastie sponserte viele Bauwerke in Shiraz.

Shah-e Cheragh

Diese Mosche birgt daen Schrein von Amir Ahmad, dem Bruder des achten Imams; und sie ist die drittheiligste Pilgerstätte der Schiiten. Eigentlich darf ich hier gar nicht hinein - nur mit einem persönlichen Guide, der mir alles gerne zeigt - außer dem Schrein selber.

Persepolis

70 km nördlich von  Shiraz liegt die berühmte Hauptstadt der Perser. Um das Jahr 550 v. Chr. von Dareios I. angefangen zu bauen und von seinem Sohn Xerxes vollendet sollte Persepolis den Ruhm des ersten Weltreiches der Geschichte begründen und repräsentieren. Aber schon 220 Jahre später wurde die Stadt das Opfer der Rache von Alexander dem Großen. 330 v. Chr. wurde der Palast in Schutt und Asche gelegt, weil  Xerxes bei seinem Feldzug gegen die Griechen um 480 Athen zerstören ließ. 

Waren die alten Perser die Römer von Zentral-Asien?

Beim Betrachten der Ruinen von Persepolis beschlich mich der Gedanke, dass die Perser mit den Römern eine Gemeinsamkeit teilen: Künstlerisch waren beide Völker nicht besonders kreativ. Ihre Architektur, die Statuen und Figuren glichen denen anderer Völker. Die Römer importierten und kopierten griechische Kunst, die Perser übernahmen die Kunststile von Babyloniern, Assyrern und Ägyptern. Am “Tor der Völker” begegnen dem Besucher die Sphingengestalten von geflügeltem Stier mit Menschenkopf. Sehr kreativ sind die Reliefs, die den Palast von Norden und Osten schmückten, nicht. Endlose Darstellungen der besiegten Völker, die ihre Gaben zum Nowruz-Fest dem Perserkönig darbringen und ihm huldigen. Der König selber als Herrscher von Ahura Mazda eingesetzt wie die Pharaonen von Osiris, Re oder Isis. Mein Gedanke soll die Gabe der Perser würdigen, die Kultur und Kunst anderer Völker zu respektieren und zu übernehmen, wo es sinnvoll ist. Welche Weitsicht und Größe! 

Hier ist die persönliche Leibgarde des Perserkönigs abgebildet.

Und hier ein Miniausschnitt der untergebenen Völker des Weltreiches, das von Ägypten über Babylon bis zu Indus reichte.

Das Standardmotiv an der Seiten der Treppenaufgänge, die zum Adapana führte, der Empfangshalle des Königs. Der Löwe, der den sich hochaufrichtenden  Stier schlägt.

Der König im Kampfe mit dem Löwen, dem er das Schwert in den Leib rammt. Er ist der Sieger über die realen und symbolischen Widersacher des Reiches.

Dies ist der Blick von meinem Schlafplatz nach Norden. Am Fuße dieser Berge liegt Persepolis, das von den Iranern bis heute mit dem Persischen Namen “Takht e Djemshid” bezeichnet wird. Dies ist der Name des legendären Königs der Perser aus dem Nationalepos von Ferdowsi, dem “Shahnameh”. Und im Vordergrund die Getreidefelder, die schon abgeerntet sind. Und davor das schwarze Rohr, das dem Riesenfeld zur Bewässerung dient. Ohne Wasser aus der Tiefe (ich vermute Grundwasser), das hochgepumpt wird, gäbe es nur Wüste!

Diese Greifenvögel trugen als Kapitelle der Säulen die Last des Daches. Ebenfalls übernahmen diese Aufgabe die Stierwesenheiten.

Dies sind die Reste des Palastes von Dareios. Sie sind besser erhalten als die Palastbauten seines Sohnes Xerxes, der ja das griechische Mutterland nach der Schlacht an den Thermopylen zerstört hatte.

Die Ideal-Physiognomie

eines Persers. Die klaren Linien und Kanten wirken streng, aber durchaus edel. Sowohl der König als auch seine Leibgarde tragen diese Gesichtszüge. Die Landschaft spiegelt diesen Charakter wider. Die Berge und die Wüste wirken herb und unnahbar, wirklich nicht einladend; und doch  majestätisch und erhaben… Ist „würdevoll“ der passende Begriff?

Die Nekropole der Achämeniden und Sassaniden

"Naqshe e Rostam” wird die Grabstätte der ersten beiden Perserdynastien genannt- nach dem Helden Rostam aus dem Epos Shahnameh.  Also befinden sich hier u.a. die Gräber der Achämendidenkönige Xerxes und Dareios aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Und rund 700 Jahre später verewigten sich die Sassaniden - Könige mit ihren Inschriften und Relief-Szenen, um ihre legitime Nachfolge an die erste Dynastie zu dokumentieren (im 3. Jh. n. Chr.)

Die Einsetzung von Ardashir (224 - 239 n. Chr.), dem ersten König der Sassaniden-Dynastie. Hier wird bewusst an die Übergabe des Rings der Macht durch Ahura Mazdao, den Gott des Lichtes, angeknüpft.

Bei genauerem Hinsehen befinden sich unter den Hufen den Pferde die beiden Widersacher: der besiegte König links und Gott der Finsternis Ahriman rechts mit dem Schlangenkopf.

Ein Turm, der ein großes Rätsel bleibt. Vor den großen Felsenreliefs steht ein Bauwerk mit quadratischem Grundriss und einem Raum, zu dem die Treppe hinaufführt. 

Ein Tempel, in dem nach der Religion des alten Zarathustra dem Gott des Lichtes das immer brennende Feuer dargebracht wurde. Das Feuer ist den Zoroastriern bis heute heilig und wird im Fest verehrt.

Pasargadae - Palast und Grab von Kyros II.

70 km nördlich von Naqshe Rostam und 140 km von Shiraz entfernt liegt die erste Ort der achämenidischen Könige. Der Gründer ist kein Geringerer als Kyros der Große, der Stammvater von Dareios (eigentlich im Plural, da mit Dareios III. die Achämenidenzeit endet), Xerxes, Artaxerxes, … Für eine Million Rial kann die weitläufige Anlage besichtigt werden: das ist der Standartpreis für alle Sehenswürdigkeiten im Iran für Touristen. Iraner zahlen einen Bruchteil, müssen aber dafür ihre ID-Nummer in die Bezahlautomaten eingeben. Also kommt man um die 3,50 € nicht drumherum. Der Weg zum Eingang soll wenigstens die ehemalige Pracht zeigen, er führt direkt zum Grab, das Stufen aus massiven Quadern hat, die bis heute den Grabtempel tragen. Die folgenden Bilder zeigen die Ruinen des Palastes, meinen Übernachtungsplatz und eine Stele mit dem Vogelwesen des Ahura Mazda, der über dem König schwebt (oben war bereits ein Souvenier davon in Bronze abgebildet).

Isfahan-


Anfang Juni erreiche ich die ehemalige Hauptstadt der Safawiden-Könige. Unter ihrer Herrschaft erblüht Isfahan zur Kunstmetropole Persiens. Hier werden die Märchen von 1001 Nacht  wahr: prächtige Paläste mit üppigen Gartenanlagen, gewaltige Moscheen, die Sinnesvielfalt der Basare und der Neubau der Karawansereien. Die Südroute der Seidenstraße bringt die Grundlage der Teppichweberei hierher -die Seide! Für die wundervollen Seidenteppiche ist Isfahan bis heute bekannt.

Die Perle des Orients

 Isfahan liegt in der Mitte Persiens auf einer Hochebene von 1500 Metern und bildet geografisch die Struktur des Lands noch einmal im Kleinen ab. So ist die Stadt umgeben von hohen Gebirgszügen, die ihre Wassermengen in die Ebene fließen lassen und damit die Landschaft fruchtbar machen. Nach Osten versickert der große Fluss Zajandeh Rud in der Wüste. Auch im Osten Irans befinden sich die großen Wüstengebiete. Vom uralten Feuertempel Zarathustras  auf einem Felsen im Westen der Stadt erblicke ich die Schönheit der Stadt: Grünflächen und Häusermeere wechseln sich harmonisch ab. Nirgends habe ich bisher mehr Parks und Gartenanlagen gesehen wie hier! Auch deswegen bleiben die Temperaturen im Schatten der Bäume angenehm und nachts kühlt es merklich ab, was gerade für das Schlafen im Camper von großem Wert ist.

Chelar Soutun

Der 40-Säulen-Palast von Abbas I., der vor allem der Repräsentation diente, wo hochrangige  Gäste empfangen wurden. Der Wandschmuck zeigt noch einen ganz anderen Islam als heute: mit Bildern von tanzenden Frauen, durchsichtigen Kleidern und Weingenuss.

Das Stadtwappen

ist doch interessant. Ein Tier, dessen menschlicher Kopf das eigene Hinterteil, das aus einem Drachen besteht, bekämpft und besiegt. Das ist die Aufgabe des Menschen: Der Pfeil des Gedankens überwindet das eigene Drachenwesen der Seele. Es darf  sich jeder seinen eigenen Reim auf das Wappen machen….

Hasht Beheshti

Der Palast des “achten Paradieses”  diente der Schah-Familie als Wohnsitz. Ebenfalls mit großer Gartenanlage und Teich. Diese ist wie ein Abbild und Vorgeschmack auf den Paradiesesgarten, der nach dem Leben auf den gläubigen Muslim wartet. Diese Kultur des “Paradaisos”-Gartens ist überall im Iran ausgeprägt und hat in der Neuzeit Einzug gefunden in die europäische Gartengestaltung. 

Masdjet e Lofolla

Dies ist die schönste aller Moschee des Landes. Es war das Gebetshaus für die Frauen des Palastes. Die Kuppel (Einzelbild oben) ist innen mit einer Doppelspirale aus Pfauenaugenmustern geschmückt .

Alle Wände sind mit glasierten Kacheln bestückt.  Hier aber bilden die Fliesen eigene Formen und Muster, die nach der Art eines Mosaikes zusammengeführt werden müssen. Welch eine Arbeit!

Amin, mein Tour-Guide

Ich war keine halbe Stunde in Isfahan, da traf ich Amin, der eigentlich als Architekt arbeitet, aber auch als zertifizierter Tour-Guide tätig ist. Er wird mir seine Stadt umsonst zeigen, wenn ich mit ihm Deutsch sprechen übe, das er seit zwei Jahren wegen Corona nicht mehr hören konnte. Welch feiner Deal!

Stalaktiten-Decke in 3-D

Ich bin untern diesen Deckengestaltungen gestanden und habe mich gefragt, wie man das handwerklich hinbekommen  kann, Kacheln mit drei Dimensionen zu brennen? Erst bei ganz genauem Hinsehen entpupppt sich die Raumform als Zusammensetzung von dreieckigen Flächen ohne Fugen!

Das Abbild der Welt- Meydan e Naqshe Jahan

Dieser riesige Platz bildet das Herz von Isfahan. Er ist mehrere Fußballfelder groß und hier treffen sich die Menschen nach Sonnenuntergang zum Reden, Essen und Spielen. Außerdem  liegen zwei Moscheen, ein Palasteingang und der Basar an den vier Seiten. Hier folgen die Bilder dazu.

Wüsten-Rand-Gebiete

Kashan, Maranjab und Qamsar (Ende Mai)

Schon 50 Kilometer südöstlich von Tehran beginnt die Salzwüste. Die Autofahrt ist wenig erbaulich. Die Stadt Qom, in der die Mullahs zu Hause sind, lasse ich nicht nur sprichwörtlich links liegen und fahre in das 200 km entfernte Kashan. Diese Stadt mit ca. 400000 Einwohnern beherbergt den uralten Siedlungshügel Tepe Sialik und einige schöne Handelshäuser aus der Qadjarenzeit. Sie liegt am Rand der Wüste Dasht e Kavir, die ich gerne erkunden möchte. Im Westen hingegen steigen die Gebirgsrücken bis auf 4000 m in die Höhe, so dass die Menschen von Kashan hier Abkühlung finden können. Der Ort Qamsar liegt auf 2000 m und ist berühmt für die Herstellung von Rosenwasser. Gerade jetzt im Mai ist Erntezeit für die Rosenblüten und deren Verarbeitung per Destillation.
Und last not least finde ich in den Bergen einen paradiesisch schönen Stellplatz zum Verweilen.  

Sonnenaufgang in der Wüste

Um 5 Uhr früh stehe ich auf, um von der Karawanserei Maranjab (40 km in der Wüste) zu den Sanddünen zu fahren, von denen aus man den Sonnenaufgang beobachten kann. Die Strecke ist zwar eine Wellblech-Piste und der Braune zittert ständig, aber der Grund ist fest. Dies ändert sich sofort, als ich in die Sanddünen fahren möchte., wohin viele Spuren der Jeeps führen. Aber wie trügerisch! Den nach hundert Metern sind Spuren verweht und ich merke sofort, dass das Weiterfahren keine Option ist. Rückwärtsgang rein und schnell raus hier. Aber an einem Strauch bleibe ich mit dem Hinterrad hängen . Wieder vor - ohne Erfolg, der hintere Reifen beginnt durchzudrehen: OWEH! Und die Sonne geht auf… Also zuerst Bilder machen. Dann überlegen. Ich male mir schon aus, dass ich die Sandbleche und Spaten vom Dach holen muss. Zuerst den Allrad antrieb einschalten und erneut probieren. Einen Meter geht’s vor, genug, um mit Schwung rückwärts aus dem Schlamassel herausfahren zu können. Ich bin wirklich glücklich, als ich wieder auf der Salzpiste stehe. 

Kashan

Der Siedlungshügel von Tepe Sialk weist auf die uralte Geschichte der Stadt Kashan hin. Bereits vor 7000 Jahren lebten hier Menschen; sie waren seßhaft und stellten Tongefäße her, zuerst nur von Hand und später auch mit Töpferscheibe. Von den Hütten und Häuser ist deswegen nichts mehr übrig geblieben, da es reine Lehmbauten waren aus luftgetrockneten Ziegeln. Schon bei den viel jüngeren Bauten erkennt man den Verwitterungsprozess. Interessanterweise treffe ich einen Arächologen, der Projekte für Kinder in den Sommerferien anbietet: Wie stellte man früher Ziegel her. Wie in der Bauepoche einer 3. Waldorfschul-Klasse. Es sieht einfach aus, ist es aber nur durch viel Übung. Und es ist mörderisch heiß in der Sonne! Respekt vor der Arbeit unserer Vorfahren…
Es gibt auch die schönen Handelshäuser  in der Stadt zu besichtigen. Da es Freitag (= Sonntag) ist, strömen die iranischen Familien in Scharen zu ihren Kunstschätzen! Und es gibt ein Puppen-Museum, das Handpuppen aus dem Iran zeigt- immer mit den klassischen Figuren von Gut und Böse, von Prinzen/Prinzessinnen und Dschins, den Geistern, aber auch lustigen Figuren.

Wie geht‘s weiter?

„Der Sonne entgegen“ ist ein schönes Motto, das aber zur Zeit alles anders als realistisch ist. Denn alle Staaten, die im Osten an den Iran grenzen, sind mehr als problematisch. In der vergangenen Woche war ich auf vier Botschaften in Teheran gewesen, um Genaueres zu erfahren.

Turkmenistan

Die turkmenische Botschaft mauert. Wegen Corona sei das Land komplett geschlossen, selbst für LKWs. Was „Rien ne va plus“ auf turkmenisch heißt, weiß ich nicht, aber es gibt noch nicht einmal eine Aussage, wie lange die Maßnahmen dauern sollen. Beim 2. Besuch macht noch nicht einmal jemand die Türe auf; die diplomatische Polizei vor der Botschaft bewacht ein Geisterhaus. In Deutschland tat ich mich schwer, die STAN-Länder auseinander zuhalten. Je näher ich ihnen komme, desto klarer zeigen sie ihre Eigenheiten. Turkmenistan wird seit dem Ende der UdSSR von Dikatoren regiert, die  das Land nach außen abschotten. Es hätte sowieso nur ein Transitvisum gegeben.

Afghanistan

Wer möchte schon freiwillig nach Afghanistan? Eigentlich sind es nur 50 km Luftlinie, die Pakistan von Tadschikistan an der chinesischen Grenze  voneinander trennen - dieser schmale afghanische Korridor müsste leicht zu durchqueren sein. So denke ich seit zu Hause und versuche deshalb mein Glück bei der Botschaft. Aber, dreimal aber ist alles anders. Diese schmale Landbrücke ist ein einziges Hindernis aus 6000 m hohen Bergen mit ewigem Eis!!! Die Durchquerung Afghanistans über Herat nach Masar-il- Sharif müsste mit den Taliban abgesprochen werden, meint der sehr nette Botschafter beim Tee in seinem Büro… 

Pakistan

Als ich noch den Traum habe, von Pakistan aus in die STAN-LÄnder zu gelangen, frage ich auf der Botschaft Pakistans nach einem Visum. „Geht gar nicht vor Ort“, heißt es auf Farsi. Zum Glück habe ich mit Arefe meine Dolmetscherin dabei. Ich müsse ein eVisum beantragen. Als dann noch deutlich wird, dass ich mit dem Auto einreisen will, sagt der Schaltereamte, ich solle eine Email an den Botschafter persönlich schreiben, warum, wieso, wer, mit Kopien von allem. Bis heute habe ich keine Antwort auf  meine schriftliche Anfrage… Für den Landweg nach Indien muss ich durch Pakistan, aber dann muss ich den Traum von der „Alten Seidenstraße“ aufgeben.

Die deutsche Botschaft in Teheran - ein Zwischenspiel

Der Ausflug zur deutschen Botschaft zeigt mir, dass es nicht nur die zentralasiatischen Staaten sind, die Mauern um sich und in den Köpfen haben, sondern auch das deutsche Konsulat. Erst einmal sind Botschaft und Konsulat etwas ganz verschiedenes und sie befinden sich vor allem an anderen Orten. Für Pass- und Visumsangelegenheiten ist das Konsulat zuständig. Ich besuche es um 7.00 h morgens; nur mit der Hilfe eines sehr freundlichen Sicherheitsbeamten darf ich ohne Termin in den Hochsicherheitstrakt. Dieser Mensch hatte mich am Tag vorher nämlich von der Botschaft abweisen müssen. Also Nummer ziehen, warten, nach einer Stunde trage ich dem Schalterbeamten mein Anliegen vor: Ich käme vom afghanischen Botschafter, der benötige vom deutschen Konsulat eine Bescheinigung, dass ich mit deren Wissen nach Afghanistan einreisen möchte. Erst dann könne er mir helfen und bei den Taliban eine Art Schutzbrief für mich beantragen, damit ich ungeschoren durch die 900 km lange Strecke von der iranischen zur usbekischen Grenze fahren könne. Der deutsche Schalterbeamte ruft seinen Vorgesetzten, einen 28 Jahre alten Diplomaten. Nein, er könne mir kein Schreiben mit Briefkopf geben, unmöglich, was ich da verlange. Ich sage ihm, er solle vermerken, dass ich auf eigenen Wunsch und eigenes Risiko nach Afghanistan fahren wolle. Nein, nein, nein, das mache er nicht. Für 25,- € kopiert er meinen Pass und beglaubigt die Kopie. Das ist das höchste der Gefühle.

Das Kaspische Meer

Wenn über Land nichts mehr geht, dann vielleicht übers Meer?  Wasser hat bekanntlich keine Balken… 

Die iranischen Häfen an der Küste des Kaspischen Meeres

Warum fährst du nicht über Russland in die STAN-Länder, denkt sich manch Vielgereister. Nach meinen Recherchen und Auskünften von Bekannten und deutschen Visum-Agenturen kann ich zur Zeit vom Iran aus kein Russlandvisum beantragen. Feinheiten lasse ich bewusst aus. Zweiter Einwand: Warum fährst du nicht über Aserbaidschan nach Kachachstan? Weil Aserbaidschan wegen Corona geschlossen ist. Soviel vorab. 
Also ist meine Frage, ob es iranische Schiffe gibt, die meinen Braunen nach Aktau /Kasachstan transportieren würden. Das Internet gibt nichts her - außer in persischer Sprache. Ich fahre über das Alborz-Gebirge nach Norden. Für die 140 km von Tehran nach Tschallus benötige ich 5 Stunden. Es gibt keine Autobahn, sondern nur eine Passstraße über die 4000 m hohen Berge! Armer Brauner: Es qualmt ganz schön schwarz aus dem Auspuff: unvollkommene Verbrennung wegen Sauerstoffmangel! Von den drei Häfen an der Küste ist Bandar e Anzali im Westen der größte. Die Küstensraße ist zwar flach, aber gespickt mit kleinen Bergen, der „schlafenden Polizei“. Wir kennen sie alle, diese Barrieren zur Verkehrsberuhigung in den 30-iger  Zonen deutscher Städte. Hier im Iran dienen sie der Geschwindigkeitskontrolle vor allem in den Städten, aber auch außerhalb auf den vierspurigen Landstraßen. Ich weiß nicht, über viele tausende dieser liegenden Polizisten ich gefahren bin, aber ich weiß, diese Strecke fahre ich nie wieder in meinem Leben! 200 km von Nowshahr nach Rasht von 20 auf 60 auf 20 auf 60 usw. km/h. Das zermürbt! Jetzt also nach zwei Tagen und zwei Nächten stehe ich vor dem Hafentor von Bandar-e- Anzali. “KHAZAR Shipping Line” prangt auf einem Gebäude. Hinein und auf Englisch gefragt. Ja, Auto könne man transportieren, aber nur im Container für 800 Dollar. Oweh! Außerdem müsste der Vorgang über eine Spedition laufen. Nächste Adresse. Nach dem dritten freundlich angebotenen Tee an diesem Morgen stellt sich heraus, dass der Braune mit einem LKW huckepack zum Hafen gebracht werden muss, dann ohne Container verladen kann und dann nur die Hälfte kostet. Einziger Pferdefuß: Ich kann nicht mitfahren, ich muss fliegen - irgendwie…

Reisanbau im Norden Irans - und Bergwälder,Blütenpflanzen und viel Regen!

Auf den Bilder oben sind die Berghänge in frischestem Grün zu sehen. Welch ein krasser Unterschied zur Südseite des Alborz-Gebirges. Dort herrscht die Steinwüste vor, keine Vegetation, nur mächtige geologisch interessante Kalksteinformationen. Vom Kaspischen Meer ziehen immer wieder Regenwolken nach Süden, wo sie von der Bergwand aufgehalten werden und sich abregnen müssen. Auf einem Bild sieht man, wie die Wolken in den Bergen hängen. Am meistenbeeindruckt  mich der Reisanbau im Flachland. Es sind Bilder, die wir von China und Fernost kennen. Die Felder mit Wasser geflutet, die Bauern stehen mit den Füßen im Wasser… aber hier? Ungläubig fotografiere ich diesen Anblick. 
Außerdem besuche ich, wenn ich schon einmal hier oben bin, das Bergdorf MASULEH, das sich in 1000 m Höhe befindet und seine Häuser an die steilen Bergwände geklebt hat. Vor allem die Vegetation ist üppig; ich staune über die Vielfalt der Blütenpflanzen wie Wiesenflockenblume, die Saat-Esparsette, die Keruzblume, Echinum creticum. Woher ich die Namen habe? Die Planzenapp PICTURETHIS ist großartig. Die Pflanze scannen und der Name wird angezeigt mit weiteren Infos. Genial! Gerne würde ich hier länger bleiben, aber ich habe ein großes Problem, das mich seit der Türkei begleitet.

Das Dach ist undicht!


Der Starkregen an der Küste des Kaspischen Meeres hat die Schwachstelle beim Abdichten des Dachflächenfensters offenbart: Das Regenwasser sucht sich seinen Weg durchs Dach ins Innere! In den beiden Schüsseln, die ich über Nacht aufgestellt habe, sind mehr als ein Liter Wasser! Das Fenster muss komplett rausgenommen wer und neu abgedichtet werden. Aber nicht hier und jetzt, da die nächsten Regengüsse nicht lange auf sich warten lassen. In der Wüste werde ich Zeit und Regen freie Tage genug haben- so der Plan…

Megacity Teheran

Mit 20 Millionen Einwohnern ist Teheran (Tehran in Farsi) die größte Stadt, in der ich je gewesen bin! Natürlich muss ich mit dem Braunen durch die City fahren, da ich ein Hostel anfahren soll, das in der Innenstadt liegt. Na ja, einige Deutsche, die mir nahestehen, würden einen Herzinfarkt nach dem anderen erleiden - so abenteuerlich wird hier gefahren! Auf den vielen Stadtautobahnen geht’s gut- vor allem mit dem wunderbaren Ausblick auf die 4000er Gebirgskette im Norden mit Schnee im Mai: dem Elborz.

Waldorfpädagigik im Iran

Kaum war ich im Iran, da erhalte ich Nachricht von Arefe Rezvanmanesh, dass ich doch nach Tehran kommen möge, um einen Vortrag über Waldorfpädagogik im Schulalter zu halten. Sie organisiere gerade ein zweiwöchiges Seminar für Erzieherinnen über Waldorfpädagogik im Kindergartenalter. Ja, den Abschluss solle ein öffentlicher Vortrag von mir krönen. Nun, ganz so hatte ich mir den Aufenthalt im Iran nicht vorgestellt, aber die Herausforderung ist einmalig: Über „dieWaldorfschule“ hat noch niemand in der Islamischen Republik reden dürfen (soweit ich weiß).  Also gehe ich in  den nächsten Tagen damit schwanger, wie ich der Aufgabe am besten gerecht werden könne. Am Freitag, den 13.  Mai  2022 solle es losgehen!

Das Vorbereitungsteam von Doran

Ich reise drei Tage vor dem Vortrag nach Tehran, um die Atmosphäre zu schnuppern. Ich lerne die Waldorf-Kindergärnterin Arefe kennen, die sehr gut deutsch spricht, und auch das Team von „Doran“, einem Institut zur Ausbildung von Erzieherinnen und Lehrerinnen in Tehran. Vor allem Fatemeh Sadeghi als Gründerin von Doran verfügt über ausgezeichnete Fähigkeiten zu organisieren: die Ankündigung des Vortrags, zu dem sich noch ein Seminar  gesellen soll, mit Titel und Inhaltsangaben, einem Video von mir für Instagram und die sozialen Netzwerke, usw. Mein Konzept verfasse ich so genau wie möglich, da mir Silvia ins Gewissen geredet hat, der Übersetzerin möglichst genau zu mitzuteilen, was ich sagen werde. So feile ich  an Formulierungen wie „Erziehung ist nicht eine intellektuelle-gemütliche Angelegenheit, sondern eine geistig-moralische“. Schon im Englischen wird gemütlich mit emotional übersetzt. Wie muss es erst im Persischen heißen? Der Vortragssaal ist noch ganz neu eingerichtet für ca. 90 Personen. Die Stühle müssen wir erst aus der Verpackung  befreien… Und Slides werden vorbereitet, um das Ganze auch optisch per Beamer  zu unterstützen. Also eine professionelle  Vorarbeit wird hier geleistet.
Am Freitag füllt sich der Saal um 9.00 h und aus einemVortrag werden zwei Vorträge plus Aussprache von je zwei Stunden, da die Übersetzung eben mit dazu kommt. Um 13.30 h sinke ich zufrieden und glücklich auf einen dieser bequemen Sessel. Die Übersetzungsarbeit von Arefe war großartig, wie ich am Feedback der Teilnehmerinnen (überwiegend Frauen) gemerkt habe. Danach gehen wir zusammen essen.

Die ersten vier Nächte verbringe ich im Hostel mit acht anderen Zimmergenossen. Eng, aber spannend, da ich viele andere Menschen treffe: ein deutsches Paar, das mit dem Fahrrad um die Welt fährt und seit 13 Monaten unterwegs ist. Ein junger Professor für Politik aus Kanada mit iranischen Wurzeln, mit dem ich intensiv über die Zukunft des Irans reden kann…

Dass die persische Schrift wie die arabische von links nach rechts geschrieben wird, war mir bewusst; aber dass alle Bücher auch von hinten nach vorne gelesen werden, war mir neu. Fasziniert, aber auch befremdet halte ich ein Buch in der Hand, dessen Titelseite auf dem hinteren Umschlag prangt. Welch eine Umgewöhnung!

Besuch einer Messe für Kinderspielzeug. Es wird auch Holzspielzeug für die Kleinen angeboten. Insgesamt eine große Vielfalt an Angeboten, die mich überrascht. Vieles könnte auch das Siegel von „Spielgut“ tragen.

Der Golestan Palast der Quadscharen-Dynastie

Eines der Glanzlichter in Tehran ist der Golestan-Palast (Rosengartenpalast). Er ist relativ jung verglichen mit der 2500 Jahr alten persischen Geschichte. Aber Tehran ist auch erst im 17. Jahrhundert zur Hauptstadt von Persien erklärt worden. Und damals regierten die Qadscharen-Könige, die sich einen Repräsentationsbau gönnten, der wie ganz aus Glas und Spiegeln erbaut ist. Wenn man diesen mit dem Hof des Preußenkönigs Friedrich dem Großen in Potsdam vergleicht, dann ist man überwältigt von dem Luxus und der Pracht. Es folgen einige Bilder, die für sich sprechen.

Das Nationalmuseum

war für mich in erster Linie spannend, um herauszufinden, welche steinzeitlichen Funde die urpersische Kultur begründen können: dass vor den babylonisch-ägyptischen Zeit schon die neolithische Revolution, also die Sesshaftwerdung  des Menschen, gerade hier stattgefunden hat. Und tatsächlich gibt es gerade aus Zagros-Region viele Fundorte für Besiedlung aus der Zeit um 5000 v.Chr. Es gibt eben gebrannte Töpferware mit geometrischen Mustern  und Tierbildern, die schwungvoll stilisierend sind, gleichzeitig voll Kraft und Eleganz. Die Besiedlung hatte sich über 2000 Jahre hingezogen, bis dann im dritten Jahrtausend die Stadtgründungen von Elam und Susa am Rande des Zweistomlandes hinzukamen. Eine neue Stufe der Kultur beginnt damit, die sich auch in der Erfindung der Schrift ausdrückt; die Keilschrift in Mesopotamien und die Hieroglyphen in Ägypten.

Der Vollständigkeit halber sind auch Fotos aus der Zeit der ersten Perserkönige, der Achämendiden wie Dareios, Xerxes  hinzugefügt. Ich finde die Gesichtszüge der alten Perser  auch in der Physionomie der heutigen Männer wieder: die kantigen, aber edlen und strengen Formen! Die steinernen Zeugen stammen alle aus der Hauptstadt des Perserreiches, aus Persepolis, wie die Griechen sie nannten.

Die Kunst des Teppichwebens

Durch Zufall finde ich im Niavaran-Park im Norden der Stadt einen Teppich-Bazar. Da es hier nicht so überfüllt von Menschen ist wie in den großen Bazaren der Stadt, komme ich mit den Händlern ins Gespräch. Und endlich verstehe ich, welche Arbeit es ist, einen so kunstvoll gestalteten Perserteppich zu weben: An einem mittelgroßen Teppich weben zwei Personen ein Jahr lang und an großen Stücken manchmal 6 Menschen zwei Jahre hindurch! So ist es für mich nachvollziehbar, dass so ein Kunstwerk 10000.- €  und mehr kosten darf. Ich mache nur Fotos, denn auf meine Reise kann ich kein solches Schmuckstück mitnehmen.

Wiege von Ackerbau und Viehzucht

Das iranische Hochland ist seit mehr als 50000 Jahren bewohnt gewesen, wie dies durch die Funde von Pfeilspitzen im Hochland des Zagros-Gebirges nachgewiesen wurde. Der Übergang vom Jäger und Sammler zum Bauern wird so schön als die Neolithische Revolution gepriesen. Die Bedingungen zum Züchten von Gräsern zu Getreide waren ideal: Wasser und Sonne gab es in Hülle und Fülle! So findet sich eines der bedeutendsten Heiligtümer aus der Zeit des alten Zarathustra genau in dieser sehr abgeschiedenen Gegend auf 2000 Metern Höhe, der Takht-e- Suleyman. Heute erreicht man diesen Ort bequem mit dem Auto, indem man der Straße von Takab 35 km nach Nordosten folgt (Provinz West-Aserbaidschan). 

Takht e Suleyman - Der Tempel des Salomon

Von dem uralten Heiligtum sind nur noch Ruinen vorhanden. Aber die Natur ist so ursprünglich geblieben, dass es nicht schwer fällt, in die Stimmung des Ortes einzutauchen. Vor allem der Ort des Wassers und des Lebens ist heute noch aktiv: die Quelle, die sich einen Teich mit Kalksteinmauer selbst gebaut hat. Dieser Teich hat mehrere Ausgänge , durch die das Wasser fließt und die Landschaft fruchtbar macht. Er ist der Wassergöttin Anahita geweiht. Und direkt daneben stand der Feuertempel für den Sonnengott Ahura Masdao. Und der Mitte zwischen dem ewigen Feuer und dem Wasser des Lebens thronte in sassanidischer Zeit der König als Vermittler zwischen beiden Polen. Der Feuertempel bildet den Innenraum, aus dem die Inspirationen kommen, der Teich hingegen öffnet sich der Welt: ein Bild für die Fruchtbarkeit des Inspirationsstromes! So steht heute jeder Mensch da: das Feuer der Begeisterung in sich tragend und nach außen in der Welt Gutes bewirkend.

Das Dareios-Relief am Berg der Götter

Auch hier zwingt die Natur dem Menschen große Bewunderung ab: Die Berge türmen sich über tausend Meter hoch, während unten im Tal die alte Königs- und Karawanenstraße verlaufen. Die Dolomiten sind mit diesem Massiv vergleichbar. Hier ließ sich Dareios I. um 500 v. Chr. in Stein verewigen. Über 5 mal 3 Meter groß ist das Bild mir den Inschriften über seine Siege. In drei Sprachen wird dies verkündet: in altpersischer Keilschrift, in neubabylonisch und in elamitisch. Diese Abschriften bekam ein junger deutscher Lehrer um 1800 in die Hand und entzifferte damit als erster die Keilschrift. Friedrich Grotefend hatte nämlich die Idee, dass es sich um eine Aufzählung von Königsnamen handeln müsse - und diese waren aus anderen Quellen bereits bekannt! Einziger Nachteil heute: Das Relief wird restauriert und - dreimal leider - nicht zu besichtigen.
Dafür gibt es jede Menge anderer Reliefs aus späterer Zeit bei Kermanshah (Taq e Bostan), auf denen zu sehen ist, wie der Sonnengott Ahura Masdao dem König den Ring der Macht übergibt.

Endlich im Iran

Nach 10 Tagen im Iran komme ich endlich dazu, von meinen ersten Eindrücken zu berichten. Zum einen war es unmöglich, eine iranische SIM-Karte für Menschen mit deutschem Pass zu bekommen, zum anderen funktionierte mein Ipad nicht ….

Der Inbegriff von persischer Landschaft durch 7000 Jahre Kulturgeschichte

Im Norden schlängelt sich das Elburz-Gebirge mit dem höchsten Berg Irans, dem Damavand (5600 m), am Kaspischen Meer entlang, während sich im Süden das flächenmäßig gewaltigere Zagros-Massiv ausdehnt. Dadurch liegt in den Höhenlagen immer viel Schnee bis in den Frühling hinein. Überall sehe ich schneebedeckte Gipfel - und das im Mai! Das Schmelzwasser ergießt sich in die Täler und ermöglicht damit Landwirtschaft. Kein Wunder also, dass der Iran mit zu den frühesten Orten der Sesshaftwerdung des Menschen zählt. 
So richtig verstanden habe ich das erst auf der Fahrt durchs Hochland, das sich zwischen den beiden Gebirgszügen befindet. Überall sprießt das frischeste Grün auf den Äckern: Getreidefelder bis zum Horizont! So muss es schon vor 7000 Jahren hier ausgesehen haben. Da es natürlich keine steinernen Zeugen mehr gibt, beginnt die Kulturgeschichte Persiens erst viel später in elamitischer Zeit, also zur Zeit der Hochkulturen von Mesopotamien.

Täbris, die 1,5 Millionen Stadt im Norden des Iran ist meine erste Anlaufstelle, um Geld zu tauschen, eine iranische SIM-Karte zu erhalten und die Versicherung fürs Auto abzuschließen. Vom Shah Goli Park, in dem ich übernachten kann, ist es wunderbar grün, die Menschen strömen abends zu tausenden durch die Alleen und Teichanlagen.

Der große Bazar von Täbris beherbergt  über 7000 Geschäfte, die alle von den Ziegelmauern überdacht sind. Es ist der größte Basar im Iran! Und natürlich kann ich hier Geld tauschen. Auf dem Schwarzmarkt gibt‘s für einen Euro 280 000 Rial. Das fünffache vom offiziellen Kurs auf der Bank (1 € = 50000 Rial).

Hier wird alles verkauft, was zum Leben nötig ist und noch viel mehr… in jedem Abschnitt gibt‘s die gleichen Waren, so dass man gut vergleichen und auswählen kann. Es wäre ein Freuden fest für Silvia, durch die engen Gänge zu laufen. Aber Achtung, den Weg nach draußen findet man oft nicht! Es ist ein Irrgarten!

Beim Besichtigen der alten Handelsstadt auf der Seidenstraße fällt auch der Feuerturm auf, der immer besetzt war, um Brände der Häuser zu sichten und Hilfe zu rufen. Moosen ist mein kompetenter Führer. Er ist eigentlich Ingenieur, doch jetzt hat er eine kleine Autowerkstatt und interessiert sich natürlich für meinen Landcruiser.

Überall stehen Bronzeplastiken in der Fußgängerzone von Täbris. Meine Haare habe ich mir schon von Georgiens Friseuren schneiden lassen; übrigens hatte mich das 1,50 € gekostet!!!

In diesem spektakulären Restaurant war ich zur Feier des Fastenbrechens eingeladen. Man musste Nummern ziehen, so voll war es am Abend um 20.30 Uhr. Doch durch alle Tricks und mit dem Verweis auf den deutschen Gast hatten wir innerhalb von 15 Minuten einen freien „Tisch“, so würden wir in Deutschland sagen. Hier ist es ein freie Sitzfläche auf dem Boden. Gegessen wird im Schneidersitz.

Aber auch das einfache Picknick im Freien hat seinen Reiz! 

Das Gefängnis der Salomon, 35 km nordöstlich von Takab. Du gehst eine Viertelstunde den Berg hinauf und dann verschlägt es dir den Atem: Du blickst in einen 100 m tiefen senkrecht abfallenden Krater hinein!

Hier ist die Öffnung des Kraters, der aber nicht vulkanischen Ursprungs ist, sondern aus einer Quelle entstanden ist. Das Wasser aus den umliegenden Bergen ist extrem kalkhaltig. So bildete sich durch die Jahrtausende ein Rand aus Kalkablagerungen, der immer höher wuchs.

Um es besser sehen zu können, folgt hier eine Luftaufnahme. Es ist ein Naturphänomen besonderer Güte. Und das in  Sichtweite des zweiten Naturwunders, dem Takht e Suleyman, dem Tempel des Salomon.

Armenien

In der letzten Aprilwoche geht’s nach Armenien, dem kleinen Hochland mit atemberaubenden Berglandschaften. Zum einen gibt es kulturgeschichtlich nur hier die Kreuzsteine zu sehen, zum anderen gibt es alte Karawansereien aus der Zeit der Seidenstraße. Da ich nicht viel Zeit habe (am 2. Mai läuft mein Iran-Visum ab!) kann ich den Waldorfschulen in Eriwan keinen Besuch abstatten. Es folgen Bilder vom Kloster Sanahin aus dem 11. Jahrhundert mit den einzigartigen Kreuzsteinen, die mit Flechtmustern überzogen sind, wie man sie nur von den irischen Hochkreuzen kennt. Die Kreuze auf den Stelen zeigen dafür immer das Lebenskreuz, das wir aus aus Georgien kennen. Es fließt vom Kreuz der lebenspendene Kraftstrom herab, der alles erneuert!

Eine wichtige Einzigartigkeit der armenischen Klosteranlagen sind die Vorhallen vor den Kreuzkuppel-Kirchen. Sie haben stets ein Loch in der Kuppel, damit Tageslicht einfallen kann. Hier ist der Weg zumHimmel offen:

Hier wurde studiert wie in den Akademien, die es in Georgien gab (Kloster Gelati). In der Hochblüte des armenischen Christentums vereinigte sich die Religion mit der Philosophie des Altertums, die interessanterweise gerade durch die arabische Welt wieder gefunden worden war.

Berge und Seen Armeniens

In der Länge durchmisst das Land 500 km, so dass man meinen könnte, dass es schnell zu durchqueren sei. Aber selbst auf der Landkarte lässt sich nicht erkennen, wie abenteuerlich die kurvenreichen Strecken durch die Bergwelt  sind. Es geht oft hinauf bis auf 2000 m und vom Pass wieder hinunter. Die schönsten Strecken liegen auf dem Hochland, wo die Straßen flach und relativ gerade durch die Graslandschaften ziehen. Und leider sind die Straßen in einem für mitteleuropäische Verhältnissse miserablem Zustand: Es gibt viele Schlaglöcher und fehlenden Straßenbelag. Wenn ich nicht sehr genau aufpasse, fliegt mein Mülleimer aus der Halterung! Der liebe Braune muss  Einiges aushalten. So brauche ich für 380 km 10 Stunden Fahrzeit!! Man muss sich das so vorstellen, als würden die Straßen ständig durch die Alpen führen. Nach Süden hin führen die Passstraßen sogar auf 2500 m Höhe und die Berge sind entsprechend weit über 3000 m hoch! 
Entschädigt werde ich für diese Mühe durch die Frühlingslandschaft. Auf 1500 m Höhe blühen gerade die Obstbäume und die Laubbäume zeigen ihr hell leuchtendes Grün: ein paradiesischer Anblick! Und die Schluchten muss man  sich als senkrecht abfallende Canyons vorstellen, an deren Talsohle ein reißendes Gewässer schäumt.

Ostern zu zweit

Für eine Woche kommt Silvia nach Tbilisi geflogen und wir touren gemeinsam durchs Land. Wie schön! Der Besuch des „Blauen Engels“ in Kwinzwissi, des schwarzen Magnetstrands von Ureki,  von Kolchis und der Umgebung von Tbilisi stehen auf dem Programm. 

In der Nikolauskirche von Kwinzwissi 100 km westlich der Hauptstadt malten die Mönche die Fresken mit Farbe aus Lapis Lazuli aus Afganistan. Der „blaue Engel“ weist auf das leere Grab und will mitteilen, dass der Christus wahrhaft auferstanden ist. Was bei uns die Zeit der Gotik ist, findet sich hier als Bauimpuls der Kreuzkuppelkirchen (11. - 13. Jh.).

Der Kolchis-Brunnen von Kutaisi sprudelt  wieder! Die ehemalige Hauptstadt des westgeorgischen Reiches hat sich pünktlich zu Ostern herausgeputzt.  Ein Tipp für Besucher ist das Parkhotel auf dem Steilhang. Es liegt - wie der Name sagt - mitten in einem alten Park mit prächtigen Blick über die Stadt und einer Seilbahn, mit der man für 30 Cent ins Zentrum schweben kann. Für 19.- € / Nacht schlafen wir angenehmer als in meinem Braunen.

Der Markt platz von Kutaisi ist gewaltig groß. Es gibt neben frischen Obst und Gemüse natürlich den aus Salzlake gewonnenen Käse (auch geräuchert), Fleisch und die spezielle Süßigkeit, die hier angeboten wird: Walnüsse in karamellisiertem Mantel, die an einem Faden aufgehängt sind.

Bei sonnigem Wetter sieht man bis zum „kleinen“ Kaukasus mit seinen 3700 m Höhe. Der schwarze Sand ist magnetisch und glitzert in der Sonne durch die Magnetitkristalle. Dieser Strand bei Ureki (15 km südlich von Poti) ist einzigartig in der Welt und dient auch therapeutischen Zwecken. Im Sommer tobt hier der Bär! Jetzt sind wir ganz alleine hier …

Die Christengemeinschaft

in Tbilisi kann mittlerweile einen paradiesisch schönen Garten ihr eigen nennen, den diverse Gebäude zum Wohnen und Arbeiten umgeben. Das Herzstück ist der Altarraum mit dem Ikonenbild und Bienenwachskerzen wie sie für Georgien so typisch sind (in jeder Kirche werden von den Besuchern mehrere dünne Bienenwachskerzen angezündet).

Zwei neue Waldorfschulen in Saguramo und Lisi

Es gibt in bzw. bei Tbilisi gleich zwei neue Initiativen mit unterschiedlichen Profilen.Die „ältere“ der beiden nennt sich auch Saguramonatureschool.edu.ge und verfügt über ein großes Stck Land, auf dem z. B. die 3. Klasse ein Feld von 100 mal 20 Metern beackern kann.  Das zu erntende Getreide langt zum Brotbacken für jeden Tag des ganzen Jahres! Das ist kein „Spielzeug-Acker“ wie bei uns … Die Waldorfschule Saguramo hat mittlerweile vier Klassen und eine Kindergartengruppe. Hier folgen vier Bilder:

Die Waldorfschule Lisi in Tbilisi: Hier hat die Initiative ein Gebäude des benachbarten SOS- Kinderdorfes gemietet und beherbergt darinnen 3 Kindergartengruppen und eine erste Klasse. 

Die erste Klasse ist noch klein, aber die Kinder dürfen mit und in dem „Bewegten Klassenzimmer“ leben und lernen! Und vor dem Hauptunterricht können sich die Schüler*innen im Turnraum bewegen und mit vielfältigen Geräten spielen.

So schön der Klassenraum auch ist, in den kommenden Jahren müssen neue Klassenzimmer hinzukommen, wenn die Schule wachsen soll. Ein Neubau ist also dringend notwendig. Und wir können nur feste die Daumen drücken!

Freie Waldorfschule Tbilisi 28 Jahre alt

Diese Schule wurde 1994 gegründet und steht auf einem soliden Fundament. Die Generation der Gründungslehrer*innen ist noch aktiv, aber sie wird  immer spürbarer von jungen und dynamischen Lehrkräften abgelöst. Interessanterweise kommt der Nachwuchs zum Teil aus den eigenen Reihen; die ehemaligen Schüler*innen geben jetzt selber Unterricht! 
Bis heute ist die WS Saarbrücken die Patenschule der WS Tbilisi und veranstaltet gemeinsame Musikprojekte: Ein Jahr kommt das deutsche Orchester nach Georgien, im andern Jahr finden die gemeinsamen Proben und Aufführungen in Saarbrücken statt. Wie das Schicksal will, treffe ich „durch Zufall“ den Saarbrücker Gründungslehrer Matthias Valentin hier, der 10 Jahre beim Aufbau geholfen hat und der jetzt seinen Ruhestand hier genießt. Am letzten Wochenende zeigte er mir das alte spirituelle Zentrum Georgiens, das „Alt-Tbilisi“ MTSKHETE (Mzcheta ausgesprochen; die georgische Sprache badet sich in Konsonanten, die für uns nicht aussprechbar sind!). 
Und außerdem möchte ich ein pädagogisches Projekt vorstellen, das jede 7. Klasse hier durchführt: Es werden Marionetten gebaut, ein Märchenspiel damit eingeübt und der ersten Klasse gezeigt. Noch heute erinnern sich die Siebtklässler*innen an die Aufführung, die sie in der 1. Klasse gesehen haben! Die beweglichen Gliedmaßen werden im Werken hergestellt, die Kleider für König und Königin, Prinz und Prinzessin, … entstammen dem Handarbeitsunterricht. Eine wunderbare Zusammenarbeit der Fächer! Dazu gibt‘s gleich die Bilder:

Das alte geistige Zentrum: Mtzkheta

Die Heilige Nino

kommt um 330 n.Chr. aus Kappadokien hierher und heilt die kranke Königin Nana; zum Dank wird auch der König Christ und so wird sein Reich das erste christliche Reich im Jahr 337 n.Chr.

Heidnische Einflüsse

in der Kirche, die 1000 Jahre alt ist. Um den Christus gesellen sich neben Sonne und Mond die 12 Sternbilder. Natur und Geist sind in Harmonie vereinigt.

Das Weinrebenkreuz    

von Nino, das sie der Legende nach von Maria aus geflochtenen Weinreben erhalten hatte und mit dem sie heilen konnte.  Die Kirche heißt bis heute Sveti Zochweli: „die lebenspende Säule“.

Der lebenspendende Baum als Motiv

Die erste Kirche war aus 7 Holzsäulen errichtet, die mit dem Blut Christi in Berührung gekommen waren (eine lange Legende gibt’s dazu) und zu heilkräftigen Lebensbäumen wurden.

Georgien - Land zwischen dem großen und kleinen Kaukasus

Bei schönem Wetter sind die schneebedeckten Bergrücken des Kaukasus (bis über 5000 Meter) zu sehen. Es folgen Bilder von der Hauptstadt und der Umgebung - Eindrücke vom letzten Wochendausflug. In der Woche „muss“ ich ja arbeiten:  So hospitiere ich jeden Tag in den Klassen 1 bis 8 und im Werkunterricht. Es gibt keine bessere Gelegenheit, die Schule, die Kinder, die „georgische Seele“ kennenzulernen. Es gibt viel Emotion, es gibt heiß und kalt, aber nicht lauwarm! Und immer gepaart mit Lust auf Abenteuer; ich glaube, ich passe hier ganz gut her ;-)

Georgien

Am 1. April 2022 lande ich in der Hafenstadt Batumi, die zu den touristischen Highlights an der Küste des Schwarzen Meeres zählt. Wunderschöne angelegte Boulevards parallel zum Strand mit Palmen, Magnolien, Eukalyptus- und Zypressenbäumen. Die Menschen der Stadt genießen den lauen Frühlingsabend draußen und demonstrieren ihre Unterstützung für die Ukraine!

Das alte Kolchis der Argonautensage

Das heutige Kolchis heißt Kutaisi auf georgisch und schmückt sich mit dem Kolchis-Brunnen auf dem zentralen Fontänenplatz. Jason sollte hier das Goldene Vließ von Aietes, dem König der Kolcher erwerben, indem er übermenschliche Taten verrichten musste: wilde Stiere zähmen, mit ihnen ein Feld pflügen, Drachenzähne aussäen und die daraus erwachsenden Riesen besiegen. Das war nur möglich durch die Hilfe von Medea, die sich in Jason verliebt hatte! In den Reiseführern wird die Sage so gedeutet, dass das goldene Vließ für das Fell der Widder steht, mit deren Hilfe früher das Gold aus den Flüssen gewaschen wurde. Das ist sehr materialistisch gedacht und wird den Bildern der Sage nicht gerecht. Steht der Widder - astronomisch gesehen - doch als Sternbild für die neu beginnende  griechischen Kulturepoche: Jetzt werden die Denkkräfte des menschlichen Hauptes entwickelt wie der Philosophie -ganz  im Gegensatz zu den Stierkräften der verflossenen ägyptisch-mesopotamischen Zeit davor (die gewaltigen Steinmassen der Pyramiden sind das Urbild von Gliedmaßen- und Stoffwechselkräften).

Die moderne Bronzefigur des Widders auf dem Kolchis-Brunnen. Kutaisi war ab dem 10. Jahrhundert die Hauptstadt des georgischen Reiches unter  dem König Bagrat, der auf dem Hügel über der Stadt die mächtige Bagrati-Kathedrale errichten ließ, die oben auf dem Bild zu sehen ist. 

Das Kloster GELATI ist unweit von Kutaisi im 12. Jahrhundert errichtet worden, um im goldenen Zeitalter des georgischen Reiches die Religion mit der Philosophie zu verbinden. In der Akademie wurden die sieben Freien Künste gelehrt (Astronomie, Geometrie, Arithmetik, Musik, Grammatik, Dialektik, Rhetorik) - zur gleichen Zeit von Thomas von Aquin und den Scholastikern in Westeuropa!

Und die Mutter Gottes thront über dem Altarraum und trägt den Christus. Sie ist das Urbild der menschliche Seele (eben als weibliche Mitte des Menschen), die das Geistige, das Himmlische hält und beschützt: den Christus, der in jedem Menschen lebt. Davon künden die im byzantinischen Stil gehaltenen Goldmosaiken der Kirche von 1125 n. Chr.

Rumi in Konya

„On the Road again“ - Richtung Konya, wo der berühmte Sufi-Großmeister Mevlana Dschalal-ad-Din Rumi im 13. Jahrhundert gewirkt hatte. Zwar sind die tanzenden Derwische auch bei uns bekannt, aber dass sich Konya „die Stadt des Herzens“ nennt wohl weniger. Das verdankt sie Rumis Grundverständnis vom Islam, dass die Liebe im Zentrum jeder spirituellen Praxis steht. Zu seinem Grab inmitten der ehemaligen Ausbildungsstätte der „Bruderschaft der Derwische“ pilgern bis heute die Menschen und ich habe sie dort beten gesehen.

Göreme in Kapadokien

Schon die ersten Christen schlugen aus dem weichen Bimsstein ihre Felsenwohnungen; Menschen aus zwei Jahrtausenden nutzen diese geologische Wunderwelt, sie errichteten Burgen in dem Stein, ja eine ganze Stadt! Für Touristen werden alle Arten von Exkursionen angeboten; neben Heißluftballon-Fahrten auch Quad-Touren. Na auf diesen Offroad--Pisten konnte ich zum ersten Mal meinen Braunen testen. Ganz alleine zwischen den Feentürmen !

Das ist der Vulkan Erciyes Dagi (4000 Meter hoch!), der für den Ascheregen, die weichen Bimsstein- und die härteren Basaltschichten gesorgt hat. Ist heute auch ein Skigebiet.

Ich komme dem Schnee ständig nahe. Die Pass-Straßen sind durchweg 2000 Meter hoch. Hier erstrecken sich die Gebirge über eine größere Ausdehnung als in den uns bekannten Alpen.

“Durchs wilde Kurdistan” - so heißt ein Karl-May-Band. Auch wenn man heute korrekterweise von Ostanatolien spricht, so kann ich mir kaum vorstellen, wie beschwerlich die Reise zu Pferd  gewesen sein muss. Ich lobe mit jedem Kilometer die türkische Bauingenieurskunst! Auch im kilometerlangen Tunnelbau stehen sie den Schweizern in nichts nach.

Nach 1300 km von Alanya im Südwesten quer durch die Türkei in den äußersten Nordosten bin ich an der Küste des Schwarzen Meeres angekommen. Kurz vor der georgischen Grenze mache ich Pause und muss meine 10 GB Internet von Türkcell noch verbraten - was ich hiermit geschafft habe. Wir schreiben den letzten Tag des Monats März. Morgen geht’s über die Grenze…

Gute Wünsche zum Abschied

Dieses Team ist zum größten Teil erst ein Jahr an der Schule. Das heißt oft, dass die Grundlagen der Waldorfpädagogik nicht einfach vorhanden sein können. Der gute Wille ist bei allen vorhanden; aber die Belastungen im Alltag sind hoch: zusätzliche Vertretungen, Elterngespräche, Konferenzarbeit… Da kann der Gedanke auftauchen, wofür das alles sein muss? Wenn die Kraft  der Gemeinschaft trägt, wenn die Sinnhaftigkeit des Projektes erlebt wird, wenn die Kinder es ihren Lehrer*innen danken - dann besteht die berechtigte Hoffnung, dass das Kollegium wenigstens die nächsten zwei, drei Jahre so zusammenbleibt, wie es jetzt auf dem Bild zu sehen ist.  Dann festigt sich das Verständnis der Menschenkunde, der methodisch-didaktische Ansatz der Waldorfpädagogik und das Lernen durch Erfahrung! Ich drücke diesen netten Menschen beide Daumen und wünsche ihnen von Herzen alles Gute.

Die Waldorfschule Alanya

Die erste und einzige Waldorfschule in derTürkei feierte am 21. März 2022 den 6. Jahrestag der Grundsteinlegung für diesen schönen Neubau. Natürlich geschah das mit einer Schüleraufführung, einer öffentlichen Schulfeier und dem anschließenden Fest mit großem Buffet, Musik und Tanz!

Die Architektur

Der perfekt geplante Schulbau würde so manche Waldorfschule in Deutschland neidisch machen. Es gibt erst 9 Klassen, die Oberstufe befindet sich im Aufbau. Und der Kindergarten mit 6 Gruppen(!) platzt aus allen Nähten! Ein Erweiterungsbau wird geplant!

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Das Kollegium auf der Bühne

Das gesamte Kollegium mit Mitarbeiter*innen singt zusammen türkische Lieder und begleitet sich mit traditionellen Instrumenten.

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Die Schulfeier

Die Schüler*innen der Mittelstufe singen und musizieren auf der Bühne des großen Saales mit großer Leidenschaft. Vorher hatten die Schüler*innen der obersten Klassen von ihren Erinnerungen an den ersten Schultag berichtet.

Welcher Geist weht hier an der Waldorfschule Alanya?

Nun habe ich zwei Wochen lang den Alltag in der Waldorfschule Alanya miterleben dürfen. Den Hauptunterricht in acht Klassen konnte ich in den Hospitationen wahrnehmen. Die Offenheit der Kolleg*innen, mich ohne Zögern in ihren Unterricht kommen zu lassen, ist keine Selbstverständlichkeit - gerade wenn man deutsche Verhältnisse kennt. Rat und Unterstützung werden hier gerne aufgegriffen und angenommen, so dass ich immer das Gefühle hatte, meine Arbeit vor Ort macht Sinn! Wie schön, dass ich helfen kann. Das sind beglückende Erfahrungen. 
Es war ja am Anfang gar nicht klar, wie ich in einem rein türkischsprachigen Unterricht etwas verstehen soll? Da die Kommunikation zwischen Lehrer*innen und Kindern zu 75% nonverbal funktioniert, sehe und spüre ich genau, wie die Qualität der Beziehung ist, wie künstlerisch der Unterricht ist - das berühmte seelische Ein- und Ausatmen -, was am Ende wirklich bei den Kindern ankommt, und so weiter.  Die Nachbesprechungen mit den Kolleg*innen laufen in der Regel in Englisch oder Deutsch bzw. manchmal mit Dolmetscher*in. 
Das bewegendste Erlebnis aber war die Stimmung im Kollegium. In den Konferenzen wurde sehr ernsthaft zusammengearbeitet; fast alle beteiligten sich an den Gesprächen. Und während der Schulfeier sang das Kollegium freudig auf der Bühne und begleitete sich instrumental dazu. Später wurde am Feuer weiter gesungen und gemeinsam getanzt. Die Eltern waren schon mit ihren Kindern gegangen, da hatten die Lehrer*innen noch ihren Spaß. Dieser Gemeinschaftssinn prägt zur Zeit die Schule! Es wird hart gearbeitet: von 9 Uhr bis 16.40 sind alle in der Schule anwesend; und immer begegnet man sich herzlich und hilfsbereit. Ein Vorbild für deutsche Waldorfschulen!

Gute Wünsche zum Abschied

Dieses Team ist zum größten Teil erst ein Jahr an der Schule. Das heißt oft, dass die Grundlagen der Waldorfpädagogik nicht einfach vorhanden sein können. Der gute Wille ist bei allen vorhanden; aber die Belastungen im Alltag sind hoch: zusätzliche Vertretungen, Elterngespräche, Konferenzarbeit… Da kann der Gedanke auftauchen, wofür das alles sein muss? Wenn die Kraft  der Gemeinschaft trägt, wenn die Sinnhaftigkeit des Projektes erlebt wird, wenn die Kinder es ihren Lehrer*innen danken - dann besteht die berechtigte Hoffnung, dass das Kollegium wenigstens die nächsten zwei, drei Jahre so zusammenbleibt, wie es jetzt auf dem Bild zu sehen ist.  Dann festigt sich das Verständnis der Menschenkunde, der methodisch-didaktische Ansatz der Waldorfpädagogik und das Lernen durch Erfahrung! Ich drücke diesen netten Menschen beide Daumen und wünsche ihnen von Herzen alles Gute.

Im Sonnenschein ankommen

Nach 3000 km Fahrt in 6 Tagen scheint nicht nur die Sonne wieder am blauen Himmel - die Nachtfröste sind weggeblasen und zweistellige Tagestemperaturen empfangen mich in Antalya! Dazu kommt die atemberaubende Kulisse: die schneebedeckten Zweitausender um das glitzernde Meer!

Istanbul im Schnee

Tag 5 - in der Türkei angekommen! Ein obligatorischer Besuch von Hagia Sophia und Blauer Moschee. Aber das Wetter ist im Norden so frostig, dass ich die 700 km nach Antalya weiter durchfahre. Treu dem Motto: Der Sonne entgegen!

Im Paradies

Tag 7 - am Strand von Antalya findet sich immer ein Platz, wo man einsam und schöne stehen kann. Und gehe ich am Strand spazieren, werde ich an einer der Bars zum Chai-Trinken eingeladen. Ein Hoch auf die türkische Gastfreundschaft!

Ich mag keine Selfies. Aber ich muss ja wenigstens mit einem Bild dokumentieren, dass ich wirklich vor Ort bin! An diesem Tag an der Südküste der Türkei bin ich einfach glücklich. Alles ist gut. Der Braune läuft und läuft, auch wenn er viel Diesel-Durst hat. So hat er ca. 450 Liter geschluckt. Bei den Dieselpreisen von heute kann man leicht die Fahrtkosten errechnen… 

Tag 8 - Der Apollo-Tempel von Side. 
Ich sehe nun, dass Kleinasien  mindestens 2000 Jahre lang von europäischer Geschichte und Kultur geprägt war. So fällt es leichter, der Aufnahme der Türkei in die EU aus voller Überzeugung zuzustimmen.

Tag 9 - Mein Besuch der ersten und zur Zeit einzigen Waldorfschule in der Türkei. Davon später mehr…

Es geht los!

Sonntag, der 6. März 2022, ist der Tag des Abschieds von zu Hause. Traurig auf der einen Seite, erwartungsvoll und freudig auf der anderen… Und die ersten Erlebnisse erwarten mich schon: im Neuland Bulgarien. Schnee in den Bergen und winterliche Temperaturen.

Abschied von meiner alten Klasse

Mittlerweile sind eineinhalb Jahre vergangen, seitdem das erste Bild mit meiner alten Klasse vor dem "Braunen"geschossen wurde. Und wie sich alle verändert haben: mindestens um einen Kopf größer und richtige Teens!

Der Sonne entgegen

Wann es endlich in Richtung Osten "der Sonne entgegen" losgehen kann, hängt in erster Linie von der Öffnung der Landesgrenzen ab. Die Länder der "Alten Seidenstraße" haben wegen Corona die Landesgrenzen größtenteils dicht gemacht, so dass man zwar z.B. ein Visum für den Iran ausgestellt bekommen könnte, mit dem man das Land per Flugzeug besuchen dürfte, aber nicht mit dem Auto! 

Aber wer weiß? Im Frühjahr wird sich die Erde wieder öffnen und das Leben aus der Finsternis entlassen, alles beginnt zu wachsen und zu blühen. Warum sollte es keinen Neubeginn für uns alle geben?