USA - der ganze Westen!
Nach 5 Monaten Kanada überquere ich am 3. Oktober 2024 die Grenze zu den Vereinigten Staaten. Die Westküste mit Kalifornien ist ein Traumziel der Menschen - früher und heute. Dazu kommen die vielen Nationalparks mit ihren Naturwundern! Jeder hat schon die Namen Yellowstone, Grand Canyon, Yosemite gehört. Also los, rein ins nächste Abenteuer! Wozu auch die Kulturwunder Waldorfschulen gehören ;-)
San Franzisko
In der ersten Dezemberwoche erreiche ich San Franzisko. Von hier aus fliege ich am 10.12. nach Deutschland zurück, um Weihnachten im Kreis der Familie zu verbringen. Eine gute Woche Zeit zum Erkunden von Stadt und der Bay area. Für viele ist diese Gegend ein Traum: die Landschaft mit Bergen und Meer, das angenehme Klima, die Menschen , ihre Kultur und ihre Offenheit…
„Golden Gate Bridge“
DAS Wahrzeichen von San Francisco. Ich übernachte auf der Nordseite der Brücke von San Rafael kommend. Hier erlebe ich den Sonnenuntergang, der deswegen so spektakulär ist, weil der Küstenstreifen National Parc Gebiet ist, also nur Natur pur zu sehen ist. Viele Menschen aus der Bay area versammeln sich hier am Abend, um das Schauspiel zu genießen. Übernachten ist leider untersagt, und so muss ich mir einen Stellplatz am Hafen von Sausolito suchen. Vorher allerdings bekomme ich zum ersten Mal in den Staaten besuch von der Polizei, die mich festhalten und meine Papiere sehen wollen. Ganz nach amerikanischer Polizeisitte: Wehe, du kommst aus dem Wagen heraus! Hände am Lenkrad, nicht bewegen, nur auf Anweisung reagieren. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich…
Golden Gate Bridge nachts, bei Sonnenaufgang und tagsüber - das Stahlseil, das die Brücke trägt, ist fast 1 Meter dick!
So handgreiflich kann man die Stärke des Stahlseiles erleben: aus unzähligen kleinen Seilchen geflochten und verwoben, so dass die Brücke über anderthalb Kilometer (4200 feet) frei getragen werden kann.
Aufnahmen aus dem Jahr 1936, als die Golden Gate Bridge errichtet wurde. Zuerst kamen die waagerechten Seile, dann die senkrechten Trageseile und zum Schluss erst die Fahrbahn, die stückchenweise eingehängt wurde.
Down Town San Fransisco
Am nächsten Tag gehts über die Brücke (kostenpflichtig 8 $ von N nach S, frei von S nach N) in die Innenstadt. Natürlich gehört eine Fahrt mit der Cable Car zum Programm. Da die Hügel, auf denen San Franzisko erbaut ist, sehr steil sind, muss die Straßenbahn mit unsichtbar verlaufenden Seilen im Boden gezogen bzw. gebremst werden.
Dann folgt die Besichtigung der Skycraper mit ihrer jeweils unterschiedlichen Architektur. Als Pyramid Tower nach oben spitz zulaufend, der Salesforce Tower mit reiner Glasfassade in Ei-Form, so dass das Sonnenlicht für den Betrachter immer reflektiert erschient, der älteste COIT-Tower ist innen mit Kunst bestückt und bietet einen prächtigen Ausblick auf die ganze Stadt.
CUPID‘S SPAN: ist ein 20 m hoher und fast 50 m langer Bogen, dessen Pfeil in die Erde weist, um sie fruchtbar zu erhalten.
Noch nirgendwo habe ich so viele selbstfahrende Autos gesehen wie hier. Sie sind allgegenwärtig und wirken für mich gespenstig, da kein Fahrer drin sitzt. Es handelt sich in der Regel um Taxis, die mit gewaltigen Sensoren und GPS-Empfängern ausgestattet sind.
Sacramento - die erste Stadt im “Golden State” Kalifornien
Sacramento ist mit 500000 Einwohnern die Hauptstadt von Kalifornien, obwohl Los Angeles und San Francisco viel größer sind. Das hängt mit der Geschichte der Stadt zusammen, die während des Goldrushs von 1849 gegründet wurde. Und bereits 5 Jahre später erkor man sie zur Landeshauptstadt. Ich lerne hier eine Menge über Geschichtsschreibung. Jede Zeit erklärt und deutet die Ereignisse in ihrem Sinne - bis heute!
Johan Sutter gründete hier Neu-Helvetien 1839
Die Geschichte von Johann Sutter ist mir durch Stefan Zweigs “Sternstunden der Menschheit” bekannt gewesen. “Eldorado” (Goldland) ist die ergreifende Schilderung eines Schweizer Auswanderers, der durch die Fruchtbarkeit des Landes zu Reichtum kommt und durch die Goldfunde auf seinem mehr als 100 Quadratkilometer großem Besitz eigentlich der reichste Mann der Welt wäre! Wenn nicht der Mob gewesen wäre, der sich einen Dreck um die rechtliche Lage schert und auf eigene Faust Gold schürft. Ja, ums kurz zu machen, sie brennen seine Farm, sein Fort Sutter nieder, töten seine Familie und Sutter wird der ärmste Mensch der Welt! So geht die Erzählung herzergreifend zu Ende; und ist lesenswert schon wegen der Sprachgewalt des Schriftstellers.
1890 wird das Fort Sutter zum Sinnbild des großen Pioniers-
100 Jahre später wird er zum Inbegriff des bösen Weißen erklärt
Da vom Fort Sutter nicht mehr viel übrig war als das Hauptgebäude errichten die Menschen von Sacramento ihm ein Denkmal - als Stadtgründer. Denn auf seinem ehemaligen Besitz wurde Old Sacramento errichtet. Er galt als typischer Selfmademan, der für den amerikanischen Traum gelebt und die ersten zehn Jahre auch durchaus erfolgreich gewirtschaftet hatte. Straßen und Stadtteile tragen bis heute seinen Namen! 120 Jahre später wird die Geschichte Sutters anders erklärt: Die Texte und Bilder des Museums im Fort Sutter werden umgeschrieben, “erweitert” um eine neue Dimension. Sutter hat die Indianer natürlich nie um Erlaubnis gefragt, ob er hier siedeln könne. Natürlich nicht, das hatte kein Siedler 1850 getan, soweit ich weiß. Und natürlich war Sutter auch nicht zimperlich in der Wahl seiner “Argumente”, wenn sich Widerstand regte. Gewalt hat er angewendet! Das ist abscheulich und soll von mir überhaupt nicht schöngeredet werden. Die Statue von Sutter wurde abgerissen wie die Stalinstatuen in den GUS-Statten nach der Wende. Klar, aus heutiger Sicht muss das Verhalten von Sutter neu bewertet und die Forderungen der indigenen Völker müssen gehört und akzeptiert werden!
Wie wird die Geschichte in 100 Jahren über die brutale Landnahme der europäischen Amerikaner urteilen? Hoffentlich bleibt es nicht bei der Verurteilung einzelner Siedler, sondern führt zu einer Neubewertung der Landnahme insgesamt und zu einer echten Entschädigung der First Nations, die immer noch in Reservaten leben.
Als erster Präsident der USA hat sich vor einem Monat im Oktober 2024 Joe Biden in Phönix/Arizona bei ihnen für die Gräultaten in den Internaten entschuldigt. Nach 150 Jahren ein Anfang, ein Lichtblick!
NBA-Spiel: Sacramento Kings gegen Brooklyn Nets
Am 24. 11. sehe ich mein erstes NBA-Spiel. Im GOLDEN 1 Center, dem riesigen Stadion in Downtown Sacramento ergattere ich für 40 $ ein Ticket und genieße das Spektakel: vorher mit dem Absingen der Nationalhymne, dem Feuerwerk und den Showeinlagen, während des Matches die perfekten Spielzüge der Mannschaften. Leider verliert die Kings gegen den besseren Gegner von der Ostküste. Es war zwischendurch durchaus spannend, denn zu Beginn des vierten Viertels gab es einen Punkte-Gleichstand!
"Ich war auch hier!” im Golden1 Stadion bei den überragend großen NBA-Spielern …
Old Sacramento heute
Einst waren es der Landungsplatz der Schaufelrad-Dampfer am Sacramento River und die Bahnstation der Pacific Rail, die die Goldgräberstadt groß gemacht hatten. Heute sieht der Ort aus wie früher, mit Saloons und Geschäften. Hier erlebe ich, wie Sacramento sich selber feiert am Vorabend zu THANKSGIVING; mit einem Fest aus Musik, Tanz und Theater auf einer kleinen Bühne und dem Erleuchten eines großen Tannenbaums mit 20 000 LEDs.
Das ist das Ingenieurs-Meisterwerk über den Sacramento River: ein Hubbrücke, damit die Schiffe durchfahren können.
Yosemite Nat.Park
- der krönende Abschluss der Tour durch die National Parks des Westens -
Ich kannte nur den Klang, den Namen diese NPs, erst kurz vorher wird mir klar, dass sich hier die Sierra Nevada in ihrer ganzen Erhabenheit präsentiert: die kopfförmigen Granitgipfel, die senkrechten Felsschluchten, die einsamen Gletscherregionen, die Flüsse und Seen im Tal,… Leider sind alle Passstraßen und Gipfeltrails schon gesperrt, nur die Talregion ist jetzt am 22. November noch geöffnet.
Yosemite Valley
Von Fresno kommend übernachte ich vor dem Südeingang auf BLM-land. Hier gibt es freie Stellplätze mit fire rings für die ATV (All Terrain Vehicle) - Fans. Frühmorgens um 6 Uhr bin ich auf der Straße ins Yosemite Yalley. Das Wetter wird bereits abends umschlagen, es wird regnen bzw. schneien, worauf ich kein Lust habe. Lustigerweise werden alle Besucher am Eingang gefragt, ob sie Schneeketten dabei hätten. Na ja, ich erkläre, dass mein Landcruiser All Terrain Reifen und den besten Allradantrieb besitzt. Das reicht dem Ranger.
Eine 3-stündige Tour hoch zu den Vernal Falls und über den Clark Point zurück bekomme ich noch hin. Die Strecke ist schweißtreibend, es geht steil bergauf. Die Mühe wird belohnt durch die Aussicht auf den Emerald Lake, den Wasserfall und den berühmten Half Dome (siehe oben).
Interessant ist vielleicht, dass die Granitberge gar nicht so alt sind; sie entstanden “erst” im Erdmittelalter zur Saurierzeit also. Vulkane spieen ihr Feuer, bevor im Erdinneren das 2000° C heiße Magma zu kristallisieren begann. Dieser Granit verwittert so schön rund, wie man das vom Urgestein kennt. So zeigt der Half Dome seinen Kopf, dessen Hälfte abgebrochen ist.
Auf dem Bild sieht man nicht die Treppenstufen, die direkt zum Vernal Fall hinauf führen. Nur die Menschlein auf dem Plateau sind zu erkennen. Im Frühjahr muss hier die zwanzigfache Menge an Wasser hinunter strömen. Für das Bezwingen des Half Domes benötigt man viel Zeit und ein Permit.
Welch ein Wiedersehen mit Eichen hier im Westen! Die Schwarz- und Blaueiche kennen wir überhaupt nicht aus Deutschland. In Kalifornien gibt’s dafür keine Stieleichen. Die Indianer nutzen die Eicheln als Kornersatz und buckeln Brot aus dem Mehl.
Die Blaueiche hat winterharte, dunkelgrüne und spitzgezackte Blätter.
Es ist für mich so schön, wieder Laubbäume im Westen der USA zu sehen, nachdem es hauptsächlich Kiefern, Tannen, Fichten und Sequoias zu sehen gab. Ahorn findet man als Zierbaum, aber die Schwarzeiche mit ihren spitzen Blättern steht überall auf den Feldern der Ebene und in den Wäldern des Sierra Nevada Vorgebirges.
Sequoia Nat.Park
Die Riesenmammut-Bäume, hier in der Sierra Nevada sind sie zu Hause. So gewaltig sie auch aussehen - sind wachsen eben nur hier in einer bestimmten Höhenlage und in einem besonderen Klima. In gewisser Weise sind sie “zart besaitet”. Und sie haben sie sich Tricks angeeignet, um überleben zu können. Im Visitor Center des Parks werden diese Überlebenskünstler genau beschrieben: sehr spannend!
Feuer zum Überleben notwendig
Die Sequoia Gigantea-Bäume der Sierra Nevada sind nicht zu verwechseln mit den Red Woods der Küste. Diese sind zwar die nächsten Verwandten, bleiben aber viel schmaler! General Sherman, wie der größte Mammutbaum genannt wird, hat einen Durchmesser von 11 Metern (das sind 31 Meter Umfang in Bodennähe)! Sein Stamm reicht bis in eine Höhe von 81 Metern. Da er über 2500 Jahre alt ist, wächst die Spitze nicht mehr weiter, aber im Umfang legt Sherman jedes Jahr das Gewicht eines “normalen” Baumes drauf! Leider ist er nicht so fotogen wie sein Bruder General Grant (Nummer zwei an Biomasse), da ihn seine Kinder eng umstehen.
Lektion eins: Damit sich die Zapfen des Mammutbaumes öffnen können, ist die Hitze eines normalen Waldbrands nötig. Dann fallen die Samen auf die Erde, die frei ist von Ästen und Laub und die gleichzeitig frisch gedüngt ist durch die Asche. Ideale Voraussetzungen für das Verwurzeln des Keimlings.
Lektion zwei: Damit ein “healthy fire” dem Sequoia keinen Schaden zufügen kann, schützt sich der Riese mit einer bis zu 60 cm dicken Rindenschicht! Andere Bäume verbrennen, aber er bleibt am Leben, ja er nutzt sogar die freie Fläche für das Wachstum seiner Kinder. Clever, nicht wahr?
Lektion drei: Es darf im Winter nicht zu kalt, aber im Sommer auch nicht zu heiß werden, deshalb wächst der Sequoia im Gebirge nur auf einer Höhe zwischen 1500 bis 2500 m. Und die Winde vom Meer sollen bitte schön recht feuchte Luft bringen…
Ohne Naturschutz gäbe es diese empfindsamen Riesen wohl nicht mehr, da die “weißen” Menschen sie abgeholzt hätten.
“President, The House and The Senate”
Im Giant Grove führt der Congress-Trail zu imposanten Sequioa-Gruppen, die nach dem dem Senat und dem Kongress benannt wurden. Wie schön wäre es denn, wenn diese Lebewesen ihre Stimme als politische Gewalt erheben könnten. Sie haben bereits zu Cäsars und Buddhas Zeiten gelebt! An Altersweisheit fehlt es ihnen bestimmt nicht! Was man nicht unbedingt von den politischen Entscheidungsträgern der Gegenwart sagen kann, vorsichtig ausgedrückt…
Auf 2000 m Höhe bleibt der Schnee von letzter Woche liegen. Es ist tagsüber schön warm, wenn die Sonne scheint. Aber Nachts sinken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. In meinem Camper wird es also ab Sonnenuntergang ungemütlich. Und die Starterbatterien lassen mich im Stich! Einmal mehr müssen mir nette Menschen helfen: “You want a jump start?”, fragen sie mich, als ich versuche zu erklären, dass meine Batterien leer sind…
In vielen Serpentinen schlängelt sich die Straße vom Tal ins Gebirge der Sierra Nevada, dessen höchste Gipfel über 4000m hoch sind.
Die Rehe sind bei Sonnenaufgang recht zutraulich und kommen nah ans Auto heran. Durch Zufall entdecke ich das Rehkitz, als ich die Hintertüre öffne…
Healthy Fires
Auf dem Weg vom Sequoia zum Kings Canyon National Park fahre ich vielen Feuern vorbei. Einmal blockiert ein brennender Stamm die Fahrbahn! Die Feuer sind absichtlich gelegt worden, wie ich vorher erfahren hatte. Es handelt sich also um künstliche, “healthy” Fires. Wenn ich da nicht gewusst hätte, wäre ich nicht so sorglos weitergefahren.
Death Valley
Der heißeste Ort und die tiefste Stelle Nordamerikas liegt im Tal des Todes. Östlich der Sierra Nevada in deren Windschatten gelegen kommt hier so gut wie kein Regen an. Und das Wasser aus den Bergen verdunstet in der Depression, die 100m unter dem Meeresspiegel liegt. Hier existiert statt eines Sees eine Salzwüste!
Lovell Canyon an der #160
Die ersten großen Kakteen und die Joshua Trees tauchen schon vor dem Death Valley auf. Einen Tag stehe ich auf 1600 m Höhe in den Bergen westlich von Las Vegas und schreibe Tagebuch. Ich kann ja nicht nur immer “essen”, sondern muss das Zu-mir-genommene auch verdauen und verarbeiten. Wie ihr hier seht und lest ;-) Aus unerfindlichen Gründen gibt es hier oben einen wunderbaren Netzempfang. Also was will ich mehr? Abends schmücken dramatische Szenen den Himmel; Licht und Wolken kämpfen miteinander und gebären schaurig schöne Farbenspiele…
Drei Tage im Death Valley- drei Tage im SOS-Modus des Handys
Es ist Mitte November und die Tage sind spürbar zu kurz: Bereits um 16.30 h geht die Sonne unter! Am Zabrinski-Point verfolge ich das himmlische Schauspiel, während sich die Schatten auf die Wellen von Erddünen legen. Am nächsten Morgen erblicke ich auf 1600 m vom Dante Viewpoint (hat er sich von hier aus zur Schilderung der Hölle inspirieren lassen?!) das Death Valley mit seiner Salzwüste. Es bleibt genügend Zeit für eine 3 Stunden Tour durch die Canyons zwischen Bergen und Tal; der “Golden Trail” zeigt die schroffen Felsformationen in goldenem Licht bis zur “Red Cathedral”, also den Steinsäulen am Bergeskamm. Der Abstieg erfolgt über einen Gulch, ich würde es ein Wadi nennen, wie es in der arabischen Sprache genannt wird, ein trockenes Tal, das nur bei Regen zu einem reißenden Strom wird!
Der Blick von unten auf den Dante Overview
Da liegen nun 1700 Höhenmeter dazwischen. Heute morgen habe ich von oben herunterschauen können, jetzt am späten Nachmittag blicke ich von unten nach oben. Es gibt sogar ein Schild in den Felsen, das die Meereshöhe anzeigt.
Eine Oase in der Wüste
Inmitten der Wüste des Death Valleys gibt es eine Oase! Hier liegt das Visitor Center, die Hotels und Campgrounds für die Touristen. Auch eine Tankstelle gibt es. Das ist auch notwendig, da dieser National Park der größte in den Staaten ist. Überall wird davor gewarnt, dass man genug Wasser für sich selbst und Sprit fürs Auto mitnehmen müsse, wenn man in die entlegenen Gebiete des Parks fährt. Auch die Reifen platzen hier im Sommer schneller als woanders. Da es kein Internet oder Cellservice gibt, kann ein Panne bei 50° C und mehr gefährlich werden.
Abendliche Impressionen
Auf der Rückfahrt vom Death Valley zu meinem boondocking place geht die Sonne unter und ich genieße aus dem Auto die Umgebung; die Schatten werden länger und machen die Erosionslandschaften plastischer und eindrücklicher. Nirgendwo erlebe ich die Zeit der Sonnenauf-und -untergänge intensiver als hier.
Der Höhepunkt: die Mesquite Flat Sand Dunes
Natürlich muss ich die Sanddünen bei Sonnenaufgang sehen! Nur das erste Licht des Tages verzaubert die Sandlandschaft in ein ein flammendes Meer aus Wellen, gleichzeitig bilden die Dünenkämme messerscharfe Grenzen zwischen Licht und Finsternis. Es ist eine einmaliges Erlebnis! Denn das Spiel von Wind und Sand schafft auch im Kleinen die Wellenformen wie mit Künstlerhand. Kein Mensch war hier vorher gewesen und hat die Werke der Natur zerstört, denke ich so… Und plötzlich sehe ich, wie ein junger Mann die höchste Düne erklimmt. Na dann los, sage ich mir, die Ehrfurcht ist weggeblasen und der Ehrgeiz geweckt: Das kann ich auch!
Las Vegas
Die Hauptstadt des Bundesstaates Nevada kennt jede*r - zumindest als “Sin City” der Welt, und steht direkt in der Nachfolge des alten Babylon. Eigentlich zieht mich nicht wirklich hierher, aber ich muss Las Vegas wenigstens gesehen haben. Nach einem Monat Schwelgen in den Naturschönheiten der National Parks folgt das krasse Gegenteil: Künstliche Welten ziehen das Auge an und die funkelnden Casinos reißen die Seelen in ihren Bann wie Licht die Mücken. Da hilft dir die Freiheitsstatue nicht mehr - sie ist eben Illusion hier, wie alles andere auch…
Route 66
Durch die Rocky Mountains hindurch zieht sich die legendäre Mutter der Straßen, the Motherroad, von Chicago im Nordosten der Staaten bis an die kalifornische Küste im Südwesten- knappe 4000 km lang. Sie war ab 1926 die erste asphaltierte Straße durch die Rockies hindurch. Berühmt geworden ist sie auch durch das Lied von King Cole: “Get your Kicks on Route 66” (gecovered von u.a. den Rolling Stones), das man sich gut auf YouTube anhören kann.
Einen Teil dieser Straße fahre ich nun durch Arizona nach Las Vegas. Zum Glück wird es nach Westen hin immer flacher und die Minustemperaturen verschwinden wie Schnee in der Sonne.
Der Aufstieg von Las Vegas
Kurz vor Las Vegas wurde der Colorado River (wieder mal) aufgestaut. Der Beginn des Hoover Dams begann 1930; zur gleichen Zeit wurde in Nevada ein Gesetz verabschiedet, das Glücksspiele legalisierte. Diese einmalige Gelegenheit ließ sich Las Vegas nicht entgehen. Als bescheidener Ort mit einer Bahnstation zwischen Los Angeles und Salt Lake City, die beide älter und größer waren, lockte er die Arbeiter des Staudamms an. Diese waren gerne bereit, ihren Lohn auf den Kopf zu hauen; gab es in der gnadenlosen Wüste doch keine Abwechslung und keinen Spaß! Der Staudamm ist bis heute die Quelle für Strom und Wasser, denn Las Vegas verschlingt durch Leuchtreklame und Millionen von Touristen so Einiges an Watt und Litern.
The Strip - Las Vegas Boulevard
Den Oasencharakter der Stadt fühlt man sofort: Palmen zieren den Straßenrand, als wären wir in auf der Arabischen Halbinsel. Aber auch die Häuser schießen in die Höhe! Die Hotelanlagen sind gigantisch und haben mehr als 5000 Betten an Kapazität. Auch Trump hat ein Bauwerk hier; als einziges mit goldener Glasfassade! Die anderen Hotels schmücken sich mit besonderen Themen:
- So verfügt das “Paris” über einen Eiffelturm, der halb so groß ist wie der echte Turm in Paris und 700 Millionen Dollar gekostet haben soll! Einen L’arc de Triomphe gibt es dazu, u.v.m.
- Der Superkomplex “Caesar”ist in klassisch römischen Stil erbaut, natürlich darf ein “kleines” Colosseum nicht fehlen, ein Pantheon und ein Springbrunnen wie die Fontana de Trevi. Die Cäsarstatue begrüßt die Gäste am Eingang!?
- Das “Venetia” hat den halben Markusplatz mit Säule und Löwen auf dem Programm und lässt auf einem Canale Grande die Touristen mit einem Gondoliere Bötchen fahren, der auch noch singt - OMG!
- Natürlich darf “New York” nicht fehlen: Das Hotel ist dem Empire State Building nachempfunden, davor steht die Freiheitsstatue und verkündet die ultimative Freiheit des Genusses.
Alle Superanlagen verfügen über ihre eigenen Casinos. Ich bin spaßeshalber durch “Wynns” Casino durchgelaufen: Schon um 12 Uhr Mittags sind die Tische voll mit edel gekleideten Damen und Herren besetzt, die Chips für Roulette, Poker oder Black Jack in Werten von 1,5,20,50 und 1000 $ vor sich aufgebaut haben und einsetzen. Die “einarmigen Banditen” künden von Gewinnen über 100 000 $! Ich gehe durch die Säle hindurch, staune nur und verlasse das Gebäude. Hier war ich doch schon einmal auf dem Hinweg gewesen, erinnere ich mich. Aber dieser Ausgang liegt einen halben Kilometer vom Eingang ins Wynns entfernt?? So riesiggroß und lang sind die Casinos!! Alle Spielhöllen sind im Prinzip gleich aufgebaut; die Gäste wohnen in den Superanlagen, spielen hier und können abends eine Show ansehen: meistens hochwertige Zirkusnummern (Circe de Solaille), Comedy und Mittelalter-Spektakel.
Zusammengefasst: Jährlich besuchen 40 Millionen Touristen Las Vegas, die ein Vermögen für Unterkunft, Essen, Spiel und Vergnügen ausgeben müssen, das aber auch wollen, sonst wären sie ja nicht da.
Im “Excalibur”: Die Ritter der Tafelrunde
Am Abend besuche ich eine Show für 100 $; ein Mittelalter-Spektakel um König Artus und seine Ritter. Zuerst kämpfen sie gegeneinander in ritterlichem Wettstreit - mit richtiger Tjoste, also dem Lanzenstechen. Das nötigt Respekt ab, wie sich der Getroffene in vollem Galopp vom Pferd fallen lässt! Richtige Stunts werden also präsentiert! Zum Schluss meldet sich der böse Drachenkönig, der meterweite Flammen speit, und nun natürlich am Ende von dem besten Ritter in einem dramatischen Schwertkampf erledigt wird… Alles familientauglich und inklusive Essen. Das Hähnchen muss mit bloßen Händen zerlegt werden; also ohne Besteck wie früher üblich. Deshalb darf auch zwischendurch laut gegrölt werden - wie man sich eben die Sitten unserer Vorfahren vorstellt.
Das Lichtermeer
So endet ein voll erfüllter Tag in Las Vegas: Auch die Nacht wird zum Tag gemacht! Alles ist strahlend hell erleuchtet. Was mich betrübt, sind die vielen Bettler auf dem Strip, die wenigstens die Krümel vom großen Kuchen abbekommen wollen. Hier möchte ich nicht im Auto schlafen. So fahre ich weit in die umliegenden Berge hinaus, da der nahe gelegene “Red Rock Canyon” Campground voll ist. Es ist für Las Vegas anscheinend immer Peak Season.
Grand Canyon
Endlich ist es soweit! Der Höhepunkt jeder Amerikareise ist der Besuch des Grand Canyons - Welterbe der Menschheit seit 1976. Warum? Es ist das Geschichtsbuch der Erde. Wir schauen anderthalb Kilometer tief vom Rand bis zum Colorado River hinunter. Und damit von der Gegenwart aus in eine 1,8 Milliarden Jahre alte Vergangenheit! Jede Schicht, die wir erblicken, gleicht einem Kapitel dieses geöffneten Buches. Ich finde das ungeheuer spannend.
Ehrfurcht gebietender Anblick
Am Anfang bin ich völlig verwirrt: Keine der mir bisher bekannten und somit vertrauten Schichten aus den anderen National Parks finde ich hier wieder! Sie tragen neue, fremde Namen. Erst am zweiten Tag beginne ich zu verstehen; die obersten Schichten aus der Erdneuzeit und dem Erdmittelalter fehlen hier, da sie wegerodiert sind. Die obersten Schichten beginnen im Grand Canyon mit dem Erdaltertum! Sie sind also bereits über 250 Millionen Jahren alt! Und dann geht’s räumlich hinunter und zeitlich zurück bis in Präkambrische Zeit, also als die Landmassen vor 2 Milliarden Jahren noch sehr beweglich waren und auf dem feurigen Untergrund schwammen. Diese Tiefengesteine, die Granite, Gneisse und metamorphen Varianten entstanden. Wellenförmige Schichten und Muster aus Ausdruck der urgewaltigen Kräfte und Bewegungen sind im Großen und Kleinen zu finden.
Das ist für mich nicht nur beeindruckend, darüber staune ich nicht nur, ich empfinde tiefsten Respekt vor dem Anblick dieses “Urgesteins”, ja so etwas wie Ehrfurcht vor der Geschichte unsere Erde. Wir wissen nicht, warum und wieso sich alles so geformt hat. Es hatte mit Sicherheit seinen Sinn gehabt.
Shiva Tempel, Isis Tempel und Cheops Pyramide
Die einzelnen Berge im Canyon tragen die Namen uralter Kulturen. Das besondere dabei ist, dass sie die verschiedenen Stadien der Verwitterung zeigen. Der Shiva Tempel (Hinten links) ist noch mit einer breiten Schicht von weißem Cococino-Sandstein bedeckt, der beim Isistempel nur noch als weiße Spitze (Mitte) zu sehen ist und der bei der Cheopspyramide (vorne rechts) völlig fehlt.
Wanderungen am South Rim, an der südlichen Kante
Mir langt es, oben an der Kante des Grand Canyon entlang zu wandern. Der Abstieg zum Colorado dauert einen Tag, man muss unten im Zelt übernachten (nur mit Buchung möglich) und dann kann der Aufstieg über 1500 Höhenmeter auf die Süd- oder Nordseite erfolgen. Das überlasse ich den jüngeren Semestern ;-)
Bilder vom Desert View im Osten und vom Hermit Trail im Westen.
Antelope Canyon
Der Colorado River wurde bei Page aufgestaut. Hier befindet sich ein touristisches Zentrum, da der Stausee frei nutzbar ist zum Bootfahren, Schwimmen und Urlaub machen. Und der nahe Antelope Canyon ist ein Magnet für die Besucher, denn er bietet einen einmaligen Einblick in die Sandsteinschichten. Wieder einmal mehr zeigt sich die Natur als Künstlerin!
Sanft geschwungene Sandstein-Formen
Natürlich hat das Wasser seinen Anteil an den runden Formen des Antelope Canyon wie überall. Hier grub sich der Antelope River sein Bett in den weichen Steinstein und offenbarte dessen unterschiedlich gefärbten Schichten. Wie kam es dazu? Diese Schichtungen entstehen nur durch Wind (nie im See- oder Meerwasser), der die Sandkörner einer bestimmten Größe erfasst, im Wegwehen sortiert und dann im Windschatten einer Düne ablagert: eine ockerfarbene, eine rötliche oder sogar dunkelrote Schicht nacheinander. Diese Maserung wirkt wie die Jahresringe bei Bäumen - also wie etwas Organisches.
Und natürlich entstehen durch die Auswaschung Formen, die an Gesichter, Motive und Tiere erinnern (Herz, Vogel, …). Der Lichteinfall von oben zaubert seine eigenen Formen dazu: Was es alles zu sehen gibt, hängt von der eigenen Fantasiefähigkeit ab.
Der Besuch beider Antelope Canyons (Lower and Upper) ist nur als geführte Tour möglich, da es erstens bei Regen schnell sehr gefährlich werden kann und da zweitens die Menschenmassen geordnet durch die schmalen Gänge geführt werden müssen. Immer im Fünf-Minuten-Abstand!
Mein “Schwarzer Tag” am Mittwoch, den 6. 11. 24
Um 6 Uhr morgens war klar, dass Trump die Wahl gewonnen hatte, dann brach die Ampel-Koalition in Deutschland auseinander und zuletzt schlug mir ein Stein ein Loch in die Windschutzscheibe! Das Loch wurde schnell zum Riss, der sich unaufhaltsam vom Rand in den Sichtbereich des Fensters zog. Klar, außen war es kalt, innen lief die Heizung. Ich konnte beim Wandern des Risses zuschauen und hatte gehörigen Respekt vor den Folgen. Am Morgen besuchte ich in Page die erste Carglass-Werkstatt, die mir mitteilte, für meinen alten Landcruiser gäbe es keine passende Scheibe mehr. Die zweite Autoglas-Werkstatt fand wohl eine Scheibe, aber der Transport würde länger dauern. Nach Ablauf der Frist kam natürlich keine Lieferung an, weil der LKW einen Unfall gehabt hatte… Also erst nach einem langen Wochenende mit Veterans Day als Feiertag am Montag, den 11. 11. Solange wollte ich nicht in Page warten müssen.
Ich erfuhr, dass die defekte Scheibe nicht komplett zerspringen würde, wenn ich weiterführe, denn die innere von zwei Schichten müsste halten. So Gott will!
So hatte ich in Page genügend Zeit, um den berühmten Blick auf die Schleife des Colorado werfen zu können:
"Horseshoe Bend”
Monument Valley
Am Election Day, dem 5.11. geht die Sonne um 6.48 h auf, herrliches Morgenrot schmückt den Himmel und beleuchtet die Western Kulisse. Einen Tag später bleibt es zur gleichen Zeit finster -Trump hat die Wahl gewonnen …
Doch heute kann man die Rundfahrt durchs Monument Valley genießen.
“Arizona-Grand Canyon State” ? Nicht nur das!
So lautet die Aufschrift auf den Nummernschildern in Arizona. Dabei ist das Monument Valley auch sehr berühmt. Jeder kennt die Wild-West-Filme mit John Wayne, der mit seinem Pferd genau vor dieser Kulisse steht. Bis heute ist es NavajoTribal Land, so dass hier mein Jahrespass für alle National Parks nicht gilt. Die Rundfahrt mit dem eigenen Auto dauert zwei Stunden. An den Aussichtspunkten kann man halten und die verschiedenen Natur-Kunstwerke fotografieren:
Es gibt die großen Mesas, die Tafelberge, die kleineren Buttes, die wie Fäuste in die Höhe ragen, und die Needles, also die Nadeln, die übrig bleiben, wenn alles andere herum verwittert ist. In diese drei Stufen lässt sich die Erosion einteilen.
Die drei Buttes am Eingang (West Mitten, East Mitten und Merrick), lassen sich gut zu Sonnenauf- und -untergang fotografieren.
Die drei Schwestern - oder auch die Nonne mit zwei Zöglingen? - als Beispiel für die Needles.
Der Rainfall Mesa (spanisch für Tisch), an dem die Medizinmänner um Regen baten.
Auf dem Felsvorsprung stelle man sich John Wayne vor, wie er auf seinem Pferd sitzt. Dahinter der kraftvolle Merrick Butte, die Faust.
Der Totempfahl - leider kommt man nicht näher dran, so dass er aus diese Perspektive nicht als alleine stehend wahrgenommen werden kann.
Canyon Land NP
Der letzte der fünf Parks in Utahs Süden. Der Colorado Canyon ist hier bereits zu besichtigen; noch gute 300 km vom großen Bruder, dem Grand Canyon, entfernt, der ja bereits in Arizona liegt. Mein Abenteuer ist hier die Offroad-Fahrt vom Plateau hinunter zum Colorado, 500 Höhenmeter fast senkrecht in engen Serpentinen abwärts. Und Browny ist eine alte Dame, dazu mit schwerem Gepäck auf dem Rücken …
Das Colorado-Geschichtsbuch
Seit der ersten Geologie-Epoche als Klassenlehrer faszinieren mich Steine. Es ist für mich wichtig zu wissen, auf welcher Art von Untergrund ich stehe, Kalk oder Granit, Sandstein oder Basalt. Es sagt etwas über den Charakter einer Landschaft aus, der Boden prägt die Vegetation, die Menschen, die da leben. Die Dolomiten mit ihren senkrechten Wänden sind natürlich aus Kalkstein, der Alpenhauptkamm aus Granit.
Zurück ins Herz des Colorado Plateaus, zum Canyon. Oben ist der Navajo-Schicht zu sehen; ockerfarben runde Buckel bildend, weiter unten bildet die Wingate-Formation die senkrechten Säulen, unter den grauen Chinle-Schichten und den roten Moenkopi-Verwerfungen endlich die harte Basis von White Rim. Auf dem White Rim Trail fahren die 4x4 Fahrzeuge; der Weg ist oben im Vordergrund zu sehen.
Dies ist einfachere schematische Darstellung der Schichten unter dem Overview Point.
Hier ist die vollständige, aber etwas kompliziertere Fassung der geologischen Schichten.
Hart an der Grenze
Die Fahrt nach unten zum White Rim trail ist harmlos. Da ich nicht wieder den gleichen Weg zurück fahren möchte, entscheide ich mich für den Shafer Trail am Colorado entlang nach Moab. Gleich am Anfang muss du einen kleinen Canyon passieren, wo jeder Weg aufhört und der nackte Felsen zu bezwingen ist. Ohne “high clearence” nicht zu machen, also großer Abstand zwischen Fels und Unterboden ist nötig, was bei Browny nicht besonders ausgeprägt ist … Einige Male denke ich, es sei besser umzudrehen, aber dann funktioniert es doch. Also vier Stunden dauert die Fahrt bis zum Sonnenuntergang, und da erreiche ich auch die asphaltierte Straße nach Moab. Dem Himmel sei Dank!
Arches NP
Ein großes Highlight! Mit Bryce der schönste National Park in Utah. Seit meiner Kindheit kenne ich das Bild von dem Torbogen, der so fantastisch in der Landschaft steht. In dem Buch “Wunder des Lebens” war es seinerzeit abgebildet und hat sich mir tief eingeprägt. Anfang November ‘24 konnte ich es (und noch viel mehr) direkt auf mich wirken lassen.
2000 Torbögen zählt dieser National Park
Jeder Park hat seine Besonderheit. Und Arches hat seine Torbögen. Warum gerade hier und nicht überall auf dem Colorado Plateau? Diese hat mit der einmaligen geologischen Lage dieses Ortes zu tun: Die normalerweise waagerechten Sandsteinschichten haben sich durch eine Störung (Fault) senkrecht gestellt, dann wölbte ein riesiges Salzlager die Schichten nach oben, so dass diese auseinander brachen und Spalten entstanden. Schritt drei: Die Wasserfluten in den Spalten suchten sich Wege und dabei schmirgelten sie die senkrechten Wände an vielen Stellen so dünn, dass Löcher entstanden. Diese Durchbrüche wurden immer größer und letztlich bildeten sich die grandiosen Steinbögen!
Hier kann man schön erkennen, wie in die Spalten zwischen den Schichten das Wasser eindringt und die Kräfte der Erosion den Sandstein abschleifen, schmirgeln und formen.
In der Luftaufnahme sind die senkrecht stehenden Schichten des Sandsteins deutlich zu sehen. Und wie weit sie schon auseinander stehen. Wenn es im Sommer monsunartige Regenfälle gibt, färbt sich das Wasser rot. Der Sand in den reißenden Flüssen wirkt wie ein Sandstrahl-Gerät!
Devils Garden
Im Norden des Parks beginnt der Trail in Devils Garden - eine dreistündige Tour zu vielen Arches. Der erste Bogen heißt ”Landscape Arch”und spannt sich 88 m weit von Pfeiler zu Pfeiler. Dass er so dünn aussieht, liegt daran, dass ein großes Felsstück von innen abgebrochen ist. Das geschieht immer wieder und solange, bis der Bogen einstürzt.
Dies ist ein kleiner Bogen abseits des Hauptweges: der Navajo Arch.
Die große Attraktion ist der “Double-O-Arch”, also mit zwei Bögen übereinander! Unten der kleinere Bogen, oben der große. Ein Kunstwerk der Natur!
Alles ist reglementiert im und um Arches NP
Als ich frühmorgens am 31.10. 24 am Eingang von Arches stehe, heißt es, ich benötige eine Reservation. So leicht kommt hier keiner herein. Es ist aber zum Glück auch der einzige NP, bei dem alles so streng geregelt ist. Auch der Campground muss vorgebucht werden. Zum Glück ergattere ich um 9.00 h morgens einen freien Platz für heute Nacht. Außerhalb des NPs darf man natürlich nicht frei stehen, wie das bisher bei jedem Park der Fall war. Nein, in einem Umkreis von five Miles muss man bezahlen für eine dry site, also ohne alles. Erst außerhalb dieser Zone kann man frei auf BLM-land “boondocking” machen. Am zweiten Abend fahre ich also 20 km weiter weg auf einen Stellplatz …
Der ”Delicious Arch” ist der Höhepunkt jeder Besichtigungstour in Arches. Vor allem am Abend scheint das Licht besonders warm auf den Steinbögen, der dann noch in feurigerem Rot entflammt. Doch leider nicht mehr im November, da die Sonne zu früh untergeht und den Bogen nicht mehr von Westen her vollständig beleuchten kann. Trotzdem warten viele Menschen hier bis zum Sonnenuntergang auf das Schauspiel. Vor allem die Größenverhältnisse von Bogen und Mensch sind beeindruckend, wie man auf dem Bild schön sehen kann.
Thema in Variationen: Touren zu Skyline, Sanddune und Windows Arches
Torbögen in allen Größen und Abwandelungen gibt es zu bestaunen: Skyline hoch oben in der Felswand, Sanddune ist ein Loch mit einer Felswand dahinter, die beiden Windows (South and North) ergänzen sich wie Augen in einem riesigen Gesicht. Im einem der Bilder oben gab es einen Elefanten zu sehen. Der Phantasie sind auch hier keine Grenzen gesetzt! Figuren, Gruppen von Wesen bevölkern den Raum.
Capitol Reef NP
Der dritte Nationalpark liegt nordöstlich vom Bryce Canyon NP, aber letztlich gehören alle zum riesigen Colorado Plateau, einer geologischen Formation, die fast so groß wie Deutschland ist! Der Fremont River hat hier sein Bett in die Tiefe gefressen, so dass die Sandsteinschichten sichtbar werden, die uralt sind. Im Prinzip ist Capitol Reef ein Geopark für mich, der weniger spektakulär ist als die Bryce und Arches.
200 km durch die Halbwüste
Allein die Fahrt von Bryce nach Capitol Reef ist ein Erlebnis. Die #12 führt an dem Grand Staircase-Escalante National Monument vorbei, das frei zu besichtigen, aber nur mit Allrad-Fahrzeugen zu bezwingen ist. Es gibt wilde Schluchten, Steinbögen, Hoodoos und alle Wunderwerke der Erosion im Sandstein. Ich kann hier völlig frei übernachten; allerdings liegen die Temperaturen nachts unter Null, da sich das Colorado Plateau auf 2000m Höhe befindet! Da noch drei NPs vor mir liegen, verzichte ich auf die reizvollen Off-Road-Abenteuer in diesem Gebiet. Es langt mir, über die Bergpässe von 3000m (9600 feet) Höhe zu fahren…
Zur Geologie des Colorado Plateaus
Ein zweitausend Meter dickes Geschichtsbuch der Erde - das öffne die Canyons, indem sie die Gesteinsschichten sichtbar machen: Jede Schicht ist eine Seite in diesem Buch! So “blättern” wir uns von der Erdneuzeit hinunter über das Erdmittelalter bis zum Erdaltertum, das bis zu 540 Millionen Jahre alt ist. Im Grand Canyon geht’s noch tiefer und weiter zurück. Besonders ausgeprägt sind die drei Kapitel des Erdmittelalter, Trias, Jura und Kreide. Denn in dieser Zeit existierte hier in “Nordamerika” eine der großen Wüsten der Erde.
Sand gab es ohne Ende und der Wind häufte ihn zu gewaltigen Dünen auf, die später versteinerten (Navajo Sandstone). Vom Meer überflutet entstanden andere Sandsteinschichten, die weicher sind und der Erosion bis heute schneller nachgeben als die härtesten Sandsteine, die ihrerseits vom Wind verpresst wurden und sich als Säulen und Tischformationen erhalten haben. Sie machen heute maßgeblich den Reiz der NPs aus: vor allem im Monument Valley, wo die Western mit John Wayne gedreht wurden.
Jede Schicht kann bis zu 300 Metern dick sein! Ein letztes Wort zu den verschiedenen Farben der Sandsteinschichten. Je nach dem Anteil an Eisen färben sich die Schichten mehr oder weniger rot. Im White Rim gibts gar kein Eisen.
Warum liegt das Gebiet, das im Erdmittelalter auf Meereshöhe lag, jetzt auf 2000m über dem Meeresspiegel? Die nordamerikanische Platte schob sich (und schiebt sich bis heute!) über die pazifische Platte und stieg dabei 2 Kilometer in die Höhe! Utah und Nevada sind größtenteils Hochwüsten.
Bei Sonnenaufgang im Capitol NP; Blick in den Fremont River Canyon mit den verschiedenfarbigen Schichten bis zum Grund. Die weiße Schicht über der roten ist aus Kalkstein, als aus dem Meer entstanden.
Zum Vergleich ein Bild vom Grand Canyon, dessen weiße Limestone Schicht recht weit oben zu finden ist, während diese Schicht hier viel weiter unten zu sehen ist.
Kurze Erklärung der folgenden Bilder
Der Name Capitol Reef kommt von einer Felsformation, die wie eine Kuppel aussieht und damit an das Capitol in Washington erinnert. Außerdem gibt es die Hickman Bridge, eine gewaltige Steinbrüche, zu man in einer halben Stunde laufen kann. Immer wieder sieht man schwarze Lavabrocken auf dem Weg; und im Tal unten Petroglyphen von den First nations aus präkolumbianischer Zeit.
Das Tal ist so fruchtbar, dass es den ersten Siedlern, die natürlich Mormonen waren, als Bleibe diente und von ihnen in einen herrlichen Obstgarten verwandelt wurde. Ihr Fleiß und ihr Gottvertrauen halfen ihnen, in dieser Halbwüste einen Garten Eden zu schaffen! Bis heute wachsen hier Pfirsiche und Birnen.
250 km zu Arches National Park
Es geht weiter nach Nordosten durch eine flache Einöde zum vierten der berühmten National Parks von Utah. Immer wieder dienen die Klippen des riesigen “Tisches” im Hintergrund als Hingucker.
Bryce Canyon
So verschieden können die National Parks sein: Mit dem Auto kann man hier 20 km hineinfahren! Warum? Weil die Straße auf dem Plateau oben verläuft und alle Abzweigungen zu den fantastischen Aussichtspunkten in großen Parkplätzen münden. Es ist für mich der beeindruckendste NP in Utah. Und man sollte mindestens zwei, besser dreiTage einplanen, um durch den Park zu wandern.
Eine Armee von Steinsoldaten
Von den Aussichtspunkten schaut man hinunter ins Tal, in dem unzählige Türme, Säulen und Felsnadeln stehen. Dazwischen haben Wasser und Wind den Sandstein weggespült, so dass nur die sog. Hoodoos übrig blieben, also Gestalten, die Hüte tragen aus härteren Steinschichten, mal mit Gesichtern, mal Gruppen bildend oder Symbolfiguren. Auf dem Queenstrail stößt man auf eine Säulenfigur, die an ein Bild von Queen Victoria erinnert! Ein Turm sieht an der Spitze aus wie ein Hammer: daraus wurde “Thors Hammer”.
Beim Abstieg von der Kante des Plateaus ins Tal hinunter erlebt man die eigene Winzigkeit; die Säulen werden immer größer und höher, die Schluchten immer enger um einen herum und der Blick zum Himmel funktioniert nur mit Kopf im Nacken. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Welche Wesen hier versteinert leben? So zumindest denken die Navajos und ihre Vorfahren über die Natursteinformationen: Menschliche Wesen wurden von den Geistern zur Stein erstarrt, weil sie sich böse waren.
Es finden sich aber auch große Bauwerke: Kathedralen, Burgen, Wände mit Fenstern,… Ja, ein ganzes Amphitheater ist zu erkennen! In jedem Fall ist das alles hier großes Theater.
Thors Hammer - vom Sunset Point aus gesehen
Queen Victoria- es gibt ein passendes Bild von ihr in genau dieser Haltung.
Die Namen der Figuren im Hintergrund sind weniger bekannt; dafür das Gesicht im Vordergrund ;-)
Zion Canyon
In der letzten Oktoberwoche erreiche ich den Zion Canyon National Park, den ersten der “Big Five” im Süden Utahs. Im Park verkehren Shuttlebusse, mit denen man zu den verschiedenen Stationen fahren kann. Und es herrscht immer noch großer Andrang! Dürften alle mit ihren Privatwagen in die Schlucht fahren, gäbe es ein Verkehrschaos.
Senkrechte Felswände bis zu 600 m Höhe
An der Endstation des Bustransfers beginnt die Schlucht so eng zu werden, dass man nur noch zu Fuß weiterkommt. Und nach 1,5 km endet auch hier der Trail, da der Canyon River zwischen den Felswänden fließt und nur die erlebnishungrigen Touristen mit wasserdichter Ausrüstung weiterwandern können! Gefährlich wird es hier, wenn es geregnet hat und sich der Bach in einen reißenden Fluss verwandelt!
Mittags erklimme ich den West Rim Trail, also den Weg auf die Gipfel der Felsen. Der sog. “Angels Landing”-Aussichtspunkt ist nur mit Permit zu besteigen. So begnüge ich mich mit dem “Scout Overlook”. Der Aufstieg ist steil und schweißtreibend! Doch die Aussucht über den Canyon ist alle Mühe wert.
Ein Tag langt für Zion; am Abend fahre ich weiter und kann außerhalb des NPs wunderschön im Hinterland frei übernachten.
Salt Lake City
Die Hauptstadt des Bundesstaates Utah ist auch die Hochburg der Mormonen. Man kann es als Europärer kaum glauben, dass es außerhalb des Vatikans noch einen „Kirchenstaat“ gibt. Aber die Stadt wurde 1847 von dem Mormonenführer Brigham Young als amerikanischer Mittelpunkt des Reiches Zion gegründet: „This is the Place!“ rief er, als er mit seinem Treck das fruchtbare Tal erblickte. Und wie nannte er den Fluss? Natürlich Jordan River. Bis heute sitzen die Mormonen in den wichtigen Ämtern von Stadt und Land. Der Sonntag ist heilig: Nicht nur alle Geschäfte haben geschlossen, sondern auch die Museen: Das ist einmalig in den USA,
Der Salt Lake
Auf der Fahrt von Idaho nach Utah übernachte ich an der Grenze. Berge mit Schnee erheben sich zu beiden Seiten, die Täler sind mit strohgelbem Gras bedeckt, nur mit Bewässerung kann der Boden fruchtbar gemacht werden. Dann öffnet sich das Tal zu einer weiten Ebene, in der der Salt Lake liegt: Die Flüsse speisen ihn zwar, aber es gibt keinen Abfluss, so dass der See wie das “Tote Meer” versalzt. Aber tot ist der See nicht! Hunderttausende von Vögeln bevölkern ihn; es gibt genügend kleine Krebstiere und Fliegenlarven, die als Futter dienen. Und die wiederum ernähren sich vom Plankton, das an der Seeoberfläche wächst. Es ist ein besonderes ökologisches System hier. Und die Bisons passen schön in die Landschaft auf der großen Insel im See, Antelope Island.
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
So nennen sich die Mormonen jetzt; sie wollen eine Kirche sein und keine Sekte. Gegründet von Joseph Smith, der im Jahr 1820 eine Vision hatte, in der ihm Vatergott und Sohn erschienen, die ihm geboten eine eigene Kirche zu errichten. Die Grundsätze der Lehre wurden im Buch Mormon niedergeschrieben.
Im Zentrum von Salt Lake City befinden sich gewaltige Bauwerke der Endzeit-Christen: Ihre Kirche, The Temple, befindet sich seit 5 Jahren im Umbau. Aber in den Tabernakel darf jeder Mensch hinein; hier finden Sonntags große Chorkonzerte statt, mit 200-köpfigem Chor, Orgel und großem Orchester. Also mit ganz schön viel Wumms! Damit möglichst viele Mormonen sich treffen können, wurde ein Saal gebaut, der Platz für 25 000 Menschen bietet. Na ja, immerhin gibt es 17 Millionen Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft weltweit (nach der katholischen und evangelischen Kirche die drittgrößte christliche Gemeinschaft!)
Und was macht sie so attraktiv? Sie leben wirklich nach christlichen Regeln im Alltag, wozu vor allem die tätige Nächstenliebe zählt. Die caritative Arbeit nimmt einen großen Teil der Freizeit, also am Wochenende, ein. Das hatte schon unseren Sohn Marvin beeindruckt, der 2010 bei einer mormonischen Gastfamilie in Portland/Oregon untergebracht war und dies hautnah miterleben konnte.
Das Capitol von Utah
Jeder Bundesstaat besitzt eine Kopie des Capitols von Washington DC - in Variationen und natürlich kleiner. Vor allem innen beeindruckt dieser klassizistische Bau durch die Fresken der Stadtgeschichte wie dem Errichten der Fahne auf dem”Ensign Peak”, von dem aus man heute einen wunderschönen Blick auf das Jordan River Valley hat. Und die Fahne von Utah ist symbolträchtig - der Bienenkorb: das Bild des emsigen Mormonenstaates!
Yellow-stone NP
Der älteste National Park (1872) liegt auf 2000 m Höhe, eingerahmt von Gebirgszügen, die bis 3500 m hoch sind. Berühmt ist er durch seine Geysire und heißen Quellen.
Von Oregon durch Idaho nach Wyoming - 1300 km
Eigentlich wollte ich an der Westküste weiter nach Süden fahren, aber Mitte Oktober wird es im Yellowstone Park sehr kalt, Schnee hat sich angekündigt und Browny ist für Wintercamping nicht ausgerüstet (Wassertank und -leitungen nicht frostfrei isoliert). Also muss ich auf schnellstem Wege nach Osten fahren in die Rocky Mountains, um noch vor Wintereinbruch diesen so berühmten National Park besuchen zu können.
Am Mount Hood, dem Skigebiet von Portland vorbei, durch die Cascades, hinter denen die trockenen Gebiete Idahos liegen, wo Landschaft nur mit Bewässerung funktioniert (aber gut, da die Sonne reichlich scheint). Immer am Snake River entlang, der schon die Siedler auf ihrem Trail nach Oregon begleitet hat, bis in den Bundesstaat Wyoming.
Die Geysire - Tänzer auf dem Vulkan
Erst durch den Besuch des Visitor Centers wird mir klar, dass der halbe Yellowstone Park im Gebiet eines alten Vulkankraters liegt! Bis heute dringt die Glut aus den Erdentiefen an die Oberfläche und erhitzt das Wasser der Bäche und Flüsse, die durch die Landschaft fließen. Begünstigt wird das Ganze durch das Kalkgestein, das wie überall unterirdische Höhlen, Risse, Gänge und Kanäle bildet. In diesen wird nun das einströmende Wasser zum Kochen gebracht. Druck baut sich auf und rhythmisch entladen sich diese “Kochtöpfe”: So entstehen die Geysire und heißen Quellen!
Norris Geysir Basin
Am zweiten Tag besuche ich das Gebiet mit den heißesten Quellen. An der Farbe des Wassers kann man die Temperatur erkennen: Die blaue Farbe zeigt an, dass hier keine Lebewesen mehr existieren können, wohl aber in grünem Wasser (Algen). Noch andere Mikroorganismen tummeln sich an den Stellen roter und brauner Farbe, also in kühleren Gefilden.
Das beeindruckendste Erlebnis war für mich der Geysir, der sich ohne Unterbrechung mit Volldampf entlud. dabei machte er diese dunklen, dumpfen Geräusche wie zehn Dampflokomotiven zusammen! In den frühen Morgenstunden spielte das Sonnenlicht plastisch in den Wolken - einfach fantastisch! Man kann ständig zuschauen und zuhören, ohne dass es langweilig wird. Die Kraft aus der Tiefe wirkt so elementar wie Feuer. In einem Lagerfeuer kann ich auch stundenlang den immer neuen Flammenerscheinungen zuschauen wie einem Film.
“Grand Prismatic Spring” -Glanz in allen Regenbogenfarben
Natürlich kann ich nur die Highlights in Bildern wiedergeben; die Eindrücke bei den Wanderungen von einem Gebiet zum anderen sind so vielfältig und abwechslungsreich, dass ich sie auch nicht durch tausend Bilder wiederzugeben vermöchte. Das besondere am Grand Prismatic ist die wunderschöne Farbabfolge vom tiefem Blau über Grün zu Gelb, das sich nach außen hin zu Orange und Rot verwandelt. Die Touristen stehen lange davor und staunen ob dieses Naturwunders!
Abschied im Schnee - auf in den Süden!
Am dritten Tag beginnt es zu regnen, in der Nacht fällt der erste Schnee und es wird ungemütlich auf 2000 m Höhe. So nehme ich Abschied von Yellowstone und fahre 500 km weiter nach Süden, wo Salt Lake City wartet. Die schneebedeckten Berge der Wasatch Range begleiten mich auf der Strecke. Und immer wieder Basaltformationen, die von reger vulkanischer Tätigkeit zeugen.
Portland/Oregon
Portland war für mich schon immer das Reiseziel an der Westküste, da unser Sohn Marvin vor 14 Jahren hier an der Waldorfschule als exchange student gewesen war. Und er hatte begeistert vom Unterricht und dem Leben in der Stadt mit seinem großartigen Umfeld (nahe Küste und naher Mount Hood) erzählt! Am Mittwoch, den 9. 10. habe ich um 2.30 pm meine “gebuchte Tour” an der PWS.
Portland Waldorfschool
Ob ich mit meinem Auto auf dem Parkplatz stehen dürfe, hatte ich die Outreach Managerin der Schule gefragt. Ja klar, war die Antwort gewesen. Aber am frühen Morgen klopft es an meiner Browny-Tür und der Hausmeister der Schule will wissen, was ich hier zu suchen hätte? Er erkundigt sich, ob ich wirklich einen Termin heute bei der Direktorin hätte. Nun ja, ich weiß mittlerweile, wie es an den nordamerikanischen Schulen zugeht: Du musst an der Schultüte klingeln, dich registrieren lassen, ein Besucherschild an die Brust klemmen, keine Fotos außer von leeren Räumen machen, auf vereinbarte Gesprächstermine warten…
Dafür liest sich das Who is Who? auf der Website der Schule absolut professionell: jede Lehrkraft verfügt über eine akademische Lehrerausbildung und über dasWaldorfzusatz-Diplom! Von der ersten Klasse bis zu den Oberstufenlehrer*innen. Die Direktorin der Schule, Chiaki Uchiyama, hat lange selbst unterrichtet und macht gerade ihren Doktor in Erziehungswissenschaft. WOW! Mit ihr habe ich ein sehr spannendes Gespräch über die Impulse der Waldorfschulen früher und heute, in Deutschland und den USA.
Sie hilft mir sogar dabei, an der Anthroposophical Society of America Conference teilnehmen zu können, die an diesem Wochenende in Portland beginnt. Die Online- Anmeldung war bereits geschlossen worden, aber mit ihren Beziehungen öffnete sie mir die Hintertüren ;-)
Qualitäts-Management
Die Direktorin der Schule hat Micheal d’Aleo (lectures nationally and internationally on topics of science, founding member and director of the Sarasota Experimental Nature Science Research Institute in Keene Valley, New York,…) nicht nur für zwei Vorträge für die Eltern eingeladen, sondern auch für die Highschool teacher, mit denen er in der Konferenz arbeiten sollte. Vormittags hospitierte er im Unterricht und beriet die Lehrkräfte. Was willst du mehr? Da funktioniert die Öffentlichkeitsarbeit vorbildlich! Ich war in beiden Vorträgen dabei und fand es spannend, wie persönlich die Ideen und Erfahrungen vermittelt wurden. Mir wurde hier schnell klar, dass ich auch an dieser Waldorfschule nicht als Mentor gebraucht werde.
Portland Downtown
Einen Tag verbringe ich im Zentrum von Portland, das am Westufer des Willamet Rivers liegt. Im Norden wird die Stadt vom mächtigen Columbia River begrenzt, der gleichzeitig die Grenze von Washington und Oregon bildet. Zwar gibt es auch viele Hochhäuser, aber im Vergleich zu Seattle ist Portland keine Big Business Metropole; eher eine Kulturstadt. So gibt es hier das “City of Books”, die größte Buchhandlung, die ich je gesehen habe. Über 5 Stockwerke hoch und einen Häuserblock breit findet man neuste Bücher aller Kategorien, begracuhte Bücher und antiquarische, Bücher in vielen Sprachen (Goethes Gesamtausgabe in Deutsch), … Ich bin platt ob der Auswahl!
Außerdem besuche ch das Museum of History, in dem der “Oregon Trail” von 1850 beschrieben wird, Es kamen über eine halbe Million Siedler vom Mississippi über die Rockies an die Westküste, 3000 km per Planwagen, die das Land der Indianer für sich beanspruchten und diese über kurz oder lang in winzige Reservate sperrten, die man auf den Karten gut sehen kann. Das Land war ihnen von der Regierung “geschenkt worden”: 320 acres per person, 640 per couple (Oregon Donation Land Claim Act in 1850)! Ja, es war ihnen das “Paradies auf Erden” versprochen worden … (historicoregoncity.org)
Conference of the Anthroposophical Society of America in Portland
Welch ein Zufall, dass die Jahrestagung der Anthroposophischen Gesellschaft von Amerika gerade an diesem Wochenende in Portland stattfindet! Natürlich interessiert es mich, wie die Anthroposophie hier in den USA lebt und sich entwickelt. Und obwohl die Anmeldung offiziell nicht mehr möglich ist, kann ich über die persönliche Schiene doch teilnehmen. Der Tagungsort ist das Crown Placa Convention Center im Herzen der Stadt, also füt alle gut zu erreichen - das heißt für die meisten Menschen per Flugzeug und drei Stunden Zeitunterschied.
Schwellenbewusstsein üben
Im Kern geht es doch immer um die gleiche Frage: Wie kann Mensch bewusster leben? Unser Tagesbewusstsein ist weniger das Problem, da können wir uns selber über unser Denken steuern. Aber wie funktioniert eigentlich unser Wille? Da ist es kaum möglich, mit unserer wachen Aufmerksamkeit Licht ins Dunkel, in die unbewussten Tiefen unserer Seele zu bringen. Da ist die Schwelle. Was uns wirklich steuert, ist eben nicht nur der Körper (das tut er oft genug und nachhaltig), sondern der Geist. Puh, was ist Geist? Diese Kraft, die kein Innen (Seele)und Außen (Körper) kennt, sondern nur Vollzug im Hier und Jetzt, Seele und Körper überbrückend und verbindend. Wir “schwimmen” im Geist, wenn wir handeln. Besonders, wenn wir eine Tätigkeit ausüben, auf die wir uns vorbereiten konnten, aber in der Situation alles Vergangene vergessen und aus dem Moment heraus schaffen: als Schauspieler auf der Bühne oder im Film, als Musiker und Künstler, aber natürlich auch als Redner und last not least als Lehrer vor der Klasse. Eigentlich aber auch im Alltag und in jeder Situation. Bewusst die Schwelle von der Nacht und den Tag überschreiten, wozu das gewöhnliche Denken keine Kraft hat; aus dem Nachtbewusstsein handeln: intuitiv eben!
Dieses Thema wurde in den Vorträge und Workshops behandelt. Besonders viele junge Menschen waren erfreulicherweise anwesend. Und ich treffe immer wieder Lehrerinnen von Waldorfschulen (kein Zufall, oder?) und knüpfe so Kontakte für die Zukunft…
Krishna Gurung-Begründer der Ankuran Waldorfschule in Kathmandu
Links ist Krishna, rechts Santosh, dessen Frau die Leiterin der Ankuran-Waldorfschule ist. Bei ihnen war ich vor gut einem Jahr in Nepal und hatte in den Klassen hospitiert. Welch ein “Zufall”, dass ich sie hier wieder treffe. Sie machen Werbung für ihr Projekt. Als ich mich nach den verheerenden Überflutungen in Kathmandu erkundigte, konnten sie mir sagen, dass die Schule verschont wurde, aber die Cafeteria im Erdgeschoß unter Wasser stand.
Mount Rainier
Auf dem Weg von Seattle/Washington nach Portland/Oregon begleitet der 4300 m hohe Vulkankegel die Reisenden. Er ist bei gutem Wetter immer sichtbar und so zieht er mich und viele andere Menschen an wie das Licht die Mücken.
Der Skyline Trail am Südhang
Fast eine Stunde muss ich an einem gewöhnlichen Montag, den 7.10. 24, am Eingang des Rainier Nationalparks in der Warteschlange stehen und 30 $ bezahlen, um hochfahren zu können. Der höchste Parkplatz befindet sich am Paradise Inn; von da aus beginnen die Trails auf die Südflanke. Da ich erst gegen 16 Uhr losgehen kann, habe ich Zweifel, ob ich rechtzeitig vor Sonnenuntergang wieder zurück sein werde. Die Skyline-Tour dauert offiziell 4 Stunden, und um 19 Uhr ist Sunset. Gottseidank habe ich mit Maps.Me eine gute Wanderapp, so dass ich zur Not Abkürzungen finde.
Die Farben glänzen im Sonnenlicht besonders schön, vor allem das Rot der Heidelbeersträucher vor den dunkelgrünen Weißtannen. Natürlich fließen Gletscherströme vom Gipfel nach allen Seiten und lassen die Vulkanspitze unnahbar erscheinen - im Schneefeld biwakieren allerdings einige, die den Aufstieg probieren wollen!). Die Aussicht von oben auf die vielen Bergketten der Kaskaden ist berauschend: Bis zu acht verschiedene Blaugrau-Stufen tauchen im Südwesten auf!
Seattle
Hundert Kilometer südlich der US-Grenze liegt die Großstadt Seattle mit ihren 600 000 Einwohnern. Mindestens zwei Waldorfschulen gibt es dort und die Firmensitze von Jeff Bezos’ Amazon, Boeing, Starbucks und der Bill Gates Foundation. Also eine besondere Stadt im Bundesstaat Washington.
Die Metropole ist ein teures Pflaster mit großem Kulturangebot
Als ich am Abend zur Waterfront fahre, um den Sonnenuntergang am Ufer zu sehen, erlebe ich mein blaues Wunder: Der Parkplatz kostet für zwei Stunden 50 $!!! Die Aussicht ist grandios, vor allem nachts vom Pier 66 auf die Skyline von Seattle. Tagsüber flanieren Menschenmassen an der Uferpromenade, Musiker und Straßenkünstler unterhalten sie, es gibt ein Riesenrad, ein Sealife-Museum, viele Restaurants und noch mehr Einkaufsmöglichkeiten! Nachts kann ich an der Seattle Waldorfschool übernachten.
Am nächsten Tag parke ich am Seattle Centre , wo sich das Wahrzeichen der Stadt in den Himmel erhebt: the Space Needle. Mit der Monorail geht’s in die Innenstadt, zum Hauptquartier von Amazons “The Spheres”, den polygonalen Glaskuppeln als integriertes Gewächshaus. Dann zur Library mit den Three Forms von Henry Moore; und als sprichwörtlicher Höhe-Punkt folgt die Aussicht vom Columbia Tower, 73. Etage auf den 100 km entfernten Vulkankegel des Mount Rainier.
An einem Samstagabend gönne ich mit ein Brahms Doppelkonzert in der Benaroya Hall mit dem Seattle Symphonic Orchestra. Das besondere Erlebnis: eine weibliche Dirigentin, Alevtina Ioffe aus Russland, zeigt ihr feuriges Temperament auf dem Pult! Ich schaue mehr auf sie als aufs Orchester, da sie die Musik direkt “tänzerisch” zum Ausdruck bringt.
Seattle Waldorfschool in Meadowbrook
Streng hierarchisch organisiert bekomme ich von 12 bis 13 Uhr einen Termin beim Pedagogical Head for grade classes Dru Smith-Crain. Das Gespräch ist herzlich, offen und vor allem essentiell über die Aufgaben von Waldorfpädagogik hier und heute. Zur Zeit wird ein first grade teacher gesucht; ich könnte direkt anfangen ;-)
Die Lehrergehälter liegen bei 60000,-$ im Jahr. Die 5000,-$/month werden wohl auch gebraucht, da das Leben in Seattle eben sehr teuer ist.
Die Gebäude sind schön für große Klassen, aber nicht alle Klassen haben 25 Kinder.
Die Fabel dem gefangenen Löwen, der von der Maus befreit wird, weil der Löwe sie einmal verschont hatte (2. Klasse). Das Tolle ist die Technik des bewegten Bildes. Das Mäuschen kann vom Kind hin- und hergeschoben werden! Besser kann man es nicht gestalterisch umsetzen! Chapeau! Die Kinder verbinden sich nicht nur mit Kopf und Gefühl, sondern auch mit dem Willen mit dem Sinn der Geschichte.
Gleiches Thema als Legende: Der hl. Jerome zieht dem wilden Löwen den Dorn aus der Pfote, der diesen so geschmerzt hatte. Lange Zeit später erinnert sich der Löwe an den Mann, der (als Christ im Colosseum in Rom) den Löwen zum Fraß vorgeworfen wird und verschont ihn nicht nur, sondern leckt ihm die Hand. Manus manum lavat.
Auch hier als bewegliches Bild; der Arm zieht den Stachel langsam oder schnell heraus, ganz wie das Kind es will.
Das Arboretum der University of Washington
Es gibt viele Parks in Seattle. Mich interessieren Bäume und deshalb besuche ich das Arboretum der Uni von Washington.
In Amerika heißt der Riesen-Mammutbaum einfach
Redwood. Die Nadeln des Sequoia bleiben dünn, rund und spitz. Im Grunde wachsen die Triebspitzen immer weiter, ohne eine Fläche bilden zu wollen. Bis zu 100 m hoch, 8 m breit im Durchmesser und bis zu 3000 Jahre alt kann der Redwood werden!
Überall in Kanada und an der Westküste wachsen die riesigen Red Cedar trees. Verwirrend war für mich, dass die Red Cedar natürlich keine Zeder und kein Mammutbaum ist, sondern ein Lebensbaum, also ein Thujagewächs. Im Vergleich zum Sequoia sieht man die breiteren Nadeln, die sich zu gefiederten Blättern spreiten, flach bleiben und wie unsere Zypressen aussehen.
Good bye Canada!
Von Prince George geht es in der letzten Septemberwoche über das Okanagan Valley im Süden an die Westküste nach Vancouver zurück, von wo aus ich Anfang August die Alaska-Tour gestartet hatte. Auf der Karte unten sieht man in großen Maßstab etwa eine Strecke von 12 000 km (mit der Tour durch die Rocky Mountains von Calgary nach Vancouver Islands)! So schließt sich der Kreis nach zwei Monaten, bevor das neue Abenteuer USA beginnen kann.
Prince George
Diese „alte“ Trapperstadt wurde vor 180 Jahren von Simon Fraser, dem Namenspatron des langen Fraser Rivers, als Fort George gegründet. Hier trafen sich die Handelswege der Pelzhändler aus allen Himmelsrichtungen - und noch heute strahlen von hier alle Straßen aus: an die Westküste, in die Rocky Mountains im Osten, nach Alaska im Norden und natürlich in den reichen Süden von British Columbia. Als ich am Samstag, den 21. September, wieder „PG“ erreiche, erfahre ich, dass am Abend ein Eishockey-Spiel stattfindet: die „PG-Cougars“ gegen die „Spokane Chiefs“ aus dem US-Bundesstaat Washington; also auf höchstem nordamerikanischen Niveau, weswegen vor dem Spiel die beiden Nationalhymnen erklingen. Die Cougars (Luchse) gewinnen 3:1!
Viel Natur und drei Brauerein in PG
Um wenigsten jetzt ein bisschen Werbung für die kühle Stadt in der Mitte von BC machen zu können, besuche ich tagsüber die Parks und bin begeistert von den vielen Bäumen im „Leidli Tenneh Park“, der sich auf dem Boden der alten First-Nation-Siedlung befindet (Die Würdigung der eigentlichen Landbesitzer seit 10000 Jahren gehört zum guten Ton in Kanada). Die Kanadischen Schwarzpappeln werden über 35m hoch und der Stammdurchmesser satte 2,5m! Wegen der überreichen weißen Samenwolle werden die Pappeln hier auch Cottonwood genannt, also Baumwollbaum. In die dicke Rinde haben ideenreiche Menschen Reliefs geschnitzt - zu sehen im Cottonwood Island Nature Park.
Es gibt drei Brauerein in PG, die miteinander um das beste Bier wetteifern. Hier probiere ich das Basal Brown Ale „Deadfall“: Yet hoppy dark, chocolatey, earthy - es geht zu wie bei der Geschmacksbeschreibung von Wein.
Das Nancys O‘s - Bar & Restaurant bietet 50 verschiedene Biere aus aller Welt an! Und an Wochenenden Lifemusik. Also warum nicht mal PG besuchen? Auf dem Weg nach Alaska letzte Gelegenheit bis Anchorage 3000 km …
Das Okanagan Valley - Weinbau mit Waldorfschule
Im Sommer haben wir die südlichen Gefilde im Innern von BC gemieden, weil es zu heiß war. Über 30 Grad im Campervan sind eine Qual. Doch im Herbst freue ich mich auf das T-shirt-Wetter in der bedeutendsten Obst- und Weinbauregion Westkanadas. Der Besuch der Okanagan Waldorfschool ist das erste Ziel; die Schule hat im September begonnen und ich bekomme eine Führung durch die kleine, aber feine Schule in Lumby. Gegründet von der Farmerin Emily Hladych als Waldorf-inspired Parent and Child group vor 20 Jahren; dann wuchs die Community und konnte auf dem Boden der Farm ein erstes Gebäude errichten. Jetzt hat die Schule 6 Klassen, einen viertägigen Kindergarten und einen wunderbaren Garten für alle:
bridgeeducational.org
Danach besuche ich die Kelowna, die Hauptstadt des Valleys, und ihre Obst-und Weingärten. Ich komme mit der 6. Generation der Familie CAROSO in Kontakt: aus Italien stammend gab es zuerst noch kein Obstbau, da dazu erst die künstliche Bewässerung geschaffen werden musste. Ohne „Irrigation“ läuft hier gar nichts! Wasser gibts genug: der Okanagan Lake ist alleine 135 km lang und zwischen 4-5 km breit! Der Bodensee zum Vergleich kommt mal gerade auf 63 km Länge, dafür ist er breiter. John schenkt mir 7 Birnen direkt vom Baum in die Hände.
Am Ufer unweit des Hafens steht eine mächtige Plastik: die Segel von Schiffen darstellend. Soweit das westliche Verständnis von Kunst. In Sichtweite befindet sich ein anderes Kunstwerk mit den Symbol-Tieren der Okanagan-Stämme.
Am Ufer steht auch die Bronzefigur eines Häuptlings der Okanagan-Stämme. Der Namen dieses Tals ist also indigen und heißt eigentlich Ookanhkchinx (in Englisch: transport toward the top end) in ihrer Sprache Syilx‘tsn (englisch gesprochen: seel-ick-cheen). Manchmal ist das ganz schön kompliziert!
National Day of Truth and Reconsiliation am 30.9.
Der Tag der Wahrheit und Versöhnung ist erst Kurzem ein gesetzlicher Feiertag in der Provinz British Columbia. Alle mögen sich a die ungerechte Behandlung der First Nations durch die Kultur der Weißen erinnern. Seit den Tagen der Siedler wurde ihnen ihr Land weggenommen, ihre Lebensweise als primitiv verurteilt und ihre Kinder in eigens dafür geschaffenen Internaten (residential schools) umerzogen. Die Gräber von Hunderten von Kindern, die diese Entwurzelung und Umformung nicht überlebt hatten, zeugen von dem Missionseifer der christlich-europäischen Unkultur. Der Prime Minister Trudeau hatte sich bei den indigenen Völker öffentlich entschuldigt.
In der Waldorfschule Vancouver fanden eine ganze Woche lang Projekte zur Geschichte und Kultur der Squamish Nation, die im Gebiet des heutigen Stadtgebietes lebten und leben, statt- mit echten Begegnungen und Kunstprojekten. Vorbildlich!
Vancouver Waldorfschool
Lange hatte ich keine Rückmeldung auf meine Emails bekommen. Erst nach dem dritten Versuch und sechs Wochen später erhielt ich die Einladung zu einer persönlichen Führung. Allerdings mit dem Hinweis, dass sie mein Mentorierungsangebot dankend zur Kenntnis genommen hätten, aber nicht in Anspruch zu nehmen brauchten. Okay, denke ich mir, die pädagogische Qualität an den großen Waldorfschulen Kanadas ist wohl durch eigene Maßnahmen gesichert. Ich werde nicht gebraucht. Prima!
In der Tat ist die Struktur der VWS klar und hierarchisch aufgebaut: Der Philantropy Officer Brock Sheppard zeigt mir die Räumlichkeiten und die Pedagogical Manger(in) Flora McEachern klärt mich über die aktuelle Situation der Schule auf. In der Konferenz wird an Christof Wicherts Buch “Lust aufs Lehrersein” (Teaching-The Joy of Profession) gearbeitet. Wunderbar! Der große Kindergarten ist die Quelle für die Gradeschool (Klassen 1-8), a die sich auf einem eigenen Campus die Highschool anschließt (9-12). Der Werklehrer der VWS war selber Waldorfschüler in Toronto und hatte selber Werken bei Ed Edelstein, dem Urgestein, den ich auf dem Mayfair in Nova Scotia kennengelernt hatte. Die kleine Waldorfwelt! Qualität verbürgt! Hier wäre ich auch gerne Schüler gewesen oder hätte unsere Kinder sofort hierhin geschickt.
Aus dem Kunstunterricht in der Highschool: Porträtmalerei. Gehört in der 12. Klasse zum Curriculum mit der Fragestellung “Wer bin ich?”
Von der Kunst zur Wissenschaft: Warum waren große Physiker wie Einstein auch Musiker? Bedarf es für das Entdecken von Zusammenhängen nicht auch Intuition? Wie könnte man sie besser üben als durch Kunst?
Professionelle Öffentlichkeitsarbeit der VWS
Um potentiellen Eltern der VWS zu zeigen, wie modern Waldorfpädagogik ist, wurde viel Gehirnschmalz und Herz in das Erstellen von Broschüren (print und online) gesteckt. Ich bin überrascht, wie gut Öffentlichkeitsarbeit hier funktioniert und würde mir wünschen, dass unsere Mülheimer WS sich davon eine Scheibe abschneidet. Beispiel Care Education: Welche Regeln für den Umgang mir besonderen Kindern haben wir? Wie können wir ihnen helfen? Welche Care-Konzepte gibt es (mit dem Hinweis auf anerkannte Psychologen und Therapeuten)? Transparent für alle Eltern; die Lehrer*innen müssen nicht alles immer wieder neu erklären; einmal viel Arbeit reingesteckt und dann hat die Schule ein Aushängeschild. Mehr dazu unter:
vancouverwaldorfschool.ca
Blicke von North Vancouver
Nördlich vonVancouver steigen die Berge steil auf über tausend Meter hinauf. Dahinter liegt dann das Skigebiet von Whistler… vom Cypress Provincial Park aus gibt es schöne Viewpoints auf die Stadt im Süden, allerdings wären die Bilder bei schönem Wetter attraktiver geworden. Überall treffe ich Sikhs in Kanada, natürlich auch hier; immer in größeren Gruppen, immer neugierig und lernbereit. Diesmal sind es Studenten aus dem Punjab, die an einer der Universitäten ihren Abschluss in IT, mechanical engineering und business machen. Die Zahl der Einwanderer aus Indien hat sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht; jedes Jahr kommen mehr als 100 000 hinzu. Viele Menschen in Kanada fühlen sich damit überfordert. Es ist wie in Deutschland zur Zeit!
Whiterock - Stadt an der Grenze
Auf der Fähre von Haines nach Skagway (in Alaska) hatte ich ein kanadisches Paar kennengelernt, die südlich von Vancouver wenige Meilen von der US-Border entfernt wohnen. Der Einladung sie zu besuchen komme ich gerne nach. Mit einer Flasche biodynamischem Wein aus dem Okanagan-Valley im Gepäck erreiche ich die Whiterock, das direkt an der Küste liegt. Die schönsten Häuser zieren die Strandpromende; allerdings können hier auch nur reiche Menschen zu wohnen! Das Haus von Laura und Ross hat einen groben Garten mit hohen Red Cedar Bäumen und einem Stellplatz darunter für meinen Browny. Wir reden über Gott und die Welt, was naheliegend ist, da Ross Buddhist ist.