Laos
Am 11. Juli 23 verlassen wir als China-Travel-Group die Volksrepublik. Unsere Wege trennen sich in Laos, da ich möglichst schnell nach Thailand fahren muss, um meine Frau Silvia dort zu treffen. Die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen haben längst begonnen und die Zeit drängt …
Der Weg führt 600 km vom Norden nach Süden zur Hauptstadt Vientiane.
Auf Straßen wie in Nepal zur alten Königsstadt
Es wird tagsüber 35 Grad heiß und schwül, da auch das laotische Bergland im Norden unter 1000 m hoch ist. Im Vergleich zu Tibet befinde ich mich auf Flachlandniveau. Übernachten kann ich nur in einem Guesthouse mit Aircondition, um nachts schlafen zu können, da es hier nicht wirklich abkühlt, sondern um 25 Grad warm bleibt. Im Auto zeigt das Thermometer dann 27-28 Grad an.
Die Straßen erinnern mich an Nepal: viele Schlaglöcher und Schotterstrecken, so dass ich höchsten 300 km pro Tag fahren kann. So erreiche ich am dritten Tag die alte Königsstadt Luang Prabang. Und die ist wirklich sehenswert! Eine wunderbare Übersicht genieße ich vom Phoosi Hill mit seiner Stupa. Und der Mekong zieht seine Bahnen gemächlich durch die Tempel- und Häuserlandschaften.
Transit durch Tibet und Yunnan nach Laos
Warum von unserer China-Travel-Tour-Reisegruppe - 7 Autos mit 15 Personen - nur die Hälfte die Genehmigung der chinesischen Behörden bekam, wird immer im Dunkeln bleiben. Ende Juni sollte es losgehen. Hektische Versuche derjenigen, die nicht mitkommen durften, waren sehr nachzuempfinden. Einige wollten ihre Pässe wiederhaben, denn 6 Wochen „Prüfzeit“ ihrer Daten mit ungewissem Ausgang war ihnen schlicht zu lang. Andere wiederum wollten warten, aber sich beim Agenten beschweren, dem sie 80 Euro für nichts in den Rachen geworfen hatten.
Die 130 km von Kathmandu nach Rasuwa Gadhi, dem Grenzort in Nepal, gestalteten sich als reine Offroad-Tour. Die australische Familie in ihrem normalen Wohnmobil musste dreimal die Hilfe eines Militärtrucks in Anspruch nehmen, um durch die Wasserlachen und Steinpfade hindurch zu kommen. Drei Tage benötigten sie für die 130 km!!
15 Tage „China Travel Tour“ heißt:
fertig vorgeplante Reise mit Guide für 2000 Euro
Anders kann man mit dem eigenen Auto nicht durch China fahren. Im Vorfeld werden Fragen gestellt, die in keinem Fahrzeugpapier stehen: der Radstand (Länge zwischen Vorder- und Hinterrad), die Achslänge von Reifen zu Reifen, usw. Außerdem wird Auskunft verlangt über den Geburtsort meiner Eltern (auch wenn beide schon tot sind), meine Ausbildung und berufliche Laufbahn, was meine Kinder machen … Am Ende waren es 10 Seiten, die jeder am „Chinese Visa Application Center“ unterschreiben musste. Und wir mussten natürlich unsere biometrische Daten wie Fingerabdrücke abgeben. Die Chinesen, die ich später diesbezüglich fragte, gaben mir die Antwort, dass China das sicherste Land der Welt sei. Wie wahr! Dem kann man nichts entgegenhalten.
Der Transit von 4300 km durch Tibet und die südchinesische Provinz Yunnan war perfekt vorbereitet. Die zu fahrenden Kilometer bis zur nächsten Stadt sollten genau eingehalten werden, um im Zeitplan zu bleiben. Von Gyirong im Westen bis nach Mohan im Süden. Direkt hinter Gyirong zeigt das Himalya-Gebirge seine Zähne: die 7000er, die den Weg nach Norden versperren!
Hochlandwüsten und Bergpässe bis 5300 m
Gleich am ersten Tag müssen die Autos beweisen, was sie leisten können. Auch die Menschen, die kaum Zeit hatten, sich an die Höhe von über 5000 m zu gewöhnen, werden von Kopfschmerzen geplagt, die noch das geringste Übel darstellen. Zwischen 4000 und 5000 Höhenmetern gibt‘s kein Grün mehr zu sehen. Es ist ein Gesteinswüste hier oben, da so gut wie kein Regen mehr ankommt. Die lebenspendenden Wolken sind an den Himalyawänden im Süden hängengeblieben! Die Seen, an denen wir vorbeifahren, speisen sich aus den Gletschern der Nordhänge. Das Video zeigt die nur die obersten der 1000 Kurven bis zum Pass hinauf.
Großer Schrecken am Mount Everest View Point
Am dritten Tag, dem 28. Juni 23, kann ich keinen Gang mehr einlegen. Das Kupplungspedal lässt sich einfach bis zum Boden ohne Widerstand durchtreten! Was ist kaputt? Ich denke zuerst an eine defekte Kupplung. Aber hier in 5000 m Höhe am Mount Everest View Point: Wo soll ich hier ein neue Kupplung finden? Ich halte den ganzen Konvoi auf; und wir müssen ja zusammenbleiben - so lautet die Regel für den Transit. Nach einigem hin und her kommt ein Mechaniker angefahren und bemerkt, dass der Hauptzylinder der Kupplung undicht ist; es ist kein Hydrauliköl mehr im System. Kurz und gut baut er den Zylinder aus (was sich leichter anhört, als es getan ist, da die Schrauben 38 Jahre alt sind und total fest sitzen!) und fummelt eine neue/alte/passende Dichtung ein, füllt Öl nach und siehe da, die Kupplung funktioniert wieder! Welch ein Erleichterung! Nach drei Stunden kann‘s weiter gehen. Vor all dem Schrecken habe ich vergessen zu erzählen, dass wir am frühen Morgen mit dem Elektrobus bis zum View Point des höchsten Berges des Erde gefahren sind.
Werkstatt-Suche und Dieselqualm
Nun fahren wir jeden Tag 300 km, was sich ja für deutsche Verhältnisse läppisch anhört. Aber hier am Nordhang des Himalya heißen 300 Kilometer: Pässe rauf und runter fahren! Manchmal 2000 Höhenmeter in Serpentinen hoch. Das geht auf die Kupplung, die ständig in den zweiten Gang zurückschalten muss, und auf das Lenkgetriebe, das von einem Anschlag zum anderen gedreht werden muss. Natürlich fängt es an zu tropfen: Steering Oil muss ständig von mir nachgefüllt werden! Der gute alte Toyota hat ein starken Motor, der alle Hindernisse nimmt, aber das Drumherum an der Karosserie offenbart seinen Verschleiß. So nebenbei zeigt sich auch, dass eine der neuen Blattfedern aus Bangalore wieder gebrochen ist! So heißt wieder Werkstatt suchen. Auch das andere Wohnmobil hat Schwierigkeiten mit den Bremsen: denn wenn es nur bergab geht, werden die Bremsen heiß, das Hydrauliköl beginnt zu kochen und bildet Gasblasen im System, die gefährlich sind. Denn Gas lässt sich leicht komprimieren und die Bremse kann bis zum Anschlag getreten werden ohne Bremswirkung!! Das kann tödlich enden.
Zum Dieselqualm: Auf 4000 m Höhe, auf der wir uns ständig befinden, gibts für den Motor nicht genug Sauerstoff zum Verbrennen. Also rußt es aus Brownies Auspuff heraus wie bei einem LKW ältester Bauart, nämlich kohlrabenschwarz! Die dicken Rußwolken dringen auch ins Innere der Kabine, da auf der Unterbodenseite nicht alles abgedichtet wurde…
Der heilige See YAMDROK
Nachdem wir die Werkstätten in Shigatse erfolgreich verlassen haben, machen wir uns wieder auf den Weg nach Lhasa. Auf 4400 m Höhe liegt ein dunkelblau schimmernder See, der sich 40 km weit erstreckt. Baden ist darin verboten, denn er ist heilig für die Tibeter. Auch fängt hier niemand Fische. Es liegt eine Ruhe und Stille über dem Wasser … Nur die chinesischen Touristen plaudern an den Aussuchtspunkten und lassen sich mit den Yaks fotografieren.
LHASA - die alte und die moderne Stadt
Es ist das Highlight der Reise, die ehemals „verbotene Hauptstadt Tibets“ zu besuchen. Wer hat nicht schon den Potala-Palast des Dalai Lama auf Bildern gesehen? Er thront über der Stadt auf einem Felsen, hat dreizehn Stockwerke und über 1000 Zimmer! Der weiße Palastteil diente vor der Machtübernahme durch die Chinesen als Regierungssitz, der rote Teil als spirituelles Zentrum des tibetischen Buddhismus. Die Mönche, die man hier sieht, sind allerdings Regierungsangestellte und geben dem Ort das passende Flair. Die Buddhastatuen sind aber echt und die Bedeutendste hat ein Gewicht von 4000 kg reinem Gold! Fotografieren ist verboten. Auch dem Maitreya-Buddha wird gehuldigt: Er ist der zukünftige Buddha, auf den man wie auf den Messias hoffen darf!
Wer meint, dass die Stadt zu Füßen des Palastes verwinkelte Gassen aufweist, alt und schmutzig aussieht, der hat sich geirrt. Alles ist aufgeräumt, die Straßen durch Downtown sind mehrspurig angelegt. In den Geschäften kann man alles kaufen, was das Herz gegehrt. Zumindest viel mehr als in Nepal. Natürlich ist der äußere Reichtum dem chinesischen Einfluss zu verdanken. Alles hat eben zwei Seiten. Materiell geht es den Tibetern hier viel besser als im Nachbarland Nepal, in das viele seit 1950 ausgewandert sind. Aber ihre Persönlichkeitsrechte sind extrem eingeschränkt. Unser Guide Tenzin hat noch nicht einmal einen Reisepass, um ein anderes Land besuchen zu können. Tibeter erhalten ihn nur, wenn sie die chinesische Staatsbürgerschaft annehmen.
JOKHANG Tempel
Das lebendige spirituelle Herz des tibetischen Buddhismus ist der alte Jokhang-Tempel, der täglich von 1000en Tibetern besucht wird. Viele von ihnen umrunden den Tempel, indem sie sich immer wieder auf den Boden werfen, aufstehen, beten und wieder nieder knien, bis der ganze Körper flach liegt. Hundertundacht mal, denn das ist die heilige Zahl im Buddhismus. Das Innere der Tempelanlage beherbergt die kolossale Shakiamuni-Buddhastatue, die den 12-jährigen Buddha darstellt. Auch hier kann ich keine Fotos machen. Überwältigend ist der Eindruck von den tausend Kostbarkeiten im Tempelinneren!
Allgäu-Atmosphäre auf 3300 m
Wir verlassen Lhasa und fahren auf dem ersten tibetischen Highway, einer ganz neuen kostenfreien Autobahn, nach Osten bergab. Das heißt bis 3000 m „hinunter“. Und da beginnt der Wald zu beiden Seiten zu wachsen, grünes Gras bedeckt die Hänge und Kühe weiden darauf. Die Landschaft sieht aus wie im Allgäu! Wir übernachten in strömendem Regen. Und ich muss immer aufpassen, dass Browny mit den Vorderreifen zehn Zentimeter höher steht, damit das Wasser nach hinten ablaufen kann. Sonst sucht sich das Wasser seinen Weg ins Innere der Kabine, denn zwischen dem Alkoven und der Kabine ist unter der Holzplatte, mit der ich das Dach von oben verstärkt hatte, der alte Riss wieder aufgegangen. Ich hatte ihn im Winter 2021 zwar geklebt, aber er ist wohl durch all das Gewicht von Ersatzreifen, Alukiste, Sandblades und Ausrüstung wieder aufgegangen …
Den ganzen Tag über fahren wir wieder bergauf uns bleiben am RANWU-Lake auf 4000 m stehen. Nachts schneit es auf den Bergen!
Hier ist der Überblick über unsere Route von 4000 km durch Tibet und Yunnan. Sie beginnt in Gyirong an der nepalischen grenze im Westen, besucht das Rongbuk Kloster am Everest View Point, führt am heiligen See im Nagarze County vorüber nach Lhasa. Von dort geht‘s noch mal mehr als 1000 km über die 5000 m hohen Passstraßen des östlichen Himalayas in die chinesische Provinz Yunnan. Die Straße ist als G 318 berühmt, denn sie verbindet Shanghai mit Tibet und zählt zu den beliebten Touristenstraßen Chinas. Nun biegen wir nach Süden ab und fahren durch die Städte von weiteren Minority groups, das heißt verschiedenen Ethnien, die zur südchinesischen Provinz gehören. In Mohan endet der Transit an der Grenze zu Laos.
Das ist ein Ausschnitt von Ranwu-See auf 4000 m Höhe. Er ist sehr beliebt bei den Chinesen, denn es gibt viele Hotels und Resorts für die Urlauber.
Hier treffen wir eine Gruppe junger Chines*innen, die mit dem Motorrad unterwegs sind und im Zelt übernachten. Sie sind sehr nett. Die Frage, eas sie von der ständigen Überwachung halten, antworten sie diplomatisch: China sei das sicherste Land der Welt! Wie wahr, aber teuer erkauft.
Der 99-Kurven-Pass: erneute Belastungsprobe
Es geht 2000 Höhenmeter in einem Rutsch nach oben! Die 99 Kurven habe ich nicht gezählt, aber gespürt habe ich sie! Und vor allem mein Browny: Denn es tropft aus dem Lenkgetriebe das Steering Oil und der Kupplungs-Hauptzylinder verliert nach wie vor Öl!! Die Verschleißteile wie Dichtungen werden durch das ständige Kurbeln und Kuppeln marode. Hoffentlich halten sie noch bis Laos oder Thailand, denn Originalteile gibt‘s in China für den alten Landcruiser keine mehr.
Durch Yunnan: Shangrila-Lijiang-Dali-Zhenyuan
In Shangila wären wir alle gerne länger geblieben, da der Name der Stadt starke Bilder weckt. Die Legende erzählt von einem Land im Himalaya, in dem die Bewohner in Frieden und Eintracht leben, so wie einmal alle Menschen in Zukunft harmonisch miteinander leben werden. Doch wir halten erst in Lijiang wieder und können uns ein Bild von der Altstadt machen. In den engen verschachtelten Gassen verlaufe ich mich völlig! Ohne Offlinekarten von Maps.Me hätte ich nicht mehr zum Parkplatz zurück gefunden. In Dali übernachten wir, gehen zusammen in der völlig überfüllten Altstadt essen. Es ist Samstag Abend und vor allem die chinesischen Touristen strömen zu Hauf in die bunte Lichter-Shopping-Meile und vergnügen sich dort.
An der chinesischen Grenze zu Laos übernachten wir das letzte Mal im Städtchen Mohan. Tenzin wird uns mit den Grenzformalitäten helfen und dann verlassen wir China mit gemischten Gefühlen.
Browny hat „Geburtstag“, sagen die Kinder, wenn sich die Ziffern wiederholen. Jetzt habe ich 25000 km von Deutschland bis zur Grenze von Laos zurückgelegt.