Kanada Nord & Alaska
Der Ruf der Wildnis lockt!
Bisher habe ich mich im touristischen Teil von Kanada aufgehalten, jetzt zieht es mich in den einsameren Nordwesten hin mit der Option Alaska auch zu besuchen. Das war nicht geplant, da mit dem Grenzübertritt nach Alaska die Zeit für mein US-Visum zu ticken beginnt. Nun treffe ich aber unterwegs in British Columbia viele Overlander, die begeistert von der Natur, den Bergen und Bären dort erzählen, dass die Entscheidung nicht schwer fällt! Also der Reihe nach…
Yukon,
Haines /Alaska & BC
Den Alaska Highway von Alaska/US nach Whitehorse in Yukon/Kanada kenne ich vom Hinweg. Aber diesmal scheint die Sonne, die Stimmung hellt sich entsprechend auf und ich beschließe, die längere Route über Haines in Südost-Alaska zu fahren. Warum? Der Bärenhotspot am Chilkoot Lake und die Goldgräberstadt Skagway warten dort. Erst danach auf dem Alaska Marine (!) Highway zurück nach Kanada…
„Des Menschen Herz ist wankelmütig“ (Sindbad der Seefahrer)
Meine Stimmungsschwankungen hängen mit der Wetterlage zusammen: Regnet es den ganzen Tag, möchte ich so schnell es geht, in den Süden weiterfahren. Hinter der Grenze übernachte ich an der Snag-Junction an einem See; frühmorgens ziehen Nebelschwaden umher und behindern die Sicht auf der Straße. Ich will da nur noch heile durchkommen! Im Laufe des Tages klart es auf und auf der Höhe des Kluane Lakes nach 150 km lacht die Sonne vom Himmel! Die Herbstfarben der Pappeln beginnen zu leuchten, die Berge am Horizont tauchen auf und die Landschaft verzaubert mich. Immer wieder halte ich an und schieße Bilder, um diese Pracht festzuhalten.
So schnell ist meine schlechte Stimmung verflogen und die Dankbarkeit wächst, dass ich die Schönheit um mich erleben darf. In den Märchen von 1001 Nacht spricht Sindbad der Seefahrer über sich selbst und seine Wankelmütigkeit. Hatte er die schlimmsten Erfahrungen durchlitten und geschworen, nie wieder auf Reisen zu gehen, so änderte er seinen Sinn, nachdem er einige Zeit zu Hause verweilt hatte, dem Erzählen der alten Geschichten überdrüssig geworden war und gerne wieder neue Abenteuer erleben wollte. So wankelmütig sei des Menschen Herz, schließt er seine Betrachtungen über den Menschen. Und ich denke an der Haines Junction, ich sollte den Umweg über den Südosten von Alaska mitnehmen …
Mein Stellplatz bei Burwash Landing am Kluane Lake, wo ich bereits vor vier Wochen übernachtet hatte. Wie anders es jetzt aussieht mit den Herbstfarben!
Fahrt nach Haines durch die Coastal Mountains an der Schneegrenze
In der Sonne losgefahren hinter Haines Junction, in den Bergen in Regen gekommen, der auf den Spitzen in Schnee übergeht, also weiter, weiter und weiterfahren: 550 km von früh bis spät in die Nacht. Über die Grenze, durch Haines bis zum Chilkoot Lake.
Coho-Salmons am Chilkoot River und - Bären!
Es ist der letzte Salmon Run in diesem Jahr: die Cohos ziehen noch bis in den Oktober die Flüsse hinauf. Aber es sind wenige; und so begegnen wir - also die mit Riesenobjektiven bewaffneten Touristen und ich bloß mit Handy und Universalzoom (also unbrauchbar!) ausgestattet - nur einer Bärenfamilie, die regelmäßig zum Fluss kommt. Leider nur auf der gegenüberliegenden Uferseite, dafür bewegen wir uns frei im Gelände. Ok - mit Bärenspray… Und nach zwei Tagen haben wir großes Glück: die Bärenmutter kreuzt die Straße auf unserer Seite und wir fotografieren sie aus 10 m Entfernung! Ebenso ihre drei drolligen Cubs, die hinterhertrotten. Also hat sich der Umweg doch gelohnt.
Außerdem gibt es jede Menge Bald eagles (Weißkopfseeadler). Im November kommen sie zu Hunderten zum Chilkat River, dem Nachbarfluss, und bevölkern die Nadelbäume; es sieht dann aus wie die Kerzen am Weihnachtsbaum! Ein Magnet für Fotografen aus aller Welt!
Auf dem Alaska Marine Highway nach Skagway
„Alaska beginnt, wo die Straßen aufhören“, heißt es. Von Haines aus geht es nicht mehr auf der Straße weiter, sondern nur noch auf dem Marine Highway, also mit dem Schiff. Die Flagge von Alaska zieren die Sterne des Großen Wagens mit Polarstern!
In einer Stunde landen wir in der Goldgräberstadt Skagway, dem Tor des „Klondike Goldrush“ von 1899. noch heute sieht die Stadt wie vor 120 Jahren aus; darauf sind die 2000 Einwohner von Skagway stolz. Und die riesigen Kreuzfahrtschiffe laufen den Haufen an wie früher die Schiffe mit den 100 00 Glücksrittern. Diesen Touristen wird heute alles geboten: Wandern auf dem beschwerlichen Weg zum Chilkoot Pass auf 1000 m Höhe, oder die bequeme Fahrt mit der Eisenbahn hinauf, die verruchten Kneipen und Bordelle wie das „Red Onion“ oder die dazu passende Bühnenshow mit „Soapy Smith“, dem berüchtigten Gangster von damals.
Die Schneefräse vorn an der Dampflokomotive erzwingt den Weg durch das verschneite Gebirge auf 800 m Höhe zum White Pass, von dort nach Carcross und Whitehorse, dem Ausgangspunkt für die Fahrt auf dem Yukon River nach Dalton City, 500 km weiter im Norden, dem Ziel der Goldgräber.
Originalbild von damals
Die angekommenen Glücksritter mussten ca. 1000 kg an Lebensmittnel, Werkzeug und Ausrüstung mit über den Passs zur Grenze tragen, wenn sie nach Kanada reingelassenen werden wollten. Wie oft mussten sie sich den Weg also hochquälen? Bei Schnee und Eis, damit man rechtzeitig den Yukon erreicht, wenn das Eis im Frühjahr taut und die Boote losfahren können …
Auf dem Alaska Highway zurück
Über den Klondike Highway geht’s erst mal wieder nach Kanda zurück, über Carcross (Cariboo Crossing) mit seiner kleinsten Wüste der Welt. Die gewaltigen Sanddünen entstammen den Gletschern, die hier das Gestein zermahlen hatten. Das Abendlicht gibt ihnen und der Landschaft ein glänzendes Aussehen. Vorher hatte es nur geregnet gehabt. Die Tropfen glänzen noch in den Bäumen…
Ich übernachte an einer alten Gleisstrecke am Watson River, in der Nacht friert es! Ein europäisches Paar schläft im Dachzelt, ich wollte nicht tauschen. Die Bilder vom Morgen sind traumhaft schön: Nebelwolken trennen Berge von Tälern und über den Flüssen dampft es im Sonnenschein. Und auch ein Schwarzbär taucht auf!
Liard Hotsprings & die ersten Bisons
Vielleicht denkt der Betrachtende dieser Bilder, dass es nun reicht mit den ewigen Landschaftsbildern. Richtig, deswegen überrascht uns Kanada mit ganz anderen Eindrücken: den heißen Quellen, in denen jede/r mitten in der Natur baden und sich wunderbar entspannen kann. Die Liard Hotsprings liegen 200 km östlich von Watson Lake, dem Städtchen mit dem Schilderwald (siehe Hinfahrt). Die Geologie erklärt, wieso überall hier bis nach Alaksa Vulkane entstanden: durch das Zusammenprallen der Pazifischen mit der amerikanischen Kontinentalplatte, wobei sich erstere unter den Festlandsschild schob - und immer noch schiebt! - und aus den Tiefen natürlich auch heißes Wasser strömt.
In diesem Gebiet leben auch wieder Bisons! Und da es neben dem Highway frisches Gras gibt, finden sich ganze Herden dort ein. Der Leitbüffel hat einen GPS-Sender um den Hals, der das Signal an die Schilder an der Straße weitergibt: Achtung! Langsam fahren; Bisons in der Nähe. Die Gestalt eines ausgewachsenen Bisons ist nicht zu vergleichen mit unseren Stieren. Der Höcker, also die Schulter, ist gewaltig ausgeprägt und durch die Behaarung kommt das Wilde mächtig zum Ausdruck.
Durch die Northern Rockies nach Prince George
Es gibt nur drei Übergänge über die Rockies auf einer Länge von 1500 km! Hier im Norden über den Muncho und Summit Lake auf dem Alaska HW, dann 750 km südlich davon über HW #97 und wieder 750 km südlich durch den Jasper National Park auf der #16. So einsam ist es hier! Nur wenige Straßen dienen als Lebensadern in diesem „Flächenland“. Was ist das für ein geografischer Begriff? Natürlich stimmt er für Kanada im Vergleich zu Indien, aber er bleibt für die meisten Menschen abstrakt: mehr Fläche als Menschen; Leben gewinnt der Begriff nur durch die Bilder von der Landschaft und der Natur! Also gibt’s zum Schluss meiner Rundreise noch mal Bilder. In Prince George schließt sich der Kreis. Vor sechs Wochen bin ich von hier aufgebrochen über die westliche Route und kehre über die östliche zurück.
Anchorage
In der Hauptstadt von Alaska leben Dreiviertel der Menschen des Landes: 300 000 Einwohner. Am Freitagabend, den 7. September 24, komme ich bei Regen hier an und versuche, eine Werkstatt für meinen Toyota zu finden. Das stellt sich als echte Herausforderung dar…
Toyota Landcruiser HJ60? Too old! Impossible to repair!
Es ist ein Dejavu -Erlebnis: In Indien wollte Nandi-Toyota (benannt nach dem Reittier von Shiva) auch keinen Finger krumm machen, um die gebrochenen Blattfedern und Stoßdämpfer zu reparieren. Jetzt heißt die Werkstatt in Alaska Kendall Toyota (ein Riesenladen); aber noch nicht einmal einen Ölwechsel oder eine Inspektion wollen sie durchführen. Es könnte ja was kaputtgehen, eine Schraube abreißen, etc. und dann würde man keine Ersatzteile für den alten HJ 60 mehr bekommen. Allein das Wort DIESEL ist ein Reizwort auf dem nordamerikanischen Kontinent, da hier fast ausschließlich Benziner, auch und gerade bei den Trucks/Pick Ups, auf dem Markt sind.
Also klappere ich vier Werkstätten ab, alle hoch kompetent und gelobt, und alle stoßen ins gleiche Horn: „Machen wir nicht!“ Ist das zu fassen? Nach 20 000 km Fahrt muss ich einen Ölwechsel mit Inspektion machen lassen. Erst der fünfte Laden wirbt mit „Foreign Cars“ auf dem Schild, gemeint sind VW, BMW, Mercedes & Co. Ich ködere den Meister mit dem Hinweis, ich hätte einen neuen Ölfilter aus Deutschland dabei! Siehe da, es klappt und nach einem halben Tag ist alles erledigt.
Auch zwei neue Allrad-Reifen sind fällig und bei American Tyre gibt’s zwar keine Cooper 33x12.5 R15, aber passende Goodrich-Reifen. Als die bestellten Reifen ankommen, möchte ich sie natürlich auch montiert bekommen. „Nein, das machen wir nicht, wenn nicht alle vier Reifen von der gleichen Marke sind!“ Wie bitte? Erst als ich nach langem Hin und Her den Geschäftsführer sprechen möchte, ist es möglich … Man muss nur hart bleiben!
EIN sonniger Tag in Anchorage von fünf
Mit meiner deutscher Wetter App (WetterOnline) kann ich relativ genau die Sonnenstunden abpassen, um auf die Berge um Anchorage zu steigen. Der Flattop Mountain mit 1000 m bietet eine perfekte Aussicht auf Stadt, Land und Meer. Am Wochenende ist der Parkplatz voll mit Residents, die sich sportlich betätigen und die herbe Schönheit der Landschaft genießen wollen. Die Baumgrenze liegt hier schon bei 700 m, nur Zwergsträucher wie die Alpen-Bärentraube, Alpenaster, (schwedischer) Hartriegel, Tüpfelenzian, Glockenblume und die Schwarze Krähenbeere kriechen auch höher hinauf. Gerade im Herbst - und hier ist richtig Herbst! - leuchten die Matten karminrot auf.
Alaska Museum und Downtown
An den Regentagen bietet sich der Besuch von Stadt und Museen an. Bemerkenswert ist der Sinn der Menschen in Alaska für Blütenpflanzen: Überall schmücken Pflanzkübel die Stadt mit frohen Farben! Im Alaska Museum beeindruckt mich die „Salmon Exibition and Natives“; mit welcher Ehrfurcht die First Nations den Tieren, von denen sie leben, gegenüber treten! Die Rituale, die Tänze wollen den Geist der Lachse, Robben, Wale, Seelöwen, Bären und Elche erreichen, um sie zu bitten, dass sich einzelne Tiere für die Menschen opfern. Der Dank nach der erfolgreichen Jagd ist entsprechend groß. Es ist mir ein Rätsel, wie die Inuits und die Aleuten Wale mit ihren Harpunen fangen können, ohne von diesen samt ihrer Kajaks in die Tiefe gezogen zu werden…
Skyline und Strand von Anchorage
Strand meint hier nicht Badestrand, sondern Begegnung von Elementen, archaisch, rauh, herb, einsam. Treibholz auch hier ein Merkmal; sogar ein junger „Moose“, also Elch, gesellt sich dazu; und der Kontrast dazu ist die moderne Skyline der Stadt.
Das Heritage Centre und dann Abschied von Alaska
Wir schreiben den 11. 9. 24, als ich mich auf den Rückweg über den Glenn Highway #1 mache, um dem Regen zu entgehen. Mittlerweile weiß ich, warum die Saison bis Mitte September geht. Nächste Woche ist der erste Schnee angesagt.
Zuvor nehme ich noch das Heritage Centre am Stadtrand mit. Hier gibt es Life-Dance und Traditional Games zu sehen. Und die Häuser-Typen der verschiedenen Volksstämme. Denn in der Tundra gibts kaum Holz. Also werden die Häuser direkt in die Erde versenkt. Deshalb fanden die ersten sibirischen Pelzjäger in den Weiten des Westens zuerst keine Menschen. Sie wanderten und suchten, bis plötzlich einer der Jäger durch die Dachluke eines Erdhauses einbrach und sich inmitten einer Yupik-Familie wiederfand!
So sieht ein Yupik-Haus aus. Es ist erstaunlich warm innen drin, da die Erde die Wärme speichert. Geheizt wurde mit dem Fett von Wal, Robbe oder Seelöwe, also dem perfekten Heizöl! Die Vorräte sind links in einem eigenen Haus, das so stabil sein muss, dass sich kein Bär über das getrocknete Fleisch hermachen kann!
Kieferknochen des Buckelwals als Tor aufgestellt
So sieht die Küste ganz im Westen auf den Inseln der Aleuten aus. Nur mit Schiff oder Flugzeug zu erreichen…
So ein traditionelles Kajak für die Jagd auf dem Meer ist mit Fell bespannt.
Der Matanouska-Gletscher reicht bis zur Straße
Der Glenn Highway schlängelt sich am Küstengebirge in West-Ost-Richtung entlang bis nach Glennallen, wo ich vor drei Wochen schon gewesen war. Von hier nehme ich den Weg nach Tok zur Kanadischen Grenze. Die flammenden Herbstfarben der Espen begleiten mich aus Alaska hinaus…
Fairbanks
Anfang September 2024:
In der geografischen Mitte von Alaska liegt Fairbanks (Loch in der Karte); nur noch 200 km vom Polarkreis entfernt. Hier ist der Ausgangspunkt für alle Trips in den Norden, vor allem Richtung Arktisches Meer.
Außerdem ist die zweitgrößte Stadt Alaskas mit 30 000 Einwohnern der Hotspot zum Sehen von POLARLICHTERN!
Kälter, aber sonniger am „Creamers Field Migratory Waterfowl Refuge“
Die Nächte sind nahe dem Gefrierpunkt, aber wenn die Sonne scheint, heizt sich die Luft so schnell auf, dass man im T-Shirt herumlaufen kann. Die Sonnenstrahlen erzeugen auf der Oberfläche der Haut und der Gegenstände eine direkte Wärme, die vergessen lässt, dass man in Alaska ist. Es ist ein Genuss, durch die Felder und Wiesen des Creamers Migratory Waterfowl Refuge zu laufen. Zu sehen gibt es dort die Sammelplätze der Kanada-Kraniche und Kanada-Gänse. Als Zugvögel fressen sich satt, bevor ihre 4000 km lange Reise in den Süden beginnt.
Das Museum of the North der Alaska University
Ein Highlight in Fairbanks ist das Museum of the North. Allein architektonisch ist es ein Hingucker, die einzelnen Flügel des Gebäudes sind von Vogelflügeln inspiriert. Innen wird über die verschiedenen Regionen Alaskas aufgeklärt: die südlichen Küsten, das Binnenland, die Bergregionen, die Inseln im Westen (wie den Aleuten) und die arktische Küsten im Norden.
Es blüht in allen Farben vor dem Museum. Ja, in Alaska gibt‘s die gleichen Pflanzen wie bei uns! So schön in dieser rauhen Natur…
Ein Beispiel für einen Kupfer-Nugget aus den Wrangel Mountains, wo die größten Kupferfunde gemacht wurden. Das Teil wiegt knapp 3000 kg!
Aurora Brorealis bei klarem Sternenhimmel
Der September beginnt und damit die dunkleren Nächte. Auf den Hügeln um Fairbanks sind bei klarem Himmel an 4 von 5 Nächten Polarlichter sehen! Die Universität von Alaska hat herausgefunden, warum gerade hier um den 64. Breitengrad die Zone liegt, in der Sonnenwind (mit seiner elektrischen Ladung) und elektromagnetisches Feld der Erde so aufeinandertreffen, dass der Himmel ständig und regelmäßig zu leuchten beginnt.
Es ist ein magisches Schauspiel! Nach Mitternacht tauchen grüne Lichter am Südhimmel auf. Die wandern über den Zenit nach Norden und beschreiben einen großen Bogen von einem Horizont zum anderen! Dabei sind die Farben sehr viel zarter als auf den Bildern, die wir immer zu sehen bekommen. Wie riesige Vorhänge bewegen sich die Nordlichter ständig hin und her: meistens grün, aber oft mit rötlich-violettem Streifen getönt.
Das Morris Thompson Cultural Centre
Im Unterschied zum Museum drückt sich die Seele der First Nations hier nachempfindbar aus. Thompson selber war ein Kind der Koyukons, der sich sein Leben lang für die Bedürfnisse der indigenen Völker eingesetzt hatte. Hier in Alaska zu leben, ist nicht ein bloßes Über-leben, sondern ein ganzheitlicher Weg zu leben, d.h. im Einklang mit den Wesen der Natur und des Kosmos zu existieren. Bevor die Jagd auf Wale, Rentiere oder Robben beginnt, wird der Geist dieser Tiere angerufen und um Erlaubnis zum Fang gebeten. In Tänzen, Ritualen und Opfergaben wird das Opfer der Tiere gewürdigt, mit dem Versprechen, alles zu verwenden, was das Tier gegeben hat, auch Haut und Knochen. Der Zusammenhalt der Menschen, des Clans, der Familie ist stark. So bildet sich ein authentisches Heimatgefühl.
Abschied, Wehmut, Herbstfarben…
Mein nördlichster Punkt ist erreicht. Ich werde nicht zum Polarkreis oder zum Arktischen Meer fahren; dafür ist es zu spät im Jahr, da Mitte/Ende September der erste Schnee kommt. Schon jetzt färbt sich das Laub der Zitterpappeln strahlend gelb - viel früher als in Deutschland! Nach den starken Empfindungen von Weite, Wildnis, Frieden und Freiheit kommt ein neues Gefühl hinzu: Wehmut. Ich nehme Abschied von der herben Schönheit dieses Landes, vom der sommerlichen Wärme, den langen Tagen …
Denali im NPark
Auf dem Parks Highway geht‘s 150 km nach Süden, wo der höchste Berg Nordamerikas, der Denali oder früher Mount McKinley, mit seinen 6190 m wartet. Für alle Alaska-Touristen ist der Besuch des National Parks ein Muss. Aber die 90 km lange Straße im NP ist zur Zeit in der Hälfte gesperrt, so dass niemand nahe an den Denali herankommt. Er ist nur aus der Ferne zu sehen.
Healy und das Übernachten im Vorgebirge
Im National Park ist es schwierig zu übernachten, man muss mindestens drei Tage auf dem Campground buchen und darf nur den Bus zum Fortbewegen benutzen. Außerdem kostet alles viel Geld, selbst der Riley CG vor dem NP kostet gleich 40 $/Nacht. Also bleibe ich im Vorgebirge der stolzen Alaska Range stehen; in der Ortschaft Healy kann man in die Berge hineinfahren, es gibt Strecken für die ATVs, die AllTerrainVehicles, also die Quads. Browny nimmt die Feldwege locker und bleibt an einem Punkt mit bester Sicht auf den Mount Healy stehen.
Am nächsten Morgen fahre ich zum Visitor Centre des Denali NPs. Es regnet den ganzen Tag und ich muss warten, bis abends die Sonne herauskommt. Dann steige ich auf den nahen Berg und folge dem „Healy Overview Trail“. Von da aus ist es wirklich erhebend zu sehen, wie die Landschaft sich ausbreitet: die kargen Bergrücken im Hintergrund, davor die roten Farben der Zwergsträucher, die dunkelgrünen Nadelwälder mit den gelben Espenflächen dazwischen. Der Denali bleibt unsichtbar…
Blicke vom Mount Healy
Es dauert von gute zwei Stunden, um die 500 Höhenmeter vom Visitor Centre auf den Berg hinauf zu erklimmen. Die Aussicht belohnt die Mühen bei Weitem, auch wenn der Wind empfindlich kalt zu blasen beginnt. Zum Schluss zeigt sich ein wundersames Bild am Himmel: ein Wolkenvogel!
Morgenstund hat Gold im Mund …
Vom Viewpoint North sah ich am Abend nichts, gar nicht, weil es regnete. Um 7 Uhr morgens aber ziert ein schmaler Silberstreifen den Horizont. Die Sonne lässt die Denali-Spitzen in Gold erglühen! Nur für wenige Minuten, dann jagen die Wolken wieder über den Horizont. Welch ein Glück! Nur 30 Prozent aller Besucher sehen den Denali; und ich gehöre dazu. Man stelle sich vor, die beiden Gipfel, South (links der höhere) und North sind 60 km entfernt! Jedes Detail ist zu sehen, leider nicht auf meinem Handybild.
Alaska - “The last frontier”
So steht’s auf den Nummernschildern und soll wohl heißen, dass es keine weitere Grenze nach Norden mehr gibt. Aber auch, dass die Grenze des menschlichen Lebens hier erreicht wird. Noch weiter nördlich gibt’s keine Möglichkeit mehr für menschliches Leben. Hier ist die letzte Grenze für uns…
Warum überhaupt Alaska?
Eigentlich wollte ich gar nicht hierherfahren, da mit dem Eintritt nach Alaska die Uhr meines USA-Visums zu ticken beginnt. Die 180 Tage zählen ab jetzt, denn die Einreise von Kanada in die USA gilt nicht als neue Einreise. Weder Mexiko noch Kanada gehören zu Ausreiseländern! Deswegen konnte ich meine Reise nicht an der Ostküste der USA beginnen lassen und über Kanada wieder an der Westküste einreisen.
Nun habe ich so viele Overlander in Kanada getroffen, die begeistert über Alaska berichtet hatten, dass ich einfach Alaska besuchen und kennenlernen musste. Und es hat sich gelohnt, das kann ich jetzt nach zwei Wochen Aufenthalt sagen. Bereits der erste Morgen zeigte mir wunderschöne Landschaften und Panoramen von den Wrangel-St. Elias Mountains. Hier sind die höchsten Berge Alaskas (nach dem einen “Denali” Mountain mit 6190m) in einem geballtem Massiv vereint! Der Mount St. Elias ist knapp 6000m hoch!
Die 300 000 km-Marke überschritten!
Browny erreicht direkt hinter der Grenze von Alaska die Marke von 300 000 gefahrenen Kilometern. Zufall? Es ist wie ein Geburtstag! Ein Moment der Rückblicks und des Wünschens für die Zukunft - 300 000 km sind für den Toyota Landcruiser - Motor kein Problem. Seine 6 Zylinder 4 Liter Diesel-Maschine hält locker noch einmal 300 000 km, sagen alle Kenner (ich wusste das gar nicht, als ich Browny erwarb). In Kanada hätte ich das Auto mehrmals verkaufen können …
Zum anderen frage ich mich natürlich, was die nächsten 100 000 km bringen werden? Bisher bin ich 70 000 km mit Browny unterwegs gewesen, durch Asien und jetzt 15000 km durch Kanada. Wie lange wird der Weg durch den amerikanischen Kontinent werden?
Nach Valdez an die Küste: Wildlife-Watching
Die Freiheit in der Situation zu entscheiden, was ich tun werde, hängt oft vom Wetter ab. Zum Glück bin ich nicht in das Korsett eines festen, vorgeschrieben Routen- und Zeitplanes geschnürt, sondern kann flexibel reagieren: Was macht jetzt Sinn?
Der Blick auf die WetterApp zeigt für die letzte Augustwoche nur Regen an. Mit einer Ausnahme: Übermorgen soll die Sonne scheinen. Es fahren von Valdez aus jeden Tag Boote zum Wildlife-Watching aufs Meer, aber bei Regen ist das nicht schön und die Aussicht auf die Gletscher beschränkt. Also muss ich schnell von Tok (hinter der Grenze) die 400 km nach Süden an die Küste fahren. Alles in allem eine lange Fahrerei.
Kalbende Gletscher, Seelöwen-Kolonien, Eisberg-Farben
Sechs Stunden dauert die Fahrt auf der “Stan Stephans” vom Hafen in Valdez (den Älteren noch vom Tanker-Unglück der EXXON-Valdez bekannt) über den Fjord mit den Seehunden auf der Boje und den lustigen Seeottern zum Columbia Glacier als Ziel. Wir haben so ein Glück mit dem Wetter. Die Sonne scheint immer wieder und bringt die Farben der Eisberge richtig zum Leuchten! Das Türkisblau entsteht durch die Dichte und das Alter des Eises, das ja tausend Jahre zählen mag. Es verzaubert die Menschen auf dem Boot; alle schießen Bilder aus allen Perspektiven und verewigen sich mit dem “ewigen Eis” der Viertauender. Am Rückweg geht’s an den Kolonien der Seelöwen vorbei. So nah, so schön, so bewegend.
Wasserfälle stürzen senkrecht von den Chugach Mountains in den Fjord. Nur auf dem Video ist das Getöse zu hören…
Kaum zu sehen, aber es gibt sie wirklich hier. Das Alaska Schneeschaf, auch Dall sheep genannt, döst in der Sonne auf den Steinen mit seinem Kind.
20 km lang und 2 km breit ist der Columbia Gletscher - unvorstellbar für europäische Verhältnisse. Er fließt täglich 35 m weit ins Meer, so dass das Kalben der Gletscher wirklich ständig zu hören und zu sehen ist!
Four GRIZZLIES nearby
Am Abend dieses schönen Tages suche ich mir einen Stellplatz. Es gibt zwar mehrere Campgrounds in Valdez, aber was soll ich da? Ich habe Wasser (mit 60 l komme ich locker eine Woche aus), Strom sowieso über die Solarpanele und die Lichtmaschine - und kein Bedürfnis eng gequetscht neben den dicken RVs zu stehen. Bei iOverlander (großartige App!) ist der Hinweis zu lesen, dass es ein Old Valdez gäbe, wo man am Ufer des Lowe Rivers stehen könne.
Ja, ich sehe bereis die Coho-Lachse in einem der vielen kleinen Rinnsale des aufgefächerten Flusses schwimmen. Und dann taucht ein Grizzly aus dem Wald auf. Ich bleibe in Browny. Dann erscheint ein zweiter -ich freue mich sehr! Ein dritter gesellt sich dazu und sie suchen am Ufer nach Lachsen. Sogar ein vierter Bär, größer als die anderen stößt dazu. Das Herz hüpft im Leibe! Sie kommen immer näher. Einer der Kleineren nähert sich der Pfütze, die drei Meter vom Auto entfernt ist. Als er noch näher kommt, schließe ich vorsichtshalber das Fenster. Das leise Knacken erschreckt den Bären, er schaut mich an und läuft davon. Wie schade!
Kein Video gemacht, aber …
Mein Handy hatte nur noch 7% Akku gehabt, da ich ja den ganzen Tag fotografiert hatte. Also schoß ich nur Bilder und vergaß völlig zu filmen. Was für eine Möglichkeit hatte ich verpasst. Ich genieße die Landschaft um mich herum, die in goldenem Abendlicht erstrahlt und gehe schlafen. Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, schaue ich nach draußen - und wen sehe ich da? Die Grizzlies sind wieder da!! Sofort hole ich mein geladenes Handy zum Filmen.
Und ein Schwarzbär und Weißkopfseeadler
Auf der anderen Seite des Fjordes ist eine Lachs-Hatchery, ein Zuchtfarm, wo man auch Bären sehen könne. Wirklich - durch das Ufergras schleicht einsam ein Schwarzbär, der auf der Suche nach seiner Lieblingsnahrung ist. Zu erkennen ist er an den größeren Ohren, dem fehlenden Buckel und der kleineren Gestalt.
Außerdem befindet sich hier das Revier von mehreren Weißkopf-Seeadlern. Da ich aber kein gutes Zoom-Objektiv zum Fotografieren habe, bleiben die Nahaufnahmen unscharf. Das zweite Bild ist nicht von mir, leider.
Netz in US-Alaska
In Valdez erwerbe ich ein neue SIM-Karte für Alaska/USA. Ein eSIM soll genauso gut funktionieren. Mag sein, aber das Paket, das ich eigentlich kaufen wollte, habe ich nicht erhalten. Denn nach einigen tagen bekomme ich eine Meldung von AT&T, dass mein Hotspot.Guthaben verbraucht sei. Wie das? Ich wollte für die Arbeit an meinem iPad 25 GB haben; die habe ich niemals verbraucht! In Fairbanks wird klar: Weil ich “nur “ mit Kreditkarte bezahlt habe und nicht mit Autopay, kostete der eSIM im niedrigeren Tarif genauso viel wie die 50 GB Internet mit 25 GB Hotspot. Ändern ließ sich das nicht, trotz Hotline,… Also kaufte ich eine eigenen SIM-Karte fürs iPad. Insgesamt sind die USA Spitzenreiter bei den Preisen für Internetzugang.
Erwogen habe ich, ob ich mir eine Satelliten-Anlage wie STARLINK zulegen solle, dann hast du überall Netz, auch in den entlegensten Regionen. Die Mini-Ausführung kostet einmalig 500 $ und je nach Tarif 50 bis 100 $/Monat.
Abstecher in die Wrangel Mountais
Der einzige Zugang zu den Bergen im Wrangel National Park existiert nur, weil es vor 100 Jahren eine Kupfermine gab: die Kennecott Mines. Die Wirtschaftlichkeit so eines Unternehmens muss man sich mal vorstellen. Da findet jemand in den abgelegenen Bergen Alaskas eine Kupferader. 100 km weit von einem großen Fluss entfernt, dem sog. Copper River, der wiederum erst in 200 km bei Cordoba ins Meer mündet. In Alaska heißt das, dass die Infrastruktur für Transport und Logistik erst geschaffen werden muss. Die modernste Technik der damaligen Zeit und ein akribisches Management waren dazu in der Lage. Respekt!
Ich fahre also die 100 km Gravelroad nach McCarthy, dem Dörfchen vor der Mine. Alleine das dauert 3 Stunden, da ich auf alle Löcher im Schotter aufpassen muss. Die defekten Stoßdämpfer und gebrochenen Blattfedern von Indien und Nepal waren mir ein Lehre!
Nach Norden = dem Regen entkommen
Es regnete in den Bergen, so dass man den Gipfel des Blackburn nicht sehen konnte. Die Locals erzählen, dass das für August nicht ungewöhnlich sei. Das Regen-/schneewetter komme vom Meer her. Ich will weg von hier! Es ist nämlich ungemütlich kalt ohne Sonne. Nur die Sonne spendet Wärme tagsüber; ohne Sonne bleiben die Temperaturen einstellig. Zurück zum Richardson Highway #4, auftanken von Diesel und Wasser, einkaufen, duschen (für 6 $) unterwegs bei Kenny Lake. Nach 100 Schotter- und weiteren 150 Straßenkilometern übernachte ich hinter Paxson am Anfang des Denali HW #8 auf 1000 Höhenmetern. Prächtige Kulisse! Alleine im Vorgebirge der ALASKA RANGE mit ihren (nur) 4000ern. Über der Baumgrenze: Weite - Unberührtheit - Einsamkeit - Wildnis eben!
Rätsel: Was ist auf dem ersten kleinen Bild hinter denTaigafichten zu sehen?
Im Sonnenschein angekommen - 30. August 24
Nördlich der Alaska Range lacht die Sonne vom blauen Himmel. Nach zwei wirklich hohen Gebirgsketten haben sich die Wolken im Süden abgeregnet. Im Tal des Delta Rivers bleibe ich erst mal und muss mich erholen. Auf der Bootstour zu den Gletschern habe ich mich erkältet und die Nase läuft und läuft… Die Wärme tut so gut! Tagsüber muss ich die Fenster im Browny auf Durchzug stellen, so heiß wird es hier. Direkt hinter der “Delta Junction”, wo sich die Straße von der kanadischen Grenze mit dem Richardson HW treffen, kann man auf die Schotterbänke des Flusses fahren; leider habe ich keine Drohne, um so ein Flussbett von oben zu filmen. Aber es ist ein Netz von Armen während der normalen Jahreszeiten. Und ein Eldorado für die ATV-Fahrer; also die Menschen, die gerne mit Quads durch die Wildnis brettern.
Die Bilder zeigen die schneebedeckten Berge; der Mount Hayes ist 4200m hoch.
Im August 2024 -
wieder alleine
Nach vier Wochen im Juli zu zweit fehlt mir jetzt meine bessere Hälfte um so mehr. Die alten Prospekte und Karten von Juli werden weggeschmissen, die neue Route geplant: von Vancouver nach Prince George in der geografischen Mitte von British Columbia. Und von dort über den Alaska Highway nach Yukon in die sagenumwobenen NorthWestTerritories.
Die Mitte von British Columbia: Prince George
Es sind 800 km Fahrt bis in die Mitte der Provinz Britisch Columbia. Also an einem Tag nicht zu schaffen; mit einer mittleren Reisegeschwindigkeit von 80 km/h komme ich 400 km weit. Aus Vancouver herauszufahren ist frühmorgens gar nicht so leicht, da die Metropole auch Berufsverkehr und Staus kennt. Ich wähle schon die schnellere Strecke über den Trans Canada Highway bis Kamloops und von dort die uns bekannte Strecke, den Cariboo Highway #97 nach Norden (s. Karte). Zum Übernachten suche ich einfach einen See, der abseits der Straße liegt und eine Zufahrt besitzt; am besten Offroad (Bild)!
Price George ist der Knotenpunkt für alle Ost-West und Nord-Süd-Strecken. Von hier aus geht’s 400 km an die Pacific Coast als Sackgasse, da es von Prince Rupert nur per Schiff weitergeht! Oder man nimmt den Alaska Highway nach Norden mit Abzweig nach Alberta im Osten. Ansonsten ist in der großen Stadt mit 80 000 Einwohnern nicht viel los. Ich nutze die gute Infrastruktur zum Einkaufen und Propangas Tanken sowie das schnelle Internet zum Schreiben dieser Website.
Immer wieder komme ich durch Gebiete, in denen Waldbrände gewütet haben. Im Tal am Fluss glänzt das satte Grün, an den Berghängen ragen die verkohlten Bäume in den Himmel. Im Jasper NP, den wir noch vor 2 Wochen besucht hatte, hat ein Feuer einen Teil der Stadt verwüstet! Und der Park bis zum September geschlossen! Eine Tragödie für die Menschen, die vom Tourismus leben.
Bei der Abzweigung vom HW 5 nach Cache Creek entdecke ich einen See, der so künstlich aussieht. In der Tat gibt es hier eine Kupfermine, die das Wasser verbraucht und wieder recycelt: Jetzt sieht es türkisfarben wie in der Karibik aus. Baden würde ich nicht drin.
Bären am Steward-/Cassiar-Highway!
Zum ersten Mal nach drei Monaten in Kanada probiere ich, meine Propangasflasche auffüllen zu lassen. In PG, so nennen die Leute in Prince George ihre Stadt, kann man an vielen Tankstellen einfach Gas tanken. Ich hatte extra einen Adapter in Deutschland erworben, damit man eine europäische Flasche an die amerikanischen Füll-Stutzen anschließen kann. Es funktioniert!
Nun gibt es eine Stelle in Northwest BC, wo es mit Sicherheit Bären zu sehen gibt: In der Nähe von Steward in den Coastal Mountains gibt es einen langen Fjord, den die Lachse bis in den Fluss ihrer Geburt hinaufziehen. Und dort warten die Bären auf sie! Jetzt ist gerade die richtige Zeit; von Ende Juli bis in den September hinein treibt es die großen Chum Salmons (Keta-Lachse) zum Laichen hierher. Also nichts wie hin.
Der Weg ist aber gute 700 km lang! Und er führt an vielen schönen Orten und Landschaften vorbei, von denen ich nur die Highlights vorstellen kann. Also der beste Stellplatz ist bei Hazelton, wo der Bulkley in den Skeena River mündet. Ein wilder Campgroud, vor allem von Locals besucht zum Angeln von Sockeye Salmons, die knallrot werden, wenn sie ins Süßwasser ziehen. Seit Urzeiten haben die KSAN-First Nations hier ihre Heimat und zu besichtigen sind ihre Totems, die Holzpfähle mit Tiergestalten. Sie stehen in ihren Dörfern, wo sie vor über 100 Jahren geschnitzt wurden.
Das große Fressen: Hyder in Alaska
Am 15. August geht’s auf “Bärenjagd”. Die 250 km hinter Hazelton sind in 5 Stunden bewältigt; durch die Coastal Mountains hindurch, vorbei an Gletschern bis zur Grenze nach Alaska. Hier kontrolliert kein Polizist die US-Grenze! Das ist einmalig! Acht Kilometer hinter der Grenze liegt der “Fish Creek View Point” (Permit vorher erwerben). Von hier aus lassen sich die Bären beim Lachsfangen zuschauen. Morgens und Abends sind immer welche zu beobachten. Dann ziehen sie durch das Kiesbett des Creeks, was ja Bach und nicht Fluss heißt, und können die im flachen Wasser zappelnden Lachse ganz leicht mit der Schnauze packen. Am Ufer werden die armen Tiere verspeist. Ein Grizzly vertilgt täglich bis zu 6 großen Chums, die nach den Königslachsen zu den größten ihrer Art zählen und bis zu 12 kg schwer werden können. Klar, die Bären brauchen ihr Futter, um sich den Winterspeck anzufressen, von dem sie in der langen Zeit ihres Winterschlafes zehren müssen.
Wie im Kolosseum in Rom
Drei Tage bin ich in Hyder und verfolge morgens und abends das Spektakel. Es kommen immer neue Touristen, die die Bären filmen und fotografieren wollen. Mit der Zeit bekomme ich genug davon, da die Bären keine großen Fangkünste zeigen müssen. Die Lachse warten nach dem Laichen und Befruchten der Eier auf ihren Tod. Sie schwimmen nicht wieder ins offenen Meer zurück. Insofern ist es sinnvoll, dass Bären die Lachse fressen. Aber ich fühle mich wie im alten Rom, wo die Gladiatoren im Kolosseum gegeneinander antraten und die Masse ihre Freude an dem gegenseitigen Abschlachten hatte. Hier am Fish Creek stehen die Opfer von vornherein fest; und es tut mir schon weh zu sehen, wie diese starken und schönen Tiere bei lebendigen Leibe gefressen werden… Kein Vorwurf an die Bären! Ich selber wollte sie ja unbedingt sehen.
Auf einer Schotterpiste kann man noch bis zum 30 km entfernten “Salomon Glacier” fahren, was eine willkommene Abwechslung ist. Wie ein Strom mäandert dieses “flüssige” Eis von den Schneebergen ins Tal; schöne Querspalten und Längsrisse zeugen von der Härte und Sprödigkeit des festen Wassers. Eine Nacht verbringe ich hier oben.
Es wird immer einsamer nach Norden hin
Zurück aus Alaskas südlichen Gefilden in BC bewege ich mich auf dem Cassiar Highway #37 nach Norden. Die ca. 700 km teile ich so ein, dass ich nicht den ganzem Tag fahre, sondern schaue, wo sich schöne Plätze finden. Einmal ganz allein am Iskut River. Die Brücke ist gesperrt, doch am frühen morgen steige ich aus dem Wagen und höre es trampeln auf den Holzplanken. Zuerst denke ich an Cariboos, doch dann sehe ich das Hinterteil eines Bären, der erschrocken das Weite sucht. Spaziergänge allein sind in dieser Wildnis nicht ganz ohne. Man weiß nie, wie hungrig ein Bär ist oder ob eine Bärenmuttter ihre Kinder verteidigen will … Bärenspray hin oder her.
Nächster Stop am Dease Lake, wo ich bei 25° C das erste Mal baden gehe! Es ist herrlich hier - und die nächsten drei Bilder können nur eine schwache Ahnung von den Stimmungen zu unterschiedlichen Tageszeiten wiedergeben:
BOYA-LAKE - türkis wie in der Karibik
120 km vor Watson Lake, der ersten Stadt in der Provinz Yukon, liegt das Kleinod in den Tälern zwischen den Cassiar Mountains verborgen. Das Wasser ist so sauber, der Boden so rein weiß, dass der Boya Lake türkisfarben erglänzt. Hier gibt es einen Provincial Parc mit guter Infrastruktur. Ich leihe mir ein Kajak aus und steure durch die unzähligen Buchten und Inseln im See.
Yukon -
“Larger than Life”
Das treffende Motto von Yukon:“Larger than Life”
Direkt hinter der Grenze zwischen BC und Yukon liegt das Städtchen Watson Lake - direkt am “Alaska Highway”, der hier die Nummer #1 trägt. Knapp 1000 km beträgt die Strecke von hier bis zur Grenze nach Alaska. Die Dimensionen werden mir erst im Laufe der dreitägigen Fahrt klar. Die Weite der Landschaft wird hier in Yukon erst richtig sichtbar! Vorher in BC schnüren die Bergketten den freien Blick ein; das Erleben von Natur ist ist nah und präsent. Doch die endlose Weite bis zum Horizont fehlt auf dem Steward-Cassiar- HW #37. Die Taiga, der boreal Nadelwald, beginnt die Erdoberfläche zu bedecken: in der Ebene, im welligen Gelände und bis zu den Bergen hinauf! Wie ein dunkelgrüner Teppich breiten sich die Schwarzfichten aus wie bei uns das Gras. Der Vergleich ist passt, weil die Nadelbäume wie einzelne Stecken wirken, unten sind sie so breit wie oben. Das hatte mich anfangs verwirrt: Warum wachsen die Bäume hier so merkwürdig? Später mehr… Die Natur ist größer als das menschliche Leben, sie ist machtvoll in Erscheinung und Wirkung. Wieviele Menschen in ganz Yukon leben? 40 000! Davon allein 30 000 in der Hauptstadt Whitehorse. Die Fläche von Deutschland beträgt 350 000 qkm, die von Yukon 480 000 qkm! Alles klar!
Der “Sign Post Forest” am #1
Ich hatte von dem Schilderwald in Watson Lake gelesen und von deutschen Overlandern gehört, dass es eine 75-jährige Tradition gäbe, sich am Alaska Highway zu verewigen: Ich war hier, aus dieser Stadt von jenem Land. Was ich zu sehen bekomme, übersteigt alle Erwartungen. Die Pfosten sind wirklich zu einem riesigen Wald angewachsen, in Reihen, Ringen, innen und außen mit Schildern bestückt aus aller Welt. Natürlich sind die Schilder der deutschen Reisenden unübersehbar: mit den großen gelben Stadtschildern fallen sie sofort auf. Es ist eine nette Geste, so zu dokumentieren, wer alles unterwegs war.
Whitehorse und der Goldrush 1898
Die erste Nacht in Yukon verbringe ich nach erhebenden 280 Kilometern am Teslin Lake, fahre um 7.30 h im Regen die 150 km bis Whitehorse, wo es leider durchgehend weiter regnet. Hier kaufe ich ein, tanke und bereite mich auf die restlichen 500 km bis Alaska vor. Das Highlight in Whitehorse ist die Schifffahrt auf dem Yukon! Sie hat die Stadt überhaupt vor 125 Jahren groß gemacht. Im Norden von Yukon bei Dawson City wurde Gold im Rabbit Creek gefunden. Und natürlich wollten 100 000 Menschen reich und glücklich werden ! - Und machten sich auf den Weg in den Norden. Der “Yukon Goldrush” von 1898! Wie beschwerlich der Fußmarsch von der Küste aus war, ist eine andere Geschichte; wer am Yukonriver ankam, konnte mit einem Boot versuchen, die nächsten 500 km durch die Wildnis zu fahren. So entwickelte sich Whitehorse (benannt nach den Stromschnellen, die wie weiße Pferdemähnen aussahen) zum Ausgangspunkt der Yukon-Schifffahrt. Die große Errungenschaft war der KLONDIKE-Schaufelraddampfer, der heute noch zu besichtigen ist. Der “Sternwheeler” verschlang alle 15 min. mehr als einen Kubikmeter Holz! Soviel Holz konnte gar nicht mitgenommen werden, wie verbrannt wurde; also musste immer wieder am Ufer angehalten und nachgeladen werden.
Vor 120 Jahren war Dawson City mit 30000 Menschen die größte Stadt nördlich von Vancouver!
Am höchsten Berg Kanadas vorbei: dem Mount Logan 5959m
Hinter Whitehorse führt der Alaska Highway noch 500 km weiter bis zur kanadischen Grenze bei Beaver Creek. Die landschaftlich schöne Strecke am Rande des “KLUANE National Parks” bleibt leider von Wolken verhangen. Den höchsten Berg kann man vom Tal aus nicht sehen, aber das Massiv der “St. Elias Mountains” sehr wohl. Der Kluane Lake bietet sich zum Übernachten an; ich mag keine offiziellen Campgrounds, auch wenn diese nur 20 $ kosten, denn ich stehe immer mit anderen RVs zusammen und oft nicht mit Aussicht auf die Umgebung. Und die ist ja das großartige hier. Hinter Burwash Landing gibts eine Stichstraße ans Ufer. Hier stehe ich alleine direkt am Ufer inmitten einer gewaltigen, beeindruckenden Szenerie. Dunkle Wolken hängen in den Bergen, abends reißt es auf, die Sonne strahlt durch - wie in einem Gemälde!