Port Klang
Es ist der 21. September 2023 also Tag- und Nachtgleiche auf der Erde. Ich stehe mit Browny auf dem Gelände einer Landrover-Werkstatt zwischen Kuala Lumpur und dem Hafen der Hauptstadt Port Klang. Von hier geht meine Reise per Schiff weiter. Denn Malaysia ist eine Sackgasse fürs Autofahren. Die Straße von Malakka im Südwesten und der Golf von Thailand im Osten umspülen die Halbinsel.
Roll-on-Roll-off oder doch Container?
Seit drei Wochen habe ich die Agentur Overlander-Shipping in Hamburg beauftragt, mit der japanischen Reederei K-Line zu klären, wann ich mit dem Auto in Port Klang auf ein Schiff fahren kann. Diese Linie verschifft neue Autos von Japan nach Europa. Da es viel zu umständlich wäre, alle neuen Autos in Container zu verpacken, besitzen die RoRo-Schiffe bis zu 8 Decks, auf die die Auto gefahren werden können. Wie bei den Fähren, die wir in Europa kennen, nur um ein Vielfaches größer! Doch seit drei Wochen habe ich noch keine Auftragsbestätigung, also keine Booking confirmation.
Nun treffe ich hier auf dem Landrover-Spot ein deutsches Paar aus Heilbronn, die ihren Landrover auch verschiffen wollen. Da bietet es sich an, beide Autos in einen 40 Fuß- Highcube-Container zu packen, da dieser günstiger ist als zwei 20 Fuß-Container. Also warten wir nun auf die Buchungsbestätigung der Reederei ONE-Line. Und das scheint auch zu dauern…
Malaysia
Wie einfach ist die Grenze nach Malaysia zu überqueren. Wenn das doch überall in Fernost so wäre. Die Zollabwicklung mit dem Carnet de Passage vollzieht sich in zehn Minuten! Das ist absoluter Rekord! Und am Immigration Office gibt’s den Einreisestempel für drei Monate.
Georgetown und Penang
Der erste touristische Hotspot in Malaysia ist Georgtown auf der Insel Pennang an der Wesrküste. Sie ist mit einer 10 km langen Brücke mit dem Festland verbunden. Bereits von ihr lässt sich die Skyline von Georgtown bewundern: die vielen Hochhäuser am Strand. Vor dem dunklen Himmel strahlen die weißen Fassaden. Und beim durch Durchfahren der Stadt komme ich mir vor wie in Klein-Bangkok mit seiner Stadtautobahn, dem modernen westlichen Gesicht und den vielen Staus im Zentrum.
Der andere Teil ist Insel ist zum Glück grün bewaldet bzw. bepflanzt und mit langen Stränden gesegnet. Aber der Tourismus zeigt sich von seiner häßlichen Seite, denn die Hotels wachsen als Hochhäuser in den Himmel und verunzieren die Strände, vor allem im Norden der Insel. Ich weiß nicht wieviele Menschenmassen hier zu Stoßzeiten unterkommen können. Da lobe ich mir den thailändischen Brauch, kleine Bungalows in den Urwald zu bauen, die von Ferne unsichtbar bleiben und die Natürlichkeit der Küste bewahren.
Das britische Erbe prägt Malaysia bis heute
Schlagartig wird mir auf Penang klar, dass die prägende Geschichte von Malaysia mit der Kolonialisierung der Westküste beginnt. Waren hier seit dem Mittelalter die indischen und chinesischen Einflüsse maßgebend gewesen, so brachte die Neuzeit zuerst die Portugiesen, dann die Holländer und zum Schluss die Briten hierher. Aber immer stand der Handel im Vordergrund. Die reichen Zinnvorkommen bei Ipoh und Taipeng wurden im 19. Jahrhundert geplündert und Kautschukplantagen wurden angelegt für den Export nach Hause, wo Dunlop die Reifenindustrie mit dem billigen „Rubber“ anwarf. Hunderttausende von Arbeitern wurden gebraucht, auch in den Teeplantagen der Cameron Hills. Und sie kamen natürlich aus dem Britisch Empire, in diesem Fall von der indischen Ostküste aus Tamil Nadu.
In den Innenstädten von Malaysia sieht man die Townhalls, die Bahnhöfe und Uhrtürme in klassizistischem Stil des 19. Jahrhunderts erbaut. Und ich verstehe natürlich, dass die Briten auf der einen Seite westliche Verwaltung hierher gebracht hatten, um ihre Kronkolonien aufzubauen. Aber auf der anderen Seite diente diese „Errungenschaft“ der effizienteren Ausbeutung der Halbinsel!
Die alte Townhall von Taipeng dient heute als Museum. Der europäische Stil prägt die Architektur.
Die historische Cityhall in Georgetown sieht durchaus schön aus, aber der Stil passt nicht zu den Menschen von Malaysia.
Das Fort Cornwallis, das die Engländer hier 1786 erbaut hatten, um ihren Einfluss an der Küste zu sichern. Damit wurde der Grundstein für das heutige Georgetown mit seinem westlichen Gesicht gelegt.
Diese Bronzekanone stammt allerdings von den Holländern. Die Inschrift trägt den Namen „Burgerhuis me fecit 1603“.
Multikulturalität heißt Respekt und Toleranz üben
Malaysia ist ein mustergültiges Beispiel für gelebte Interkulturalität. Die Chinesen sind schon lange auf der Halbinsel sesshaft geworden und gründeten hier ihre Chinatowns. Sie blieben und bleiben gerne unter sich, sprechen Mandarin, haben ihre eigenen Tempel und Religion/Philosophie (Konfuzius/Taoismus). Seit der Kolonialisierung im 19. Jahrhundert durch die Briten bringen es die indischen Einwanderer auf etwa 20% der Bevölkerung Malaysias. Und mit ihnen kamen die hinduistischen Tempel ins Land. Auch die Orang-Asli als indigene Bevölkerungsgruppe ist vertreten (Orang heißt Mensch). Die größte Gruppe bilden die Muslime mit 70% der 33 Millionen Einwohner des heutigen Staates (ohne Ostmalaysia auf Borneo). Sie dominieren Kultur und Staatswesen, aber offiziell ist Malaysia ein multiethnisches Land! In Georgetown gibt es in einer Straße einen chinesischen neben einem hinduistischen Tempel und 100 m davon entfernt eine Moschee und eine Kirche!
Die typisch nach oben gebogenen Dächer der buddhistisch-chinesischen Tempel. Hier kann jeder herkommen und beten.
Die Räucherstäbchen werden in Mengen entzündet und brennen vor dem Tempel. Den Duft riecht man schon von Weitem.
Das ist die Moschee in der Straße. Der Islam hier ist allerdings viel konservativer als in Pakistan und Indien. So muss das Kopftuch der Frauen Haare und Hals komplett verhüllen.
Die bunten Figuren von Göttern und Göttinnen zieren das Dach des Hindutempels.
Ban Pecah
Auf der Suche nach einem einsamen Strand fliehe ich von Penang und Georgetown aufs Festland und lande an der Küste von Ban Pecah. Dieses Städtchen zeigt im Brennglas das heutige Malaysia: Es leben die verschiedenen Bevölkerungsgruppen friedlich nebeneinander, die Chinesesischstämmigen in ihren Chinatowns, die indigenen Gruppen als Fischer in ihren Hütten, die islamische Mehrheit als Händler, Verkäufer und Unternehmer in zum Teil vornehmen Häusern.
Syed und seine Küste
Am ersten Abend esse ich Mee Udong in einem Restaurant, das heißt Nudeln mit Krabben. Da setzt sich Syed neben mich und meint, er könne mir morgen die schöne Küste von Ban Pecah zeigen. Sie sei touristisch nicht erschlossen, aber er würde gerne Werbung für die Natur machen: die Vögel in den Mangrovenwäldern, die Krokodile in den Buchten, die Fireflies (Johannikäfer) nachts am Fluss oder die Ölpalmen-Plantagen,… Aber auch die Fischerdörfer seien interessant zu besichtigen. Sein Plan: Er zeigt mir alles, fotografiert mich dort und möchte Werbung damit machen dürfen. Eine typische Win-Win-Situatuion. Denn so komme ich an Orte, die ich alleine nie finden würde.
Umwelt-Bewusstsein schulen
Am nächsten Tag treffen Hunderte von Schüler*innen am Strand ein. Syed hatte sich dafür eingesetzt, dass die lokale Sekundarschule an einem Tag im Jahr (nach dem Nationalfeiertag, der die Unabhängigkeit vom Britischen Empire 1957 ins kollektive Gedächtnis bindet) den Strand von Ban Pecah säubert. Es gibt keine bessere Schulung des Umweltbewusstseins als Kindern zu neigen, wieviel Müll überall herumliegt und welche Mühe es macht ihn wieder zu entfernen. Ich komme mit Lehrer*innen und Schüler*innen an diesem Vormittag in interessante Gespräche.
Orang-Utan-Island
Am Nachmittag machen wir einen Ausflug zu dem einzigen Oran-Utan-Rescue centre in Westmalaysia. Hier leben 25 Orangs frei auf der Insel, können aber von Menschen beobachtet werden.
Abschiedskonzert
Der Sänger aus KL
Ein alter Bekannter von Syed kommt nach Ban Pecah und tritt abends auf der Bühne auf.
Malaysian Rock
Seine Musik ist so populär, dass das Publikum mitsingt - natürlich in malaysischer Sprache, nicht in Englisch!
Cameron Hills
Das nächste Highlight wartet in den Bergen Malaysias, den Cameron Hills, hier haben bereits die Briten auf 1500 m Höhe Urlaub gemacht, um sich von dem tropischen Klima zu erholen. Die Temperaturen sinken nachts auf 14 Grad ab, so dass ich hoffe, wieder im Auto schlafen zu können. Auf dem Weg von der Küste in die Berge kommen wir an den Städten Taipeng und Ipoh vorbei. Hier war das Eldorado der Zinngewinnung.
Der Bahnhof von Ipoh mit dem Ipoh-tree davor, der der Stadt den Namen gegeben hat. Aus seinem Saft wurde das Gift für die Jagdpfeile der Oran Asli gewonnen.
Der Uhrturm von Ipoh. Warum die Briten immer Uhrtürme gebaut haben? Um der Pünktlichkeit Willen? Oder als kleinen Bruder von Big Ben?
Teeplantagen und Dschungel-Trails
Es herrscht Stau auf der einzigen Straße in die Cameron Hills, da die Großstädter von Kuala Lumpur hier am Wochenende herkommen. Eigentlich kann man nur von Montag bis Mittwoch entspannt fahren und Hotels buchen, da die Ostküste bereits am Freitag und Samstag Wochenende hat. Die Berge sind übersäht mit Folientunneln der Gartenbaubetriebe. Es sieht einfach alles nur künstlich aus. Es gibt aber auch Teeplantagen hier, die das Auge erfreuen. Und man findet einsame Dschungel-Trails, auf denen man sich durch den Jahrtausende alten Urwald bewegen kann. Das war meine schönste Erfahrung hier oben!
Nach Kuala Lumpur
Das Ende des Landwegs nähert sich, da Malaysia von Meer umgeben ist und man Singapur nicht mit dem Auto besuchen kann. Also fahre ich nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt, und suche nach einem Schiff, mit dem die Reise weitergehen kann…
Krabi-Thailand
Hier ist der eigentliche Höhepunkt der Traumstrände Thailands, wenn man die Inseln in der Bucht dazuzählt. Vom Festland aus starten die Longtail-Boote zu den Stränden und bieten die Motorjachten verschiedene Tagestouren zu den Inseln an. In jedem Fall ist die Landschaft einmalig! Wie gigantische Köpfe ragen die Kalkfelsen über hundert Meter hoch senkrecht aus dem Wasser. Diese Kombination von waagerechtem Horizont und vertikalem Gebirge ist einmalig! An manchen Stränden gibt’s sogar Möglichkeiten zum Klettern.
Ray Leh Beach
Am Morgen bringt mich ein Longtailboot zu den Stränden vor dem Ort Ban Ao Nang. Der Name rührt von den langen Stangen, die Schraube möglichst weit weg vom Automotor positionieren, um gleichzeitig damit lenken zu können. Es gibt natürlich am Ray Leh Beach mehr als ein Dutzend Hotels und Resorts, die alle von Booten versorgt werden müssen. An dem langen Strand verteilen sich die Touristen , so dass der Natureindruck überwiegt. Wie gesagt, der ist imposant! Geht man noch zum Hat Phra Nang Beach, steigert sich die Kulisse noch: Von den senkrechten und überhängenden Felsen tropft ständig Wasser von oben herunter, das gelösten Kalk mit sich führt. Es entstehen wie in Trofsteinhöhlen Stalagtiten und zarte Vorhänge aus Stein! Nur eben Open air. Nun kann man in die Buchten schwimmen und sich die Pracht von unten aus am Rücken liegend anschauen. Du kannst hierbei Tag über bleiben, bis dich das Boot wieder zurück a den Festlandsstrand Ao Nang bringt, wo viele Restaurant mit gutem Essen auf dich warten. Für 16 € übernachte ich im Ao Nang ColorShare Hotel, auf dessen Dachterasse ein Pool ist. Den Sonnenuntergang von hier aus zu erleben, ist erhebend.
Thailands Süden
Es sind von Bangkok noch 1000 km bis zu den südlichen Provinzen Thailands. Aber diese schmale Landzunge besteht aus einem zum Teil nur 12 km breiten Streifen Land, der eingeklemmt ist zwischen Myanmar und dem Golf von Thailand. Und an der Landesgrenze zu Malaysia trennen uns nur noch 6 Breitengrade vom Äquator!
Die Namen der Inseln klingen jedem Thailandfan wie Musik in den Ohren: Phuket, James-Bond-Island, Ko Samui, Ko Tau, …
In der Bucht von Phang Nga: die James-Bond-Insel
Diese Bilder von den senkrecht im Meer stehenden Inseln hat wohl jeder schon einmal gesehen. Und ich konnte den Anblick am 4. September life genießen. Zwar bei regnerischem Wetter, aber das verstärkte den Eindruck, dass hier die Köpfe von Ungetümen aus dem Wasser ragen. Bei den tiefhängenden Wolken und den grauen Silhouetten hat die Szenerie etwas Gespenstisches. Die Bilder sind am Samet Nangshe Viewpoint entstanden.
Die Küste am Golf von Thailand - die Ostseite
Bereits die Königsfamile hat hier vor 100 Jahren ihren Badeurlaub verbracht. Entsprechend viele Strandbäder gibt es hier. Allerdings sieht dieser 1000 km lange Küstenabschnitt in erster Linie bei Flut schön aus und läd zum Baden und Schwimmen ein. Als ich nach 200 km im Dorf Kui Buri/ Provinz Prachuab halte, bemerke ich schnell, dass es hier einen Riesenunterschied zwischen Ebbe und Flut gibt wie im Wattenmeer an der Nordsee. Bei Ebbe versinke ich im Schlick bis zu den Knien! Und das Wasser ist jetzt Ende August 30 Grad heiß! Keine echte Abkühlung. Dafür bin ich hier alleine und habe den langen Strand für mich. Die kleinen Hütten in den Resorts sind für jeden Geldbeutel erschwinglich, so zahle ich im „Little Home Beach“ 8,- €/Nacht - mit AC, was überlebenswichtig ist, da es im Auto noch 35 Grad um 21 Uhr hat.
Die Adamanenküste im Westen - PHUKET
Noch 600 km bis nach Phuket, dem berühmten Urlauber-Hotspot an der Westküste Thailands. Es gibt dort einen Flughafen, der direkt von Frankfurt aus angeflogen wird - also wie Bangkok. Deshalb bin ich sehr gespannt, was mich dort erwarten wird. Sogar eine klitzekleine Waldorfschule gibt es dort, aber eher für die Expat-families als für die Thais. Nun regnet es auf Phuket zwei Tage lang , so dass an Strandbesuche mit Schwimmen nicht zu denken ist. Aber so richtig Lust hätte ich auch bei schönstem Wetter nicht verspürt, da die Insel völlig verkommerzialisiert ist. Will sagen, jeder schöne Sandstrand hat über100 mehr oder weniger teure Hotelanlagen im Hintergrund, dazu die Bars, Massagesalons, Cannabis-Shops und Einkaufszentren für Schicki-Micki-Touristen. Das ist nun so völlig anders als auf den Inseln, die wir im Juli im Nordosten kennengelernt hatten. Ich lobe mir im Anblick von Kata-, Karon- oder Patongbeach die einsamen weißen Strände von Ko Kood. Um es auf den Punkt zu bringen: Phuket ist das Mallorca von Thailand. Wer hier feiern und sich amüsieren will, der wird sich hier glücklich fühlen - ich mich nicht. Ein Highlight ist die riesige Buddha-Statue in der Mitte der 50 km langen und damit größten Insel Thailands. Von hier aus sieht man die Buchten im Westen wir im Osten.
Neue Felgen in Bangkok
Stahlfelgen gehen ja nicht so schnell kaputt. Wieso also neue Felgen? Eigentlich brauche ich vier ganz alte Felgen, um in den Container zu fahren, der mich in einen anderen Erdteil bringen soll. Genauer gesagt suche ich einen 20 Fuß High Cube Container, der 269 cm hoch ist. Mein Browny hat eine Höhe von 273 cm. Es ist aber nicht mit Luftablassen getan, denn die Türhöhe des Containers beträgt nur 258 cm, also muss ich mehr als 15 cm tiefer kommen. Und das funktioniert nur, wenn ich nicht auf den Reifen, sondern nur auf den Felgen in den Container klettere!
Bangkoks 8- plus 4-spurige Stadtautobahnen
Diesen kleinen Hinweis möchte ich als leidgeprüfter Benutzer der A 40, der Lebensader des Ruhrgebietes, geben: In Deutschland freut man sich schon über den sechsspurigen Ausbau einer (Stadt-) Autobahn. Hier in Bangkok sind acht Spuren das Minimum, meistens kommen noch die zweispurigen Serviceroads hinzu, die auf jeder Seite parallel zur Autobahn verlaufen und das Ab- und Auffahren erleichtern. Der große Knüller aber sind die vierspurigen Skyways auf Pfeilern. Damit wird die Durchquerung von einer Seite der Stadt über 50 km zur anderen zur Erholung! Selbst wenn das natürlich übertrieben ist, so bleibt die Tatsache unumstößlich, dass in der 10 Millionen-Metropole 12 bis 16-spurige Autobahnen den Verkehr flüssig halten. Und wie ist das in Deutschland?
In vielen Dingen leben wir wie in einem Entwicklungsland, auch was die Digitalisierung angeht. Hier habe ich in den Bergen, den Naturparks, auf den Inseln, in der „Ebene der Millionen Reisfelder“ (Lanna-Gebiet im Norden) bestes Internet für kleines Geld - oft in 5 G-Geschwindigkeit!
Eravan Nationalpark bei Kanchanaburi
In der großen Ebene Zentralthailands ist es tagsüber sehr heiß, wenn nicht der Regen gerade Abkühlung bringt. Wenn ich mit Browny den ganzen Tag auf dem Asian Highway 2 nach Süden fahre, heizt sich die Kabine auf über 40 Grad extrem auf. Ich muss in die Berge, die sich im Westen als Grenzgebiet zu Myanmar auftürmen. Hier liegen auch mehrere Nationalparks mit Seen und Wasserfällen.
Der Sinakharin Stausee und das Taakradan Valley Resort
Der Anblick der Landschaft hier oben weitet die Seele; ein leichter Wind weht, die Berge laden zum Träumen ein, wie es wohl im für Touristen gesperrten Myanmar aussieht. Die immergrünen Wälder bilden den Dschungel, durch den man ohne Machete nicht laufen kann. Dass hier oben der Tourismus boomt, sieht man an den vielen Hausbooten, die zum Vermieten in Ufernähe warten. Jetzt ist in der Nebensaison nichts los. Aber ich will nicht auf einem doch relativ teuren Rafting House übernachten, sondern suche ein günstiges Hotel in Strandnähe. Aber da muss ich lange suchen, denn hier kosten die Edelhotels bis zu 200,- € pro Nacht. Die Gegend liegt nur 200 km von Bangkok entfernt und so gönnen sich die reichen Thais schon mal eine Auszeit hier oben… Zum Glück gibt es Google Maps mit der Hotel-Suchfunktion und spuckt auch Preise aus. Das Taakradan Valley Resort kann ich sehr empfehlen. Für 17 € übernachte ich in einem schönen Bungalow mit AC (!) und wandere in den Abendstunden am Ufer entlang.
Chiang Rai & Mai
Dass der Norden zum Staat Thailand gehört, ist erst 200 Jahre lang her. Ursprünglich gab es hier das Königreich Lan Na, dessen Hauptstadt Chiang Mai im 13. Jahrhundert gegründet wurde. Die Kultur war mehr südchinesisch/birmanisch geprägt als siamesisch.
Thailand - welch ein Unterschied zu Laos!
Der erste Lan Na (Land der Millionen Reisfelder)-König Mengrai gründete 1262 Chiang Rai. Ich bleibe hier zwei Nächte, um den gewaltigen Unterschied zwischen Laos und Thailand zu verarbeiten. Habe ich doch gerade Laos als ärmliches Land verlassen, was man an dem katastrophalen Zustand der Straßen bis in die Knochen spürt. Auch die meisten Menschen außerhalb der Hauptstadt Vientiane leben in den Bergen wie vor 1000 Jahren von den Erträgen der roten Erde und wohnen in ihren Einraum-Holzhütten. Auf der Straße spielen die Kinder mit einfachsten Spielzeugen: selbstgebastelten Rädern mit Stange und Ähnlichem.
Nach der Grenze in Chiang Khong - hier muss ich wieder links fahren - empfängt mich ein vierspurige Autobahn. Ich kann es nicht fassen! Die 100 km Strecke in die Provinzhauptstadt Chinag Rai lege ich in knapp anderthalb Stunden zurück. Mein Browny fährt nur 80 km/h, weil er dann am wenigsten Sprit verbraucht. Und in einem supermodernen Einkaufszentrum (vergleichbar dem CentrO Oberhausen) kaufe ich mir ein neues Guthaben für meine SIM-Karte. Und wir sind 800 km von Bangkok entfernt in einer Grenzregion!
Der Weiße Tempel in Chiang Rai
Einer der Höhepunkte in Chiang Rai ist der Besuch des Weißen Tempels. Er ist 25 Jahre alt und modern gebaut, d.h. mit einer eigenen Formensprache für den Buddhismus im 21. Jahrhundert. Der Künstler Chalermchai Kositpipat hat seine ganze Energie aufgewendet, um die aktuellen Themen und Bilder der Welt einzubeziehen: die flehenden Hände vor dem Eingang, die Brücke übers Wasser als Schwellenübertritt in eine andere Welt und die Bilder im Innern des Tempels, die man nicht fotografieren darf, zeigen nicht das Leben Buddhas wie in den klassischen Tempeln. Sie zeigen das heutige Ringen um Erlösung: Superman, Elvis, Neo aus The Matrix, … Die Botschaft bleibt aber eindeutig Buddhistisch. Nur wer der Welt entsagt und seine Bedürfnisse als Quelle allen Leidens erkennt, kann sich aus dem Samsara, dem Rad der Wiedergeburten, befreien. Was aus der Welt wird, bleibt unbeantwortet. Der spirituelle Urgrund der Welt kann so nicht erkannt werden. Aber nur das Verständnis unseres Planeten als Lebewesen und Organismus wird den nicht religiösen Menschen dazu bringen können, ihn zu achten, wertzuschätzen und zu lieben.
Es gibt Campingplätze in Thailand
Auf der Fahrt nach Chiang Mai, der zweitgrößten Stadt in Thailand, überquere ich Naturschutzgebiete in den Bergketten. Und siehe da, ich finde am Abend einen Übernachtungsplatz, der als „Camperground“ ausgewiesen ist. Allerdings bin ich der einzige Gast hier. Da es leider wieder in der Nacht hereinregnet, muss ich nächsten Morgen das Dach von Neuem abdichten. Die eigentlich Ursache, ein Riss zwischen Dach und Alkoven, liegt unter der Multiplexplatte, die ich zur Stabilisierung aufs Dach geklebt hatte. Also hilft im Zweifelsfall nur, dass ich mich schräg stelle, d.h. die Vorderräder müssen höher stehen als die Hinterreifen. Dann fließt das Wasser nach hinten ab - und nicht unter Platte in die Wagenmitte…
Expats in Chiang Mai und meine Klimaerfahrungen
Im Dutch Guesthouse quartiere ich mich für drei Tage ein, um die Perle des Nordens zu erkunden. Und wirklich, Herbert spricht fließend deutsch und erzählt, dass gut 2000 Holländer dauerhaft hier leben und mindestens ebensoviele Menschen aus Deutschland und den anderen europäischenLändern. Das Wohnen sei hier im Norden viel angenehmer als in Pattaya, der anderen Kolonie von Expats (also Ausgewanderten) im Süden an der Küste bei Bangkok.
Im Winterhalbjahr fühlt sich das Klima in Thailand für uns angenehm an, weshalb die beste Reisezeit von Oktober bis Februar/März geht. Dann wird es es sehr heiß bis 45 Grad, bevor die Regenzeit ab Juni/Juli bis September zwar eine gewisse Abkühlung, aber auch tägliche Gewitter und schwül-warme Atmosphäre bringt. Davon kann ich ein Lied singen! Im Auto zu schlafen, ist oft unmöglich, da ich über keine Aircondition verfüge. Da die Kabine tagsüber so aufgeheizt wird, kühlt sie nur langsam ab und macht das Schlafen bei 28 Grad unerträglich bis unmöglich. Das ist auch der Grund, warum ich für 10 bis 15 Euro lieber in einem Hotel mit Klimaanlage übernachte. Nur in den Bergen ab 1000 m gibts weniger tropische Nächte und wunderschöne Stellplätze mit Aussicht.
Seit neun Monaten wieder Schweinebraten mit Rotkraut und Kartoffelpüree! Ein deutscher Koch ist ausgewandert und hat ein Restaurant in Chiang Mai eröffnet mit dem Namen „Auf der Au“. Täglich kann man sich an einem typisch deutschen Büffet für 7,50 € satt essen, es gibt Schnitzel, Bratwurst, Wirsing-Rouladen … Und zum Nachtisch gibt es 10 Kuchensorten wie Käsekuchen und Schwarzwälder-Kirsch-Torte, Pudding, Gebäck wie Vanillekipferln und vieles mehr. An diesem Abend habe ich mich wie zu Hause gefühlt und maßlos zugeschlagen. Aber die meisten Gäste sind Thais. Und der Laden brummt! Die deutsche Küche scheint dem thailändischen Gaumen zu munden: ein Exportschlager.
Im Wat Phra Singh, dem bedeutenden Lanna-Tempel der Stadt, beten, singen und meditieren Mönche. Am Abend kommen viele Menschen mit hinzu und vollziehen dieses Ritual des Singens von Mantren gemeinsam. Die Sprache im Therevada-Buddhismus ist Pali, eine uralte Sprache, in der wohl auch Buddha gepredigt hat, und die sich aus dem Sanskrit entwickelt hat.
Stimmungsvoller Sonnenuntergang am Wat Chedi Luang gegen 18.40 h.
Hier im Süden geht die Sonne gegen 6 Uhr auf und ist im August nur 13 Stunden am Himmel zu sehen. Maximal sind es im Juni 14 Stunden, dafür zur Wintersonnenwende aber immerhin 10 Stunden. Das Jahr nimmt zum Äquator hin immer mehr einen konstanten 12-Stunden-Rhythmus an.
Theravada-Buddhismus und andere „Fahrzeuge“
Der Buddhismus im Fernen Osten beruft sich darauf, die älteste und damit originalste Form des Buddhismus bewahrt zu haben. Das klingt ein bisschen nach katholischer Kirche für mich. Es zählen nur die Aussagen von Buddha in ihrer reinen Weise. Demgegenüber gibt es in Tibet ein anderes Konzept, den Mahayana Buddhismus, den auch der Dalai Lama vertritt. Es handelt sich um verschiedene Fahrzeuge zum Erreichen des gleichen Ziels. Während im Therevada das persönliche Streben im Vordergrund steht, möchte der Mahayana die anderen Menschen mit ins Boot nehmen. Niemand solle seine eigene Vervollkommnung bis zur Buddhaschaft und damit aus dem Zwang zur Wiedergeburt anstreben, bevor nicht die Mitmenschen „erlöst“ sind. Mahayana heißt deswegen auch das große Fahrzeug.
Ich hatte ein interessantes Gespräch mit einem 23-jährigen Mönch über Meditation und Religion. Denn er meinte ganz klar, dass sich jeder Mensch um seine eigene Entwicklung kümmern muss. Man könne dem anderen Menschen diese eigene Arbeit nicht abnehmen, so wie man für den anderen auch nicht essen könne; ich verstehe, was er meint. Konsequenterweise meinte er auch, dass Beten im herkömmlichen Sinne, also z.B. um etwas bitten, keinen Erfolg zeitigen würde. Nur das Streben zum „Nichts“, zum Nirvana würde uns weiterbringen. Ein weites Feld für Diskussion tut sich auf…
Die „Homkwan Waldorfschool“ Chiang Mai
Es gibt neben den drei Schulen in Bangkok auch ein Waldorfschule im hohen Norden. Sie liegt etwas außerhalb, ist aber verkehrstechnisch gut angebunden. Als ich am Montag, den 21. August, ankomme, erlebe ich eine wunderbare Openair-Eurythmiestunde. Eine ältere Lehrerin verzaubert die Kinder mit ihrer Bewegungsgeschichte in englischer Sprache. Es stellt sich heraus, dass ein deutsches Waldorflehrer-Duo aus Nürnberg seit vier Jahren die Schule begleitet. Immer in den Sommerferien opfern Brigitte und Michael ihre Zeit und fliegen hierher. Er ist Klassenlehrer und mentoriert hier die Lehrer*innen.; sie macht Eurythmie mit allen Kindern. Wir können uns am Nachmittag prächtig über Waldorf in Deutschland jetzt im Vergleich zu früher unterhalten und merken, wie ähnlich unsere Erfahrungen sind.
Die Schule hier ist schon 15 Jahre alt, musste aber vor 7 Jahren umziehen und neu bauen für 6 Klassen, hat aber schon 9 Klassen mit 40 Kindern. Das heißt, dass gerade einmal 5 Kinder in jeder Klasse sind! Wie sich das rechnet, verstehe ich nicht. Wie auch immer: Hier werde ich nicht gebraucht, denn für die nächsten vier Wochen hat die Homkwan WS die beste Begleitung, die sie sich wünschen kann. Und ich kann frei weiterfahren.
Ausflug auf den Hausberg Doi Suthep
Ich verlasse Chiang Mai nicht ohne einen neuen Reifen. Denn ohne Ersatzrad wäre es fahrlässig weiter zu fahren. Immerhin finde ich eine Reifenhandlung in der 200000 Einwohner Stadt, die einen 33/12.5/15R-Reifen auf Lager hat. Zuerst besuche ich den Hausberg mit dem 1383 n.Chr. errichteten Tempel Wat Phra That Doi Suthep. Von hier hat man einen schönen Blick auf das Umfeld von Chiang Mai, in dem eine Million Menschen leben. Es folgen stimmungsvolle Bilder:
Tak und Mae Sot
Auf meiner Fahrt nach Süden erreiche ich die Provinzstadt Tak, die sich rühmt, der Geburtsort von Taksin zu sein, dem General, der die Unabhängigkeit von Birma Anfang 1800 erkämpfte und damit dem Aufstieg der jetzigen Königsdynastie den Weg bereitete.
Mae Sot ist die Grenzstadt zur Myanmar, durch die der Asian Highway 1 führt. Durch die Berge hindurch schlängelt sich diese Transitstrecke bis nach Indien!
Im Innenraum zeigt das Thermometer eine Temperatur an, die das Schlafen in der Kabine unmöglich macht.
Wie geht‘s weiter?
Rund um Thailand ist Meer. Malaysia im Süden ist noch eine Option für den Landweg, aber spätestens in Singapur ist dann „Lands End“ erreicht. Also stellt sich die Frage in aller Klarheit und Dringlichkeit, wie es weiter geht. Denn es geht nur per Schiff weiter!
Die erste Möglichkeit ist die Verladung auf ein Containerschiff, die zweite auf einen Roll on Roll off - Frachter. Das Problem bei den Containern ist die Höhe. Selbst der höchste Container (High Cube) hat nur eine Türhöhe von 258 cm und Browny ist mit Solarpanele 273 cm hoch. Wenn ich die Reifen abschraube, kann ich 18 cm sparen; aber dann müsste ich auf einem Satz alter Stahlfelgen in den Container klettern. Habe ich noch nie ausprobiert. Ob die sog. RoRo-Schiffe mich mitnähmen, ist zur Zeit unklar, da die Companies nicht mit Privatpersonen verhandeln. Ich bin zwar in Kontakt mit einigen Firmen, die Verladungen organisieren, aber der Emailverkehr verläuft äußerst langsam und zäh. Stand der Dinge heute Sonntag, der 27. August 2023.
Thailand mit dem Auto?
Offiziell darf man nicht mit einem Wohnmobil, Campervan, Pick-up mit Kabine oder Ähnlichem über die Landesgrenzen nach Thailand einreisen! Damit steht dieser Staat so ziemlich alleine in der Welt da, soweit ich weiß. Es ist verrückt, da fahre ich mehr als 25000 km durch die Welt, um gesagt zu bekommen: Hier ist Schluss! Da sind selbst Länder wie China oder Vietnam kulanter und erlauben unter strengen und kostspieligen Auflagen die Einreise (mit Tourguides und Travelagency). Bei ersten Versuch des Bordercrossings hieß es, ich benötige ein „Foreign Vehicle Permit“, d.h. eine Genehmigung durch die Land Transport Behörde. Auf deren Internetseite steht aber auch ganz klar, dass Wohnmobile KEINE Genehmigung bekommen. Wieso auch immer. Ich habe trotzdem versucht, mit drei Travel Agencies aus Bangkok ein FVP zu beantragen (für ein Pickup mit Kabine); aber nach dem Austausch vieler Emails und Dokumenten kam die Aufforderung: „Schicken Sie uns ein Foto des Inenraums Ihrer Kabine.“ Das war‘s dann!
Ich will es eigentlich nicht zu öffentlich sagen: Aber es gibt immer Wege. Im Norden Thailands liegt das berüchtigte „Goldene Dreieck“ - bekannt für seinen Opiumschmuggel nach Myanmar und Laos. 800 km bin ich durch die Berge von Laos an die Grenze gefahren. Drei Tage je neun Stunden mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von 30 km/h durch Schlaglochpisten und kurvenreiche Passstecken. Und wirklich: Browny ist jetzt in Thailand! Mit einem Temporary Import Permit (TIP). Wer Genaueres wissen möchte, möge mich bitte direkt kontaktieren … Hoffentlich bleibt dieser Grenzübergang noch für viele Overlander offen.
Dem Himmel sei Dank!
Diese Bronzeplastik aus dem Garten des buddhistischen Museums in Vientiane gibt die Stimmung wieder, die ich empfinde. Für die Einreise nach Thailand, aber auch für die glückliche Reparatur des Landcruisers. Beim ersten Versuch am 3. August nach Norden zu fahren, kam ich nur 60 km weit. Dann knallte es: Der Hinterreifen war explodiert! Es qualmte und ich dachte, gleich fängt alles an zu brennen. Die Trommelbremse war glühend heiß! Und ich wusste sofort, dass es mit einem Reifenwechsel nicht getan ist. Also brauche ich einen Abschleppwagen. Wir sind aber hier in Laos, nicht in Deutschland mit seinem ADAC. Ich hatte Glück und die Werkstatt, die mir bereits einen neuen Hauptzylinder für die Kupplung und ein neues Lenkgetriebe eingebaut hatten, schickten Hilfe. Und es stellte sich heraus, dass ich einen Lagerschaden hatte. Selbst die Hinterachsewelle war in Mitleidenschaft geraten, da die Lauffläche fürs Lager zerstört war. Also eigentlich ein GAU! Denn in Laos gibt‘s weder eine neue Hinterachswelle noch passende Lager. Also musste beides aus China bzw. Thailand besorgt werden. 10 Tage musste ich in Vientiane warten, bis alles eintraf und eingebaut werden konnte.
So unscheinbar sieht die linke Hinterachswelle aus, wenn sie ausgebaut ist. Aber ohne läuft sie gar nichts mehr!
Die Lauffläche für das Lager ist zerkratzt und voller Riefen, so dass wir eine neue linke Hinterachswelle kaufen müssen!
Zum Vergleich: So sauber und schön glatt sieht die Lagerlauffläche der rechten Hinterachse aus.
Geduld und Ergebenheit üben
Es ist nicht meine Stärke, warten zu können. Jeden Morgen gehe ich von meinem Hotel, in dem ich einquartiert bin, zur Werkstatt von IMAI LAO und will durch meine Anwesenheit zeigen, wie wichtig mir eine zügige Reparatur ist. Ich weiß, dass die Uhren in Laos anders gehen als bei uns. Alles wird hier bedächtig und ruhig erledigt. Und nun muss ich auf die Lieferung der Ersatzteile warten. Zuerst sollte die Hinterachswelle nach drei Tagen aus Bangkok ankommen, dann verzögerte sich aber der Termin. In Laos endlich angekommen, dauerte es noch einen Tag, bis die Auslieferung zur Werkstatt erfolgte,… Es war nicht klar, woran es lag. Also musste ich lernen, ruhig zu bleiben und die Situation zu nehmen wie sie ist. Ergebenheit und Gelassenheit versuche ich zu trainieren. Und ich versuche aus der Not eine Tugend zu machen, indem ich mir die Tempel und Bauwerke der Stadt anschaue. Ich miete mir einen Roller und genieße den Fahrtwind.
Nach 10 Tagen, am 12. August, kann ich Vientiane endlich verlassen und mache mich auf den Weg zur Grenze im Norden von Laos.
Das ist Pha That Luang, die große Stupa, die zwar neu aussieht, aber einen alten Kern aus der Gründungzeit von Vientiane besitzt. Verkäufer bieten davor Vögel in Käfigen an, die man zeremoniell in die Freiheit entlassen kann. Das soll Glück bringen.
Eine der vielen Buddhastatuen im Ho Phrakeo Museum. Die Handhaltung, das Mudra, hatte ich so noch nicht gesehen.
Dieser Tempel Wat That Luang versteckt sich hinter den Bäumen. Durch die Komplementärfarben grün und rot entsteht eine schöne Spannung.
Thailand-Urlaub
Mitte Juli treffe ich mich mit meiner Frau Silvia in Bangkok. So war es vereinbart. Theoretische wäre ich mit meinem Landcruiser über die Grenze von Laos nach Thailand gefahren und wir hätten uns da getroffen. Aber das Leben ist komplizierter, denn die thailändischen Zollbehörden lassen mich mit einem Campervan nicht einreisen. In der Hauptstadt Vientiane ging gar nichts. Und auch an der 230 km entfernten Grenze im Westen ließ man mich nicht durch. So musste ich zurück nach Vientiane, um mit dem Flugzeug nach Bangkok zu fliegen, um Silvia zu treffen.
Und wirklich halten wir uns einen Tag später in den Armen! Vierzehn Tage kann Silvia bleiben, dann ruft die Schule wieder. So bleibt uns nicht viel Zeit, so dass wir nur Bangkok, Ayutthaya und die Ostküste anschauen werden. Der Süden mit Phuket und Koh Tao muss warten. Wir beginnen mit Bangkok und sind gleich überrascht über diese moderne Hochhausstadt mit seinen 10 Millionen Einwohnern:
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Bangkok als westlich orientierte Großstadt
Gerade im Vergleich zu den anderen Städten in Laos, Nepal und Indien hebt sich Bangkok stark ab. Die Sauberkeit auf den Straßen überraschte mich, die riesigen Shopping-Center und Malls glänzen mit westlichen Produkten - ich sehe hier zum ersten Mal seit einem dreiviertel Jahr Philadephia-Frischkäse und Dr. Oetker Pizza zu stolzen Preisen! Die Thailänderinnen sind modern gekleidet und zeigen ihre Schönheit offen und direkt. Welch ein ungewohnter Anblick für mich, wenn man ein halbes Jahr in Indien war, wo lange Kleider und Saris vorherrschen. Ganz zu schweigen von den islamischen Ländern, in den die Frauen ihre Schönheit verstecken müssen! Internet gibt‘s hier überall in 5G-Stärke - da kann sich Deutschland was abgucken! Alles ist digitalisiert. Wenn du mit der Metro fährst, erhältst du einen Chip, den du am Ende der Fahrt wieder abgibst, und kein Papierticket! Ökonomisch boomt Bangkok und es wird überall weitergebaut. Die Highways durchziehen drei- und vierspurig die Stadt. Als vom Ruhrgebiet geprägter Deutscher mit den Stauerfahrungen einer A 40 kommt man sich hier wie im Wunderland vor.
Das buddhistische Bangkok
Natürlich ist Bangkok seinen Wurzeln treu geblieben. Es finden sich überall in der Stadt die buddhistischen Tempelanlagen mit den nach oben geschwungenen Dächern und schlangenartigen Giebelverzierungen. Und überall thront im Innern desTempels das Vorbild für die Menschen, der Buddha. In allen Positionen, sitzend, stehend oder liegend. Mit verschiedenen Handgesten für unterschiedliche Bedeutungen. Aber immer friedlich lächelnd. Ja, er hat seinen inneren Frieden gefunden!
Selbst vor kleinen Tempelchen, die im Gedränge der Stadt kaum auffallen, stehen Menschen und beten davor - jede*r still für sich; und dann ziehen sie weiter. Meine Frau sagte im Angesichte eines großen Buddhas, wie unterschiedlich die Stimmung sei im Vergleich zu einer Kirche, in der der Gekreuzigte gezeigt wird. Eine völlig andere Aussage! Darüber kann man eine Weile nachsinnen …
Der „Goldene Buddha“ ist wirklich aus 5,5 t reinem Gold!
Vor 700 Jahren im ersten Königreich von Siam gegossen stand der Buddha 400 Jahre lang in der Königstadt Ayutthaya. Um die Statue vor den Überfällen der Burmesen zu schützen, überzog man sie mit Gips und malte sie golden an, um den eigentlichen Wert zu verbergen. Und wirklich, als die Stadt Ayutthaya von den Feinden im Jahr 1767 n.Chr. überfallen und zerstört wurde, blieb die Statue stehen. Für die nächsten 200 Jahre blieb der Wert völlig unerkannt. Erst als sie 1955 in die neue Hauptstadt Bangkok gebracht wurde, geschah das Wunder: eines der Seile, mit denen die Statue bewegt wurde, riss und der Buddha fiel zu Boden, wobei die äußere Hülle abplatzte und der Goldkern zum Vorschein kam. Dies geschah just im 2500. Todesjahr von Gautama Buddha, so dass viele Menschen die Enthüllung für ein echtes Wunder hielten.
Wat Pho und Wat Arun
Auch die anderen Tempelanlagen verdienen unsere Aufmerksamkeit. In Wat Pho ist der 46 m lange liegende Buddha zu bestaunen. Er ist natürlich nicht aus reinem Gold, aber wir glauben, er ist an manchen Stellen wie mit Blattgold überzogen, das eben in einzelnen Rechtecken aufgetragen ist. Aber in jedem Fall zieht dieser Buddha jede Menge Besucher an, so dass wir warten mussten, um in den Tempel zu gelangen. Errichtet wurde er von Rama I., der der Gründerkönig von Bangkok ist. Bis heute regiert seine DynastieThailand mit Rama X.
Wat Arun ist auf der gegenüberliegenden Flussseite und sollte vor 200 Jahren den Neuanfang des Königreiches symbolisieren. Aruna ist der Gott der Morgendämmerung. Von hier aus sollte das neue Siam (wie Thailand früher hieß) gegründet werden.
Von Stupas und Tempeln
Bei den buddhistischen Stupas handelt es sich um ein Bauwerk, das keinen Innenraum hat, den man betreten könnte. Es ist wie ein Fingerzeig in den Himmel, in äußerer Korrespondenz zu den inneren Stufen der Erleuchtung. Manchmal ist auch die Asche der Könige oder Reliquien von Buddha eingemauert, so dass der Ort dadurch seine besondere, heilige Bedeutung erhält.
Zum Innenraum der Tempel hatte jeder Mensch, der seine Schuhe auszieht, zutritt; hier wird gebetet und hier werden Opfergaben getätigt.
Chinatown in Bangkoks Herz
Bangkok war ursprünglich stark von Chinesen bewohnt, die hier Handel trieben. Noch heute hat jeder zweite Thai in der Hauptstadt chinesische Wurzeln. Nicht zuletzt waren es drei reiche Chinesen, die den Tempel erbauten, in dem der - noch verborgenen - Goldenen Buddha aufgestellt worden war. Also atmet der Besucher chinesische Luft ein, wenn er hierher kommt. Es ist viel hektischer und quirliger, die Schilder sind alle in chinesischer Bilderschrift und das Essen besteht sowieso aus Glasnudeln mit Gemüse und Fleisch aus dem Wok. Da wir in der Regenzeit da sind, ist es entsprechend schwül und heiß! Wir trinken das klassische CHANG-Bier in einem der tausend Restaurants.
Der große Markt in Bangkok: Klong Toei
Es gibt nichts, was es nicht gibt. Am besten ist der Fischmarkt bestückt. Die Fische leben noch, wenn sie in den Auslagen liegen, Seafood aller Art (Krebse, Tintenfische, Kraken, Muscheln,..) ist fein säuberlich nach Größe sortiert und entsprechend beschriftet. Dann kommt das Gemüse mit den verschiedenen Sorten von Chilli, manches kennen wir, anderes bleibt uns ein Rätsel… Auch lebende Tiere werden zum Verkauf angeboten wie Hühner und Enten.
KohSamet
Nach drei Tagen Bangkok brechen wir auf, um die Küste kennenzulernen. Den Urlaubsort Pattaya lassen wir bewusst aus und schippern mit einem alten Motorboot zur Insel Koh Samet vor der Stadt Rayong. Drei Tage werden wir hier richtig Urlaub machen!
Weiße Sandstrände
Da Koh Samet relativ nahe am Festland und an Bangkok liegt, ist die Insel entsprechend voll von Hotels. Da wir uns einen Roller für 7 € am Tag mieten, können wir zu den einsameren Stränden im Südosten fahren. Und es gibt sie tatsächlich! Weißer Sand und warmes Meerwasser. Das nächste Mal würden wir direkt im Sangthian Beach Resort einchecken.
Chantaburi - die Edelsteinstadt
Die Provinzhauptstadt im Osten Thailands ist berühmt durch ihren Gems Market, also den Edelstein- und Schmuckmarkt. Chantaburi wird vom Ban Daoruang durchflossen und an seinem Ufer befinden sich malerische Häuser auf Pfählen. Wir schlendern durch die Stadt, aber leider, dreimal leider haben alle Geschäfte um 17.00 Uhr schon geschlossen. Zum Abendessen finden wir ein tolles Restaurant direkt am Flussufer, das Koff House. Internationale Küche, und mit Liebe zubereitet! Die Pizza, die wir bestellen, ist mit einem süßen Tomatenhäschen bestückt.
Beim Besuch der einzigen Kirche, die es hier gibt, fallen uns die Schüler*innen auf, die gerade aus der Schule kommen: Alle tragen Uniform, aber nicht nur die klassische englische Kluft, sondern wie Pfadfinder mit Halstuch und Knoten, Abzeichen, usw., was sehr militärisch aussieht.
Koh Kood
Über die östlichste Provinz Trat geht‘s nun auf die 47 km vom Festland entfernte Insel Koh Kood, die ganz nah an der kambodschanischen Grenze liegt. Sie ist wirklich die schönste und einsamste Insel in diesem Archipel. Hier bleiben wir auch die längste Zeit und können die Strände wieder mit dem Roller erkunden. Das Besondere an der Insel ist, dass es nirgendwo Hochhausbauten von Hotels gibt; die Regel ist, dass die Touristen in Bungalows wohnen, also in kleinen Hütten, die aber für 20 €/Nacht allen Komfort aufweisen! Manche stehen direkt am Strand, so dass der Blick durch die Fensterfront aufs Meer fällt.
Bank Holiday und HOT POT
Im Prinzip ist wegen der Regenzeit Nebensaison. Aber gerade an diesem Wochenende (29. 7. bis 2.8.23) hat der König Geburtstag und danach feiern die buddhistischen Mönche ihr jährliches Treffen zu Beginn der Regenzeit. Damit haben die Thais fast eine Woche frei! Und sie stürzen sich in die Wellen von Koh Kood. Aus unserem ersten (Edel-)Resort mit Pool müssen wir nach einer Nacht ausziehen und wir finden am Rand des Dschungels, anders kann man den Regenwald hier nicht nennen, ein kleines Resort mit einer hervorragenden Küche. Hier können wir jeden Abend essen. Die Besonderheit hier ist der Hot Pot, eine Kombination von Grill und Wok. Mit Kohle betrieben, kann das Fleisch oben gegrillt werden, während in einer Brühe rundherum das Gemüse, die Pilze und Reisnudeln gekocht werden. Sehr intelligent durchdacht und gemacht!
Schönste weiße Sandstrände am Ban Ao Jak Strand im Süden der Insel
Am besten hat uns bei unseren Ausflügen zu den verschiedenen Buchten und Stränden der Beach von Ban Ao Jak gefallen. Wir waren fast ganz alleine an dem weitläufigen Strand, konnten im Schatten der Palmen liegen und das Baden in der Brandung genießen. Es ist interessant, wie aus den Kokosnüssen kleine Palmen herauswachsen, die den Strand weiter zu befestigen helfen.
Khlong Choa-Wasserfall
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Da es am Strand windig ist, fahren wir mit dem Roller in die Berge. Ein Stück zu Fuß muß man gehen, um an der Wasserfall zu gelangen. Es ist ein Genuss, im Süßwasser zu schwimmen. In der Regenzeit donnert das Wasser die Stufen hinunter und erzeugt eine ziemliche Strömung am Ausgang des Beckens.
Abschied von Koh Kood im Regen
Den letzten Tag auf Koh Kood verbringen wir an dem Strand, wo wir zuerst gelandet waren: am Bang Bao Beach. Aber an einer anderen Stelle, die viel schöner ist, weil man von hier den Sonnenuntergang sehen kann und die Bungalows des Siam Resorts direkt am Wasser stehen. Es folgen Stimmungsbilder zum Abschied.
Ayutthaia
Die letzte Station vor der Rückkehr nach Bangkok ist alte Königsstadt Ayutthaia 50 km nördlich der Hauptstadt. Für die 400 km von Trat brauchen wir mit Pausen doch sechs Stunden, so dass wir erst spät abends das Old Palace Resort erreichen, in dem wir übernachten. Es befindet sich fußläufig zu den Ruinen der alten Paläste und Tempelanlagen, die wir morgen besichtigen wollen.
Von 400 goldenen Jahre bleiben nur Ruinen
Es ist traurig, aber wahr: Das zweite glänzende Reich von Thailand (nach Sukhothai) wird im Jahre 1767 von der Armee aus Birma (heute Myanmar) vernichtet, die Hauptstadt gebrandschatzt, die Bevölkerung niedergemetzelt, die Angehörigen des Adels verschleppt. Nur die beeindruckenden Ruinen zeugen von der einstigen Größe und Schönheit des buddistischen Königreiches, das weit über seine Grenzen hinaus bekannt war und gerühmt wurde. Portugiesische und holländische Schiffe fuhren vom Meer aus den Chao Praya flussaufwärts nach Ayutthaia, um Handel zu treiben…
Wie besuchen den alten Königspalast mit seinen Tempelanlagen.
Der alte 12 m hohe Buddha im neuen Tempel
PHRA MONGKHON BOPHIT ist eine der größten Buddha-Statuen in Thailand. Sie wurde in der Frühzeit des Ayutthaia-Reiches (also nach 1350 n. Chr.) angefertigt, überlebte dessen Zerstörung 1767 und blieb jahrhundertelang in den Ruinen stehen, wie man auf dem ersten Bild oben sehen kann. Nun hat sie ein neues zu Hause bekommen. Wegen der Feiertage hier strömen die Menschenmassen an einem Dienstag zu seinem Tempel, gießen Kerzen und bringen Opfergaben.
Dieser Buddha strahlt ein besondere angenehme Verinnerlichung aus. Die Reste des Blattgoldes sind auf dem Bronzeuntergrund noch gut zu erkennen.
Dem Künstler, der diese Pfahlbautenlandschaft gemalt hat, konnten wir beim Arbeiten zuschauen. Er trug die weiße Farbe mit feinen Spachteln auf die Leinwand auf.
Die Elefanten sich eine Touristenattraktion. Heute hatten sie viel zu tun. Das ist die Alternative zu Fahrrad oder Scooter, um sich in der Hitze fortbewegen zu lassen.
Eine Bootstour auf dem Chao Prang
Um die Größe der Altstadt besser zu erfassen, machten wir eine Bootstour auf dem Fluss, der sie in einer großen Schleife umgreift. Es ist außerdem angenehm kühl durch den Fahrtwind. Es wurde aber auch unangenehm nass, als mittendrin anfing zu schütten! Beeindruckend waren die Tempelanlagen auf der anderen Flussseite zu sehen, allerdings stiegen wir bei dem Regen nicht aus. Danach konnte wir die Streetfood-Stände besuchen, die außer den immer leckeren Phat Thai-Gerichten (Reisnudeln mit würziger Soße und Krabben oder Fleischstückchen) die volle Breite der zurecht gelobten leckeren Thai-Küche anboten.
Der eingewachsenen Buddha-Kopf
Eines der beliebtesten Motive in Ayutthaia ist der alte Buddhakopf, der nach der Zerstörung der Stadt von der lebendigen Natur wie mit liebevollen Händen umfasst, getragen und beschützt wird.
Panyotai Waldorfschool
Natürlich haben wir uns die älteste der drei Waldorfschulen in Bangkok angeschaut. Sie ist 30 Jahre alt und wurde von Dr. Porn und Janpen Panosot gegründet. Beide sind noch aktiv dabei und erweiterten vor kurzem ihre Schule um eine Turnhalle mit Saalfunktion, so dass sich wirklich die ganze Schulgemeinschaft der Klassen 1 bis 12 dort treffen kann.
Abschied von Thailand - und von Silvia!
Am Abend des 2. August sitzen wir beide am Suvarnabhumi Airport von Bangkok und können es gar nicht fassen, wie schnell die zwei Wochen herumgegangen sind. Haben wir nur einen kleinen Teil des riesigen Landes gesehen, den Norden und Süden heben wir uns für später auf. Für Deutsche ist es sehr einfach hierher zu fliegen; es gibt ein Visa-on-arrival für 30 Tage. Nur für Wohnmobile ist die Grenze grundsätzlich geschlossen! Wieso auch immer. So fliege ich zurück nach Laos zu Browny und Silvia wird bereits morgen zur ersten Antrittskonferenz in der Mülheimer Waldorfschule erwartet. Es wird für lange Monate das letzte mal sein, dass wir uns richtig umarmen können…