Jaipur

Die Hauptstadt Rajasthans

Silvester und Neujahr verbringe ich hier in der drei Millionen Metropole von Rajasthan.  Sie ist berühmt durch „Pink City“, ihre farbige Altstadt. Dabei ist relativ neu; erst 1727 wurde sie von Jai Singh gegründet und zur Hauptstadt seines Kachawa-Reiches gekürt. Sie trägt seinen Namen.

Das Observatorium “Jantar Mantar”

Interessant war für mich an diesem Silvestertag  das Freilichtobservatorium “Jantar Mantar”, ein großes Gelände neben dem Palast. Seine astronomische Ausstattung besteht aus riesigen Instrumenten, die der Herrscher selbst konstruierte und bauen ließ. Hier steht die größte Sonnenuhr “Samrat Yantra”, die ich gesehen habe: 27 m hoch ragt der steinerne Zeiger in den Himmel und hat unter sich eine Halbkugel, auf die der Schatten der Sonne fällt und die Tageszeit  bis auf zwei Sekunden genau abgelesen werden kann! 
Es gibt Geräte zu Messung der Position der Planeten und Tierkreiszeichen - man läuft hier durch als wäre man ein Liliputaner.

Fatepur Sikri

Diese Palaststadt wurde auch vom Großmogul Akbar ab dem Jahre 1569 erbaut, da er hier einen Sufimeister, Sheikh Salim Chishti, verehrte, der ihm  auf wunderbare Weise geholfen hatte, einen Thronnachfolger zu bekommen. In der großen Moschee ist dessen Grab bis heute eine bedeutende Pilgerstätte für Menschen aller Religionen. Die Palastanlage ist so gut erhalten, weil sie nur für kurze Zeit benutzt und dann wieder aufgegeben wurde. In Lahore, seinem neuen Regierungssitz, baute Akbar das Red Fort (Bilder weiter unten/Pakistan).

Taj Mahal

Das Wahrzeichen von Indien! Jede*r kennt es und es wird zurecht besungen als das schönste Bauwerk in Asien, als eins der sieben Weltwunder der Neuzeit! Und es wird genauso gern von indischen Touristen bestaunt wie von “uns”. Bereits um sieben Uhr morgens stehe ich am Eingang und möchte das zarte goldene Morgenlicht auf dem weißen Marmor einfangen. Beim Taj Mahal  handelt es sich um ein Denkmal der Liebe. Der Mogulkönig Shahjahan ließ es für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal (“Erwählte des Palastes”) errichten, nachdem diese 1631 n. Chr. nach der Geburt des 14. Kindes gestorben war. 20000 Arbeiter waren rund 20 Jahre zugange gewesen.

Islamische Architektur in Hindustan

Natürlich ist die Architektur des Grabmals islamisch, da die Mogul-Dynastie ihre Religion aus Zentralasien mitgebracht hatte, während das Volk hinduistisch geblieben war. Die zwiebelförmigen Kuppeln bewirken eine Leichtigkeit, die man kennt aus dem Iran kennt, ebenso die Diwane als Gebets-Nischen mit ihren Deckenornamenten. Hier sehen diese wie in Marmor gemeißelte Diamantfacetten aus.  Außerdem zieren Koran-Inschriften die Wände, wobei man sich klarmachen muss, dass die schwarzen Buchstaben als Steinintarsien in den Marmor hineingeschnitten und -gepuzzelt werden mussten: alles in Handarbeit!
Besonders reizvoll ist der Lichtwechsel vom Morgen zum Mittag, da dann der weiße Marmor einen schönen Kontrast zum blauen Himmel bildet. Und im Abendlicht erstrahlt der Taj Mahal in warmen gelb-rötlichen Farben. Zu sehen ist dies vom Agra Fort, in dem Shahjahan von seinem Sohn Aurangzeb  eingesperrt wurde und er von dort sehnsüchtig auf das Grab seiner Geliebten schauen konnte.

Agra Fort

Zwei Kilometer westlich vom Taj Mahal ragt die „Rote Festung“, Agra Fort,in die Höhe. Auch sie liegt direkt am Ufer des Yamuna, der träge fließend dem Bundesstaat Uttar Pradesh (Nördliche Provinz) Leben spendet. Vom Mogulkönig Akbar, dem Großvater von Shahjahan, wurde es im Jahr 1565 erbaut. 

Innerhalb der Mauern befindet sich auch der Palast von Akbars Sohn Jahangir. Wie man sieht, gibt es genug Platz in der Festung. Allein die Mauern bilden einen Ring von 2,5 km. 

Die typische Verbindung von hinduistischer und islamischer Architektur ist gut zu erkennen: die Tragebalken über den Säulen sind mit Hindu-Ornamenten verziert.

Farbe in die  monochromen Bauten bringen die indischen Touristinnen. Sie kleiden sich gerne gelb und rot und lieben es sich gegenseitig zu fotografieren.

Von diesem Turm aus konnte der alte Shahjahan auf das Tal Mahal blicken, als er von seinem Sohn Aurangzeb hier eingesperrt worden war.Zum einen, weil sein Vater die Staatsfinanzen ruiniert hatte wegen der üppigen Bauten und wegen der Thronnachfolge; sein Vater hätte lieber den älteren Sohn bevorzugt…

In so einem Privatgemach lässt es sich leben! Auch hier sind die pflanzlichen Muster fein säuberlich in den Marmor hineingearbeitet. Eine unglaubliche Feinarbeit mit Hammer und feinem Meißel. Wie lange das gedauert haben muss!

“Aarambh Waldorf”

Kurz vor Weihnachten erreiche ich die kleine Waldorfinitiative im Süden von Delhi. “Beginning Waldorf” heißt sie auf Hindi. Und es ist wirklich ein kleines Paradies! Das Gebäude liegt in einem großen Garten, den die Kindergarten- und Schulkinder mitbenutzen können. 50 Kinder werden hier betreut: eine Kindergartengruppe und 5 Klassen mit je 5 Kindern.

Eine pädagogische Oase

Es ist der letzte Schultag vor Weihnachten und ich darf miterleben, wie die Klassen sich gegenseitig kleine Theaterstücke zeigen, miteinander singen und und zu den Bediensteten der kleinen Farm auf dem Gelände ziehen, um ihnen und deren Kindern etwas zu schenken. Nachdem alle meinen Browny begutachtet hatten, erzähle ich ihnen die “Heilige Nacht” von Selma Lagerlöf. Eine Stunde unterhalte ich mich den Kindern in Englisch über Deutschland, Indien und beantworte ihre Fragen. 
Man kann die Waldorfpädagogik hier in Indien um so mehr schätzen, da das staatliche Schulsystem noch viel stärker als bei uns auf Leistung und Bücherwissen setzt. Bei den Bauernfamilien im Punjab konnte ich mich von dieser einseitigen Art zu lernen kundig machen. Ich sah die schweren Schulranzen der Siebenjährigen, die voll mit Büchern waren. Wegen des frühen Einschulungsalters von 4 bis 5 Jahren war dieser siebenjährige Junge in der 3. Klasse und musste  Bruchrechnen lernen. Jedem Waldorfklassenlehrer sträuben sich die Nackenhaare! Für jedes Fach gibt es Bücher und die Bücher ersetzen z. B. in den Fremdsprachen die Kommunikation. Es werden Vokabeln und Grammatik gelernt, aber die Kinder können nicht englisch sprechen! Wie auch, wenn sie es nicht über das Sprechen von Gedichten, Spielen, Singen und jede Form des mündlichen Unterrichtes in Englisch lernen können. 

Also hier herrscht ein anderer Geist der Pädagogik! Die Kindern haben Zeit zum Lernen und die Klassenlehrerin ist das Tor zur Welt. Auf einem Bild sieht man die Einführung des Hindi-Lautes “Dh”, auf der Schiefertafel das Entwickeln der S aus dem englischen Swan oder der Snake.Es gibt doppelt so viele Buchstaben wie bei uns, lerne ich…

Über den Mäzen von Aarambh Waldorf 

Tezbir Zaildar ist der Mäzen des Anwesens, in dem die Schule sein darf. Denn ohne seine Unterstützung wäre das Gebäude und der Garten unerschwinglich für die kleine Waldorfinitiative. Bereits seine Mutter hatte Aarambh Waldorf unterstützt und er nimmt das, was dieWaldorfeltern geben können. Diese Einstellung  ermöglicht das pädagogische Projekt und ich hoffe, dass der gute Geist noch sehr lange hier wehen wird, damit eine voll ausgebaute Schule entstehen und wachsen kann.

Die 32-Millionen-Metropole Delhi

Als drittgrößte Stadt der Welt wird der Ballungsraum Delhi bezeichnet. Mit 32 Millionen Einwohnern ist Delhi die größte Stadt Indiens und  hat 10 Millionen mehr Menschen als Mumbai! Mit dem Auto benötigte ich am 21. 12. zwei Stunden vom Norden über die Ringstraße in Delhis Süden. Denn dort liegt die kleine Waldorfinitiative “Aarambh Waldorf”. Es gibt eben neben der unvergleichlich quirligen und lauten City auch ruhige und fast paradiesische Orte in dieser Stadt wie zum Beispiel auch dieser Park um den Lotus-Tempel.

Old Delhi

Das “Red Fort” ist ein Riesenpalast für den Moghulkönig Shah Jahan, der es 1625 für sich erbauen ließ. Auf dem Bild sieht man nur die Hälfte einer Mauerseite bis zum Lahore Gate, dahinter geht’s genauso weiter bis zum nördlichen Eckturm! Dagegen ist der großväterliche Palast in Lahore (von Akbar dem Großen) ein Spielzeugbau. Alles hier verfügt über gewaltige Dimensionen, so krönte den Marmorthron des Herrschers der größte Diamant: der sagenhafte “Kohinoor”.

Das Rote Fort

ist innen nur noch nie eine Ruine. Durch die verschiedenen Eroberungen - vor allem durch die britische Armee 1858 - wurde vieles zerstört. Und natürlich gibt’s auch keinen Kohinoor mehr, leider. Die Einbildungskraft ist gefragt: Lasse die prächtigen Gärten wiedererblühen, die Wasserspiele, die der Strom Yamuna speiste, erglitzern, die Palastanlagen der königlichen Familie und die Haremsbauten für die Damen auferstehen… 

Jama Masjed

Die größte Moschee in Indien wurde gleichzeitig mit dem roten Fort erbaut, als religiöses Pendant zum Palast. Für 25000 Gläubige reicht der Innenhof, das beste aber ist eins der Minarette, die man besteigen darf. Die Aussicht ist grandios! Der Blick schweift zur Palastanlage, zu den hoffnungslos überfüllten Straßen von Delhi, die Häuserwüsten bis zum Horizont… 

Alte und neue Architektur in Delhi

In die Innenstadt von Delhi zieht mich nichts mehr, seitdem ich die Hektik und Verkaufsstrategien auf dem zentralen Platz, dem Connaught Place, kennengelernt habe. Um so mehr interessiert mich die Architektur des alten Delhi vor der Moghulherrschaft. Die älteste Stadt war Lal Kot und wurde vor 800 Jahren gegründet. Ihr Wahrzeichen, der Qutab Minar, ragt 78 m in die Höhe: Dieser Turm verkündet weithin und für die Jahrhunderte den Sieg des ersten Sultans von Delhi, Qutab-ud-din Aibak. Es folgen Bilder von dem Qutab-Komplex.

Punjab

in Indien

Auf dem Weg nach Delhi führt der Weg durch den Bundesstaat Punjab. Die Landschaft ist tischeben und grün soweit das Auge reicht. Ähnlich wie der pakistanische Punjab ist es die Kornkammer des Landes. Dazu musste ich lernen, dass hier das ganze Jahr über Getreide, Hülsenfrüchte und Gemüse angebaut  werden. Da selbst im Winter die Temperaturen nicht unter den Gefrierpunkt sinken, wächst der Weizen tagsüber prächtig bei zweistelligen Celsiusgraden! 

Besuch bei den Bauern im Punjab

In fünf Tagen ist Weihnachten und ich möchte diese Zeit an einem besonderen Ort verbringen: der klitzekleine Waldorfschule in Delhi. So fahre ich auf der Grand Truck Road nach Süden. Diese Straße verband schon zu Kolonialzeiten die Hauptstadt Indiens mit Lahore und Peshawar an der afghanischen Grenze. Da es ab 17.30 h dunkel wird, muss ich mir rechtzeitig einen Übernachtungsplatz suchen. Ich finden über die IOverlander-App, die wirklich klasse ist, einen netten Platz an einem Tempel. Doch kaum bin ich gelandet, bekomme ich Besuch von einer Bauernfamilie, die schräg gegenüber wohnt. Natürlich werde ich zum Tee eingeladen. Und so bleibe ich zum Abendessen und kann die Farm von innen betrachten. Die Raumaufteilung ist anders als bei uns: 
ein riesiger Flur, manchmal auch zum Essen, von dem die Zimmer abzweigen;
das Wohnzimmer mit Couch, in dem auch gegessen wird (als nicht auf dem Boden wie im Iran oder Pakistan;
die Schlafzimmer der Eltern und die der Kinder, wobei die älteren Mädchen mit der/den Omas zusammenwohnen;
die Küche ist und bleibt der Wirkungsort der Frauen. 
Da es sich um eine fleißige Sikh-Familie handelt, ist sie recht wohlhabend mit Autos, Traktoren, Vieh und Bediensteten. 

Dalai Lama

Auf der Landkarte sind es nur 150 km von Amritsar nach Dharamsala, wo der Dalai Lama im Exil lebt. Also nicht weit, denke ich. Doch die Rechnung habe ich ohne die Straßenverhältnisse gemacht. Denn der Bundesstaat Himachal Pradesh ist ein bergiges Land mit tausenden von Kurven und Höhenunterschieden…

Die Tibetische Enklave Mc Loed Ganj

Über Dharamsala befindet sich der Wohnsitz des Dalai Lama; die Enklave heißt McLoed Ganj, da die Briten hier einen Sommersitz eingerichtet hatten. Mittlerweile wohnen hier viele Tibeter und Mönche in ihren rot-orangen Roben. Und es gibt hier einen großen buddhistischen Tempel.

Das Städtchen liegt auf 2000 m Höhe und die Häuser kleben an den steilen Felsen. Die Straßen sind grundsätzlich einspurig, was das Fahren spannend macht, denn bei Gegenverkehr muss man stehen bleiben und irgendwie versuchen aneinander vorbeizukommen. Es gibt hier keinen Stellplatz für mich, so dass ich abends die Serpentinen ins Tal hinunter fahren muss. Der Eindruck der fantastischen Kulisse bleibt: die 4000 m hohe Bergkette über Mc Loed Ganj.

In Indien

Amritsar

Mitte Dezember besuche ich die heilige Stadt der Sikhs: Amritsar. Immerhin eine Millionenstadt 40 km hinter der Grenze - und man befindet sich in einer anderen Welt. Überhaupt lässt sich der indische Bundesstaat Punjab nicht mit seinem Namensvetter in Pakistan vergleichen. Seit 1947 sind sie geteilt in einen muslimisch-pakistanischenTeil und einen hinduistisch-indischen Teil. Millionen Menschen kamen bei den ethnischen Säuberungen und Zwangsumsiedlungen ums Leben. Schlimmstes 20. Jahrhundert!

Der Goldenen Tempel der Sikhs

Das Dach des Goldenen Tempels ist wirklich mit 100 kg Gold überzogen. So leuchtet der Bau strahlend in der Sonne. Er ist zwar das zentrale Heiligtum, aber er ist umgeben von einer gewaltigen Tempelanlage mit heiligen See, in dem sich sie Gläubigen reinigen. Jede*r ist hier willkommen und darf sich aufhalten, jede*r bekommt umsonst zu essen und zu trinken. Der Andrang ist jeden Tag groß; ich muss eine geschlagenen Stunde in der Schlange warten, um in den Tempel zu gelangen! 

Die Sikhs - weder Muslime noch Hindus

Sie glauben wie die Muslime an einen einzigen Gott, der die Welt und die Menschen erschaffen hat. Bezeichnenderweise entstand diese Religion, die immerhin 26 Millionen Anhänger auf der Erde hat, erst im 17. Jahrhundert durch Gurus, die die alte Hindu-Tradition auf einen zeitgemäßen Stand bringen wollten. Das alte Kasten-System wird abgelehnt, alle Menschen sind gleich geschaffen! Die Methoden des Hinduismus aber übernehmen oder behalten die Sikhs aber: Meditationen, mantrenartige Wiederholungen von Gebetsformeln und Kirtan-Gesänge zum gemeinsamen “In-Schwingung-kommen” durch die Gemeinschaft. 
Ihre Religion bezieht sich ausdrücklich auf das Diesseits: Man muss tüchtig auf dieser Erde arbeiten und lernen! Kein Wunder, dass der Punjab die Kornkammer Indiens ist: Ein Viertel von Reis und Weizen, der in Indien verzehrt wird, kommt aus dem Punjab!

Punjab

Von Islamabad nach Lahore sind es knapp 400 km Richtung Südosten. Dazwischen liege zwei schöne Sehenswürdigenkeiten, die ich am 11. Dezember 2022  besuche.

Der HinduTempel Katas Ray

Von der Autobahn M2 bis zur Ruine des Tempels sind es zwar nur 44 km, aber die Strecke besteht nur aus Schlaglöchern, so dass ich über eine Stunde fahre. Im Licht der schon tiefstehenden Sonne ragt der Tempelberg aus der Ebene  heraus. Allein der Ort scheint mit Bedacht gewählt worden zu sein. Nach der Teilung von Indien 1947 haben die Muslime in Pakistan die Hindutempel verfallen lassen, hier aber waren sie gnädig und schützen ihn mit Zaun und Wärtern. Die Anlage besteht aus mehreren Tempeln, nur der Shiva-Tempel ist noch “in Betrieb”. Der Legende nach weinte Shiva über den Tod seiner geliebten Parvati so sehr, dass ein See aus den Tränen entstand. Die Schlange ist das Symboltier des Zerstörers. So wird von findigen Einheimischen die lebendige Kobra zum Fotografieren angeboten.

Die zweitgrößte Salzmine der Welt bei Khewra

Liegt in einem Gebirgszug, der Salt Range, in der sich 10 Meter dicke Salzschichten befinden. Wer aus dem Ruhrgebiet kommt wie ich, der ist über Steinkohleflöze von 2 Meter Stärke schon froh. Die Dimensionen hier sind unfassbar! Schon Alexander der Große ließ hier Salz abbauen, als er über den Indus gezogen war. Dann kamen die islamischen Moghule, die Sikhs, die Briten und jetzt schneiden die Pakistani selber die Salzmassen aus dem Gestein.
Es gibt rotes Salz mit Eisen, rosa Salz mit Magnesium und das normale weiße Natriumchlorid. Die Farben leuchten so schön, wenn eine Lichtquelle hinter dem Salz leuchtet. Wie kennen das von den Salzlampen. Der Eintrittspreis geträgt für Ausländer das Zehnfache: 20 Dollar! 

Lahore

Die Hauptstadt des Punjab mit 12 Millionen Einwohnern ist das kulturelle und geschichtliche Zentrum Pakistans. Es war nämlich schon in islamischer Zeit die Residenz derMoghule (das Rote Fort von Akbar) und besitzt eine der größten Moscheen für 55000 Gläubige! Das ist die Größe eines Fußballstadions. Außerdem dienen viele Parks der Erholung wie der Iqbal-Park, in dem der Freiheitsturm Minar e Pak in den Himmel ragt.  

Abschied von Pakistan

Über die einzige Grenze für Touristen fahre ich zur “Wagah-Border”, 20 km östlich von Lahore gelegen. Jeden Abend vor Sonnenuntergang findet hier ein Spektakel statt, zu dem sich Pakistani diesseits und Inder jenseits der Grenze einfinden, um die Größe und Überlegenheit ihrer Nation zu feiern. Für uns Deutsche ist dies ein absurdes Theater. Nationalismus hat im 20. Jahrhundert zu zwei Weltkriegen geführt, jetzt ist es ein Anachronismus. Schulklassen werden zu diesem Theater gefahren, damit sie jeweils für ihre Nation schreien, klatschen und die Soldaten anfeuern. Mir sträuben sich die Nackenhaare!

Die Zwillingsstädte Islamabad und Rawalpindi

Islamabad ist die neue, auf dem Reißbrett entworfene Hauptstadt Pakistans, sauber, reich und schön. Rawalpindi die alte, organisch gewachsene Stadt mit 4 Millionen Einwohnern, quirlig, dreckig, mit verstopften Straßen. Es folgen Bilder vom Aussichtspunkt Daman-e Kho in den Margalla Mountains. Abends sieht man die Faisal Moschee, in der 100 000 (!) Gläubige Platz haben, leuchten. Die Paviane sind ständig auf der Suche nach Essbarem und grapschen aggressiv nach meinem Chapatti-Brot. Die Sitten sind locker hier oben, viele Frauen tragen ihr Haar offen!

Meine „Heimat“ in Islamabad ist der Jasmine and Roses Garden im Südosten der 2 Millionen-Stadt. Auf dem Parkplatz stehen die Overlander aus allen europäischen Ländern mit ihren Bussen, Landrovern, Reise- und Wohnmobilen. Hier warten sie alle auf ihr Indien-Visum! Es ist eine nette Gemeinschaft zum Erfahrungsaustausch und Plaudern…

Schweißarbeiten an meiner abgerissenen Stoßstange

Die Reparatur meiner Stoßstange wird professionell vorgenommen. Rashid Ali, den ich in Gilgit „zufällig“ getroffen hatte, hat den Kontakt zur Werkstatt hergestellt. Und obwohl ich die Schweißarbeiten bezahlen will, darf ich dem Meister kein Geld dafür geben. Über diesen Meister lerne ich auch Mirza kennen, der hier das Schweißen gelernt hat, dann nach Deutschland auswanderte, dort 42 Jahre lebte und nun als reicher Mann nach Rawalpindi zurückgekehrt ist. Ich besuche ihn dort, lerne seine Nichte kennen, die mir die „Quaid-i-Azam“ (Titel von Jinnah, dem Gründer Pakistans, als Führer der Nation) -Universität, an der sie studiert, zeigen wird. So funktioniert hier meine Reise. Aus einem Kontakt werden ganz schnell mehrere!

Eindrücke vom Stadtverkehr

Die Situation auf den Straßen wird immer anarchischer, das Fahren auf den Dächern von Bussen und Taxis ist normal. Meine Frau würde hier im Straßenverkehr einen Herzinfarkt nach dem andern bekommen!

Zwei Tage mit Rashid Ali 

Rashid Ali ist Elektroingenieur und arbeitet in Islamabad bei der staatlichen Elektrizitätsversorgung. Zwei Tage lang darf ich ihm bei seiner Tätigkeit zuschauen und lerne eine Menge über den Umgang mit den Menschen, die als Bittsteller in sein Büro kommen. Nachmittags besuchen wir die Baustellen in seinem Bezirk und begutachten die Sicherheitsvorschriften, die eingehalten werden müssen. Strom ist egal wo supergefährlich! Ich schlafe zwei Nächte in seinem Haus in Rawalpindi und bekomme Einblicke ins Innere des Familienlebens. 

Mirza und seine Nichte

Im Berufsverkehr in die Innenstadt von Rawalpindi zu fahren ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Mirza empfängt mich am vereinbarten Treffpunkt. Da es keine Hausnummern gibt, zählen hier (wie auch im Iran) nur die Straßenkreuzungen als Orientierungspunkte; also Banni Chowk/Kohatti Bazar. Er will mit seinen 67 Jahren in die Politik seines Landes gehen für die Muslim Liga (PML-N), um seine deutschen Erfahrungen seinem Land zugute kommen zu lassen. Eine gute Idee. 
Seine Nichte Simran treffe ich ohne Hijab im Haus und vereinbare ein Treffen an ihrer Universität. 

Rückfahrt nachTaxila

Der Wetterberichr sagt Schnee voraus für die nächsten Tage. Die Sicht auf die Berge wird fehlen und der KKH wird auch nicht besser zu befahren sein. So entscheide ich mich für die Rückreise nach Islamabad. Der Besuch der 2300 Jahre alten buddhistischen Ghandara-Kultur steht auf dem Programm…

Die Ghandara Kultur

Das erste buddhistische Königreich wurde von ASHOKA gegründet. 200 Jahre nach dem Tod von Buddha (480 v. Chr.) entstand 30 km vom heutigen Islamabad entfernt an der Grenze vom Flachland zu den Bergen ein bedeutendes Kulturzentrum für die nächsten Jahrhunderte.  Manche Archäologen sprechen von einem „buddhistischen Rom“. Zahlreiche Bildungseinrichtungen und Klöster wurden auf den Hügeln um das antike Taxila gegründet und die älteste Stupa in Pakistan errichtet. Eigentlich waren die Menschen hier eine längere Zeit Buddhisten als Muslime! Bis die weißen Hunnen kamen… Sie zerstörten die Klöster und töteten die Mönche. 
Nach dem Kloster Jaulien besuche ich das Museum von 1928 (so ist es auch organisiert, leider) und am Abend das Dharmarajika-Kloster, wo ich antike Münzen zum Kauf angeboten bekomme, diese aber grundsätzlich nicht annehme!

 

Das ist die Luftaufnahme des Klosters Jaulien. An dem kreisrunden Platz stand die große Stupa über dem Tempel. An der Außenmauer befanden sich die Klosterzellen.

Im Museum steht der vielstöckige Turm, der die Kuppel einer Stupa krönte.  

Eine typische Buddha-Statue aus der graeco-baktrischen Zeit (dem 2. vorchristlichen Jahrhundert). Der griechische Faltenwurf sitzt perfekt, nur die hängenden Ohrläppchen und die mandelförmigen Augen passen nicht zu einem griechischen Philosophenkopf.

Die Ruinen der ältesten Stupa in Pakistan, vom König Ashoka (ca. 280 v. Chr.) gegründet, später aber überbaut.  Vor 1800 Jahren sah die Gegend aus wie das heutige Tibet; jedes Dorf hatte seine eigenen Stupa und ein kleines Kloster, jede größere Stadt eine buddhistische Bildungseinrichtung.

Rakaposhi

Mit fast 8000 m die „Königin der Berge“ im Karakorum-Gebirge. Und ihre Nordwand erreicht eine Höhe, die die Rupalwand noch überflügelt: 6000 m steil ragt sie in den Himmel. Wer stand schon jemals in seinem Leben vor so einer gewaltigen Pyramide?

Von Gilgit nach Hunza

Der Karakorum Highway zeigt sich nun von seiner schönsten Seite: die Siebentausender lassen sich bewundern. Nicht nur als einzelne Berge wie der Rakaposhi, sondern als eine ganze Kette! Nachdem ich eine Nacht am Rakaposhi View Point über dem Dörfchen Ghulmet verbracht habe, fahre ich weiter nach Hunza, das auf der Südseite der KKH liegt. Es ist zwar verlockend, dem Rakaposhi zu Fuß etwas näher zu kommen, aber die Nordseite liegt bleibt um diese Jahreszeit den ganzen Tag im Schatten. Das macht keinen Spaß.
Hunza wird aus vielen Gründen gepriesen: Zum einen hat man vom „Eagels Nest View“ einen traumhaften Blick auf die Schnee- und Eisgiganten,  zum anderen sind die Menschen hier viel offener und aufgeschlossener als im komservativen Schiiten-Gilgit. Denn hier wohnen Ismailiten, eine eigene Richtung der sog. Siebenter-Schiiten (statt 12 nur 7 Imame in der Nachfolge). Das Wichtigste ist aber die gute Bildung der Menschen hier durch die Agha-Khan-Stiftung  (Agha Khan ist der religiöse Führer der Ismailiten) und die Möglichkeit für Frauen, sich frei ohne Hijab durch den Basar bewegen zu können. Wenn doch alle Muslime so denken, fühlen und handeln würden!

 Gilgit und seine Hotels

Nach dem Ausflug zum Nanga Parbat führt mich der Karakorum Highway (KKH) zur Provinzhauptstadt von Gilgit-Balistan. Hier versuche ich ein Hotel zu finden, in dem ich warm duschen kann. Das ist aber nicht selbstverständlich! Denn in den „günstigen“ Hotels gibt‘s keine fließend warmes Wasser. Das drei Sterne „Park Hotel“ endlich verfügt über warmes Wasser, aber nur früh morgens zwischen 8 und 10 h. Außerdem fällt der Strom für längere Zeiten aus, so dass ich lieber im Browny den Nachmittag verbringe als im Hotelzimmer. Denn das Zimmer ist zudem ohne Heizung!! Und nach Sonnenuntergang wird es empfindlich kalt. Erst als ich bemerke, dass die anderen pakistanischen Hotelgäste eine separate Gasheizung auf ihren Zimmern haben, ordere ich an der Rezeption auch eine Gasflasche mit Flammengitternetz… 

Nanga Parbat

Der Schicksalsberg von Reinhold Messner vor 52 Jahren wartet mit seinen 8100 m auf das überwältigende Erlebt- und Bestauntwerden durch den Menschen  heute und in Zukunft.

Die Rupalwand - 5000 m hoch

Der berühmte Aufstieg der Herrligkoffer-Expedition im Jahr 1970 verlief über die Südseite des Nanga Parbat. Hier ragt die Rupal-Wand 5000 m in die Höhe und zählt damit zu den gewaltigsten Steilwänden der Welt. Um sich das zu verdeutlichen, kann man versuchen, den Mont Blanc ans Mittelmeer zu versetzen und dann die knapp 5000 m zu erleben. In den Alpen selbst steht man ja bereits auf mindestens 2000 Höhenmetern.
Nun wollte ich diesen Anblick der Rupalwand suchen, aber es ist mir nur teilweise gelungen. Vom Industal führt der Weg ins Tal des Astore zum gleichnamigen Städtchen auf 2300 m, dann biegt man insTal des Rupalflusses ab und muss auf einspurigen Wegen, der Asphalt ist nur stellenweise vorhanden, bis auf 3000 m nach Tarshing. Von hier starten die Expeditionen auf und dieTrekking -Touren um den Naga Parbat. Es geht nur zu Fuß weiter!
Meine kleine Tour führt mich zum Dorf Rupal - zwei Stunden hin und zwei zurück. Das Dorf selber hat zwei Schulen: eine für Mädchen, eine für Jungs. Die Dächer der Häuser tragen bunte Wellbleche, die in die 5 Monate währende Schneelandschaft echte Farbe bringen! Das Leben hier ist hart! Außer in den kurzen Sommermonaten wächst ja nichts. Die Ziegen grasen zwar überall, aber Gemüse und Getreide wachsen nur sehr begrenzt. Als lokaler Führer und Träger gibt‘s ein Einkommen, aber auch ein Auskommen? Ich bewundere die Menschen für ihren Überlebenswillen hier oben!
Leider versperrt in Rupal  immer noch ein Bergrücken die volle Sicht auf die Rupalwand. Man muss bis zum Herrligkoffer-Basislager auf 3500 m gehen, um die volle Aussicht zu haben. Das ist jetzt nicht machbar…

Sogar die Bäume werden im Winter geschützt. Mit Lappen oder Reisig.

Damit endlich klar wird, dass diese Gegend des Himalaya aus Granit besteht! Das Funkeln des Glimmers ist in Wirklichkeit viel intensiver!

Nicht nur das roter Dach besticht in seiner Wirkung. Auch der zweigeschoßige Ausbau ist typisch: entweder zum Wohnen oder fürs Lagern von Heu.

Die Nahaufnahme des Gipfels

Leicht verwechselt man den viel näheren Gipfel des Rahkhot mit seinen „nur“ über 7000 m mit dem Nanga Parbat. Es folgen Bilder von ersterem mit seinen Gletschern und jetzt trockenen Gletschenmoränen.

Karakorum Highway

Bei strahlendem Sonnenschein wage ich den Versuch, nach Nordpakistan in die Region von Gilgit-Balistan vorzudringen. Eigentlich ist es Anfang Dezember nicht mehr möglich, Trecking -Touren im Karakorum-Gebirge, das sich bis 8000 m erhebt, zu unternehmen, Aber anschauen möchte ich die Berge in jedem Fall. Denn so schnell komme ich nicht wieder hierher…

Das Industal als Kontinentalscheide

Was ich vorher auch nicht wusste: Der längste Teil des Karakorum Highways verläuft im Tal des Indus, wobei Tal eine nette Formulierung ist. Es ist größtenteils eine gewaltige Schlucht zwischen himmelhoch ragenden Bergen, und der Indus schäumt grau wie flüssiger Beton in seinem „Bett“, in das er sich selbst gefressen hat. Das große Problem: Diese Straße wird nie fertig gebaut sein, da nach Starkregenfällen Steinbrocken und Geröllmassen von oben auf die Fahrbahn stürzen und diese im besten falle nur blockieren, im schlimmsten Fall aber zerstören, so dass es ständig Baustellen gibt, vor denen ich auch oft warten musste…
Hier im Industal stoßen die zentralasiatische und die indische Kontinentalplatte aufeinander. Wobei man sich die Präsensformulierung in der Vorstellung aktualisieren muss: In der geologischen Neuzeit der Erde, also im Tertiär vor ca. 20 Millionen Jahren, schiebt sich die indische Platte von Süden her driftend unter die zentralasiatische und hebt diese auf 5000 m an (das heutige Tibet) und faltet sich selbst zum Dach der Erde hinauf! Welch gewaltige Kräfte wirken da, welches dumpfe Grollen und ohrenbetäubende Krachen muss zu hören sein? Heute sehen wir nur das geronnene, stumme Werk dieses Prozesses.

Wut und Ohnmacht - mutige Proteste im Iran

Solange ich im Iran war, konnte ich auf meiner Website nichts schreiben. Aber jetzt, mit einer pakistanischenSIM-Karte ausgerüstete, muss ich kommentieren, was ich in den zwei Wochen im Land gehört und erfahren habe. Die Zustände zwischen dem Volk und der herrschenden Mullah-Regierung sind katastrophal! In Deutschland sieht man zwar auch Bilder von sog. Gegendemonstrationen, aber das sind weniger als 5% der Bevölkerung, die nach den Freitagsgebeten von den Mullahs aufgefordert werden, Bilder fürs Fernsehen zu produzieren. In keiner Weise entspricht das der Wirklichkeit im Iran. Als ich im Mai und Juni das Land besuchte, wollte JEDER junge Mensch raus aus seinem Staat - irgendwohin ins Ausland; alles sei besser als unter dem Zwangsregime leben zu müssen. Das hatte mich befremdet und ich wollte den Student*innen Mut machen zu bleiben und für Veränderungen zu kämpfen. Nun ist es passiert! All diese jungen Menschen, die Teenager und Twens, rebellieren unter dem Einsatz ihres Lebens. 
Das große Problem sind nicht die Mullahs unter ihrem geistlichen Führer Chamenei, nein. Die wahre Macht im Staate haben die Revolutionsgarden, die zwar  von Chamenei kontrolliert werden, die aber mittlerweile ein eigener Staat im Staate sind: Die SEPAH ist größer und stärker als die Armee und die Polizei!! Das wollte ich zuerst nicht glauben. Alle Menschen, mit denen ich sprechen konnte, versicherten mir aber, dass selbst die Abgeordneten im Parlament zu 90%  Sepah- Mitgliedern sind!
Man erkennt sie an der schwarzen Uniform, die sie tragen. Und nun:  Da diese Revolutionsgaren auf der Straße keine Namen, Nummern oder Kennzeichen tragen wie jeder Polizist oder Soldat, bleiben sie anonym, d.h. keiner erkennt sie, wenn sie auf den Straßen der Städte Menschen quälen oder ermorden! Im scheinbaren Schutz der Unerkennbarkeit erlauben sie sich alles! Es ist wie bei der SS oder beim KGB, niemand zieht sie zur Rechenschaft - jetzt. Aber alles spielt sich auf der Bühne der Weltöffentlichkeit ab! Die Videos der Brutalität der Geheimpolizei werden von den Aktivisten ins Netz gestellt und wir können alles sehen! Nicht die einzelnen Täter können ermittelt werden, dafür wird das System bloßgestellt! Olaf Scholz hat recht, wenn er sagt, die Revolutionsgarden sind eine „terroristische Organisation“. Ja, dreimal ja! Und dafür ist Chamenei verantwortlich! Die Mullahs und das Parlament fordern jeden Tag, mit voller Härte gegen die Protestierenden vorzugehen. Sie bezeichnen die Demonstraten als „Feinde Gottes“! Und deswegen verdienten sie die Todesstrafe! Die ersten Todesurteile sind bereits verhängt, um alle abzuschrecken, die weiterkämpfen wollen. Die Angehörigen werden unter Druck gesetzt, sie müssen für ihre inhaftierten Kinder tausende Euro umgerechnet bezahlen, um sie freizubekommen; sie müssen sich öffentlich vom Verhalten ihrer Kinder distanzieren und das Lied der „Regierung“ singen. 
Für mich als Deutschen ist es im Iran nicht ganz ungefährlich, da spätestens seit der Äußerung unseres Bundeskanzlers jeder deutsche Staasbürger ein Feind Gottes ist!! Also bin ich im Zweifelsfall der Blaphemie schuldig… 
Die Tage diese Systems sind gezählt. Der Zeitpunkt, an dem es fällt, ist ungewiss; spätestens seit dem „blutigen November 2019“ hat die Regierung ihre Basis verloren. Die ärmeren Bevolkerungsschichten protestierten damals gegen eine Erhöhung der Benzinpreise. Und ihr Protest wurde blutig niedergeschlagen; es gab hunderte, ja mehr als tausend Tote. So wandte sich das Volk schon damals vom islamischen System ab. Noch haben mächtige Schichten ihre Stimme nicht erhoben. Die Proffessoren an den Universitäten im Lande halten zurück, da sie ja Staatsdiener sind. Wenn aber sie, die Unternehmer, und die oft schweigende Mehrheit im Lande ihre Stimme erheben wird, dann bringt das Wind unter die Flügel derProtestierenden  und Gegenwind für die Mullahs, die ja die Ursache für die Kravalle dem „globalen Westen“ in die Schuhe schieben. Dann wird das die Stimme aller Iraner*innen im eigenen Lande sein. 

Devise: Schnell durch den Iran

Nach der erfolgreichen Reparatur der Solarpanele habe ich nur einen Wunsch: möglichst schnell und unter einer Tarnkappe durch den Iran bis zur pakistanischen Grenze zu fahren. D.h. ich benutze nur die Autobahnen, auch zum Übernachten stelle ich mich zu den LKWs auf den Raststätten. So bleibe ich in der Tat unbehelligt und kann innerhalb von drei Tagen die Strecke von 2000 km zurücklegen, ich fahre also jeden Tag 700 km, was mit meinem Browny und seinen 80 Stundenkilometern bedeutet, dass ich mit mit Pausen von früh bis spät unterwegs bin.

Taftan Border

An der Grenze hilft Hamid, „the King of Taftan border“ den Touristen. Über eine WhatsApp-Gruppe vernetzt, kommt er tatsächlich an einem Freitag, dem muslimischen Sonntag, um 8.00 h von Zahedan 80 km gefahren, um zu übersetzen (kein Grenzpolizist scheint englisch sprechen zu können?!) und genau zu wissen, woher ich alle Stempel fürs CdP bekomme,…

Durchs wilde Balutschistan

Wer hätte das gedacht, dass die Weiterreise durch Pakistan soviel mit Polizei, Eskorte, Warten und ewiger Fahrerei zu tun haben würde? Es gibt zur Zeit keinen aktuellen Reiseführer für Pakistan; meiner ist von 2011! Also muss ich erst mal einen ganzen Tag auf die nächste Eskorte warten, da nur alle zwei Tage die sog. Levies fahren. Die Levies sind eine Art von Polizei, die auch für den sicheren Transport derTouristen zuständig ist (wegen der Grenznähe zu Afghanistan!). Darüber hinaus regeln sie aber auch die Bestrafung von Dieben, etc. An der Levies Station in Taftan bekommen wir hautnah mit, wie ein junger Pakistani festgenommen wurde, weil er ein Handy gestohlen habe. Er wird erst einmal mit Faustschlägen, dann mit einem Lederriemen verprügelt; die Schreie, die Schläge… All das ist für uns Mitteleuropäer so fremd und mittelalterlich! Als ich einen Levie-Uniformierten frage, ob der Dieb nach seiner „Behandlung“ freigelassen würde, bekomme ich zur Antwort, nein, er werde dem Richter vorgestellt. Also wird er zweimal bestraft werden? Seit den Römern gilt der Grundsatz, dass man nur einmal für ein Vergehen bestraft werden darf!
Es folgen Bilder vom Basar in Taftan und von der Fahrt bis Quetta, der 630 km weiter entfernten Großstadt im Osten der Provinz Balutschistan. Dafür brauchen wir zwei Tage, da die Eskorte alle 50, 40, 30 20, und zuletzt alle 10 km wechselt. Und jedesmal müssen der Reisepass, das Visum, das Nummernschild gecheckt werden. Das dauert gefühlte Ewigkeiten. Für nichts! Abends müssen übernachten wir in der lokalen Polizeistation, was sich wie ein Gefängnis anfühlt, bzw. auch ist: Wir schlafen neben den Gefangenen, die im Käfig wie im Zoo untergebracht sind.

Von Quetta bis Islamabad

Drei Campervans sind es, die die Levies auch nach Quetta weiterbefördern wollen, müssen… Ein deutsches Paar mit einem Oldtimer-Mercedes LKW und eine dänische Familie im Landrover mit zwei Dachzelten. Da es abends auf 1500 m Höhe recht schattig wird, treffen wir uns im Caravan-Heck des Mercedes und unterhalten uns sehr nett. Wir sehnen uns die Grenze von Belutschistan herbei, doch in der nächsten Provinz, der Khyber Pashtun Khar (KPK), müssen wir immer noch weiter begleitet fahren, bis wir die Grenze zum Punjab (dem Herzen Pakistans, der „Fünf Flüsse Provinz“) erreichen. Die Straßen durchs Gebirge ins Industal hinunter sind abenteuerlich, da der  heftige Monsunregen von September gerade in den Bergen zu Erdrutschen geführt hat. Die Straße ist an manchen Stellen weggerissen, so dass wir in Abgründe blicken, oder sie ist durch Steine, Geröll und Schlamm blockiert und nur einspurig zu durchqueren, was bei dem regen LKW-Verkehr nicht immer ein Vergnügen ist… Leider kann ich keine Fotos liefern, da ich immer hinterm Lenkrad saß. Jede*r mache sich sein eigenes Bild in der Vorstellung.

Islamabad, die Hauptstadt Pakistans

Nach vier Tagen erreichen wir endlich im Dunkeln den „Jasmin and Roses Gardenparc“ im Osten der erst 50 Jahre alten Stadt. Sie wurde neu im Norden von Rawalpindi, wo auch das Hauptquartier der pakistanischen Armee stationiert ist, nach altrömischem Stadtmuster, also in Quadrate unterteilt, erbaut und ist natürlich schick und präsentiert sich modern. Sehr beeindruckend ist für mich am nächsten Morgen, dass es den Frauen erlaubt ist, ohne Hijab herumzulaufen! Im Iran eine Unmöglichkeit! Wer hätte das gedacht, dass in der Islamischen Republik Pakistan so etwas möglich ist? Ich bin hoch erfreut zu sehen, dass zumindest dieser Zwang hier nicht herrscht. Neben dem Kauf von SIM Karte, Essen und dem Geldholen vom ATM-Bankautomaten mit Plastikkarte ist erst einmal Entspannung angesagt. So fahre ich nachmittags in die Berge nördlich der Stadt, von wo aus man einen herrlichen Blick auf Islamabad hat. Allerdings sind die Affen dort oben sehr dreist und reißen jedem, der etwas zu essen bei sich trägt, die willkommene Nahrung aus der Hand!

Wiedersehen im Iran

In Tabriz treffe ich Mohsen und seine Freunde wieder. Wie feiern das Wiedersehen im Browny.

In der Shisha-bar in Tabriz

Unser Wiedersehen ist herzlich und fröhlich. Mohsen arbeitet in seiner Offroad--Werkstatt tagsüber und abends entspannen wir in einer Shisha-Bar, in der aber nur Männer sitzen und Backgammon spielen. Da wir heute, am Mittwoch, den 9. November, den 40. Tag nach dem „Zahedan killing“ erleben, darf ich nicht weiterfahren. Es sei zu gefährlich, sagt Mohsen. Denn überall in den Städten wird protestiert. Am 7. und am 40. Tag nach dem Tod eines Menschen wird in der islamischen Tradition getrauert. Wir erinnern uns an die Bilder vom 40. Trauertag von Mahsa Amini aus der kurdischen Provinz: Tausende Menschen kamen zu ihrem Grab, obwohl die Familie von den Besuchen abraten musste! So bleibe ich am einen Tag länger…

TOTALSCHADEN DER SOLARPANELE

Auf dem Weg von Tabriz nach Zanjan kracht es fürchterlich auf dem Dach des Alkovens: Ich halte sofort auf der Autobahn und steige nach oben. Owen! Die  Solarpanele ist aus der vorderen Verankerung gerissen und har sich durch den Fahrtwind nach hinten umgeklappt! Das Glas ist zerbrochen. Ich muss alles abschrauben und ins Innere verfrachten. Dann entscheide ich mich, wieder nach Tabriz  250 km zurückzufahren, um die Reparatur bei Mohsen durchzuführen.

Ursachenforschung und Hilfe

Nicht der Kleber ist schuld, sondern die braune Farbe  von Browny! Ich hatte sie angeschliffen, aber nicht völlig entfernt. Jetzt rächt sich dieser Fehler. Denn die braune Lackfarbe haftet nicht richtig auf dem Glasfaserkunststoff und reißt sich von diesem Untergrund einfach los! Wer denkt denn schon daran, dass sich der Lack eines Autos von der Karosserie löst?! Also muss ich eine neue Art der Befestigung finden:
Hamid, ein Experte für GFK-Behandlung kommt und hilft, indem er den Lack komplett abschleift, eine neue ca. ein Zentimeter dicke GFK-Schicht in mehreren Lagen aufbringt und dann genügend Material hat, um die Träger der Solarpanele mit Schrauben und Kleber zubefestigen! Das braucht Zeit, aber die habe ich ja…

On Tour again

Es ist endlich soweit! Am ersten Novembermorgen zeigt sich die Sonne strahlend um 7.00 h auf der Autobahn nach Dresden. Ich kann wieder “dersonneentgegen”fahren.  

Gleicher Ort - vier Monate später

Nach genau einer Woche Fahrt und 4000 km Entfernung von zu Hause stehe ich wieder da, wo die erste Tour enden musste: an der Grenze von Türkei und Iran. Der Vulkankegel des Ararat mit seinen 5100 m Höhe im Hintergrund. Es war eine ziemlich anstrengende Fahrt bis hierher. Am jedem Tag fuhr ich von Sonnenaufgang bis -untergang. Denn mit dem Landcruiser und seinen 80 Stundenkilometern im Schnitt benötigte ich für 600 km Tagesleistung ca. 8 Stunden reine Fahrzeit! 

Aber wie gefährlich ist es jetzt im Iran?

Kaum war ich losgefahren, da gab das Auswärtige Amt seine Reisewarnung für den Iran heraus. In allen Zeitungen und im Fernsehen war zu hören, dass alle Deutschen, die sich im Iran aufhalten, ausreisen sollen. Richtig ist, dass es zu willkürlichen Festnahmen und Verhaftungen von Touristen kam, da die Regierung und besonders der geistliche Führer Chamenei davon ausgehen, dass hinter den anhaltenden Protesten “der Westen” und Israel stehe. Also sind wir schuld! Die Unzufriedenheit im eigenen Land mit der Regierung , der Sittenpolizei und dem religiösen Zwang wird einfach ausgeblendet. Das größte Problem ist, dass es keinen Dialog zwischen den Herrschenden und den Demonstrierenden gibt! Die Fronten sind total verhärtet! Wie soll das enden? Die Gewalt wird zunehmen, das Blutvergießen weitergehen…
Die Entscheidung, trotzdem in den Iran zu reisen, fiel mir nicht leicht. Natürlich werde ich die großen Städte meiden, wo die Sicherheitspolizei auf den Straßen unterwegs ist. Auf den Autobahnen werde ich versuchen, so schnell wie es geht, die 2500 km quer durch den Iran fahren - von Tabriz  im Nordwesten bis nach Zahedan im Südosten. Drückt mir bitte die Daumen.

Stimmungsbilder von der Durchreise und schöne Stellplätze

Internet und Kommunikation im Iran eingeschränkt?

Morgen früh, also am Montag, den 7.11. 22, will ich hinter Dogubayazit die iranische Grenze überqueren. Wie es dann mit Internetzugang durch SIM-Karte oder WLAN aussieht, weiß ich nicht, da mit Einschränkungen zu rechnen ist.  Wann werde ich mich wieder melden können?

Abschied von zu Hause

Drei Monate habe ich zu Hause verbracht. Die Beerdigung meiner Mutter mit der Auflösung ihrer Wohnung stand im Vordergrund; dann folgte eine nicht geplante Geschichtsepoche in der achten Klasse meiner “alten” Schule, die vier Wochen bis zu den Herbstferien dauerte. Und dann vergingen die Ferien mit Silvia im Teutoburger Wald wie im Fluge! Kaum war “der Braune” zur Abfahrt fertig gepackt, da hatten wir einen Springbrunnen im Garten von dem defekten Wasseranschluss: Das alte Eisenrohr von der Straße zum Haus war am Absperrhahn durchgerostet und musste sofort erneuert werden. Das hieß, wir durften den Urwald von Haselnusssträuchern und Jasmin  roden, damit der Bagger sein Werk verrichten kann…

Der Plan ?

Möglichst schnell durch Europa hindurchfahren bis nach Istanbul, dem Tor zum asiatischen Kontinent. Das bedeutet 2500 km Fahrt bis dahin.
Das Bild zeigt einen Übernachtungsplatz in der Slowakei: das Schloss von Malacky. 

So schön

kann Deutschland sein: der erste Übernachtungsplatz auf der Heimfahrt im August hinter der tschechischen Grenze bei Bad Gottleuba - direkt auf dem abgemähten Feld mit Frühnebel kurz vor Sonnenaufgang.

“Der Sonne entgegen”-Neustart geplant

Die Reisevorbereitungen für den zweiten Anlauf sind in vollem Gange: Das neue Iranvisum und das taufrische Pakistanvisum habe ich bereits ausgedruckt. Das Visum für Indien ist in Arbeit und soll für ein Jahr gültig sein. Außerdem wird mein wunderbarer Toyota nach über 20000 km Fahrt in den Iran und zurück jetzt überholt und die Kabine repariert. Die Seitenfenster habe ich bereits ausgebaut, Abdunkelungsrollos und Fliegengitter gängig gemacht und die Fensterrahmen von ParaPress (Vorgänger von Seitz und Dometic) mit Butyl-Dichtungsmasse eingebaut. Und, und, und…