Breaking News:
Ich habe das Visum für China endlich erhalten! Damit kann ich den Transit durch Tibet über China nach Laos wagen. 4300 km in 15 Tagen im Konvoi mit 6 weitern Overlandern auf 3 Autos verteilt. Heute geht’s los zur Grenze von Nepal und Tibet!
AnkuranWaldorf-school
Die Ankuran Waldorfschule nur ein Teil des größeren Projektes, der Kevin Rohan Memorial Eco Foundation. Der Gründer Krishnan Gurung möchte die umfassende Erneuerung von Kultur, Wohnen, Landwirtschaft, Medizin und Pädagogik praktisch zeigen. Eben nicht nur in der Theorie, sondern in gelebter Praxis. Seit 15 Jahren existiert das Projekt am Südrand von Kathmandu direkt am Fuß der steil aufragenden Berge.
Neue Ideen in die Praxis umgesetzt
Krishnas Vater hatte Lepra und kam zu Shanti (s.u.), wo man ihm half. So kam der Sohn in Kontakt mit der Anthroposophie und arbeitete viele Jahre als Geschäftsführer in Shanti. Nach dem Tod seines Sohnes wurde alles anders und so gründetet er die Kevin Rohan Memorial Eco Foundation. Zuerst wurde eine lokale Klinik eingerichtet, dann folgten bio-dynamische Landwirtschaft, ökologisches Bauen mit alten Glasflaschen, alternative Energieversorgung , ein Bio-Restaurant, ein Waldorfkindergarten und last not least eine Waldorfschule für die Kinder in der Umgebung. Und es ist die erste Schule in Nepal auf eigenem Boden und einem eigenen Gebäude!
Zur Zeit gibt es 5 Klassen, aber es ist Platz für 8, so dass die Kinder wirklich ihre Klassenlehrer-/Volksschulzeit hier verbringen und mit einem staatlichen Zertifikat abschließen könnten. Oben auf dem Dach ist sogar der Bau eines kleinen Saals geplant, in dem sich die Schulgemeinschaft treffen kann. So etwas haben die wenigsten Waldorfschulen in Indien!
Ein Magnet für internationale Kooperation
In der Foundation arbeiten gerade, als ich am Tag der Sommersonnenwende ‘23 ankomme, mehr als 20 amerikanische Student*innen. Sie helfen beim Bau einer neuen, größeren Klinik. Alles in Handarbeit, Fundamentbau, Setzen von Stahlbetonpfeilern, usw. Es ist beeindruckend, wie engagiert die jungen Menschen in der Erde schuften. Zwei französische Studentinnen aus Toulouse erstellen eine digitale Datenbank für die Patient*innen. Wir treffen uns zu den Mahlzeiten in “Leelas Bio-Restaurant”, das oben auf der Dachterasse einen wunderbaren Ausblick auf das Kathmandu Valley bietet. Während ich diese Zeilen schreibe, kann ich zum ersten Mal sogar die Bergspitzen des Lang Tang sehen, die immerhin über 7000 m hoch sind!
Nagarkot
Mein Ausflug in die Berge um Kathmandu lässt mich dem Trubel der Großstadt entkommen und ich genieße das Wochenende hier oben in der Natur. Der Nagarkot erhebt sich 2000 m hoch und bietet den idealen Aussichtspunkt für Sonnenauf- und -untergänge. Um 5.00 h morgens ist die Himalaya-Kette vom Annapurna über Lang Tang bis zum Mount Everest zu sehen!!
Shanti
Ein Paradies in Kathmandu für Menschen in Not. Seit über 30 Jahren hilft die Shanti Leprahilfe kranken Menschen in Not. Marianne Grosspietsch aus Dortmund gründete damals eine Klinik mit REHA-Einrichtung. Und für die Kinder dieser armen Familien eine Waldorfschule. Warum? Weil ihre Söhne in Dortmund zur Waldorfschule gingen. Und so eine Pädagogik wünschte sie sich auch für die Kinder in Kathmandu. Seit Anfang Juni lebe ich hier im Gästehaus und mentoriere die Klassenlehrer der sieben Shanti-Klassen.
Die Shanti-Familie
Was ist das Besondere in Shanti? Die Kranken, Behinderten, Kleinkinder, Kinder und Jugendlichen leben hier zusammen in einer Familie. Jeder fühlt sich für den anderen mit verantwortlich und hilft ihm. Kleine Waisenkinder werden von den Großen betreut und bemuttert, die körperbehinderten Erwachsenen helfen den Kindern, die hier in einem Mädchen- und Jungengebäude zusammenleben. Es herrscht eine friedliche Atmosphäre, eben Shanti, auf dem gesamten Areal. Nach der Schule spielen die Kinder aller Alterstufen fröhlich miteinander Plumsack, springen übers Seil oder kicken mit einem Ball.
Und in den Klassen? Ich erlebe eine konzentrierte Lernbereitschaft, eine Sehnsucht nach neuen Inhalten und Dankbarkeit gegenüber den Lehrer*innen. Disziplinprobleme gibt es einfach nicht. Es hört sich merkwürdig an, aber selbst wenn der Unterricht mal langweilig ist, bleibt es in der Klasse ruhig.
Nepalesische Musik und Tanz bildet die Shanti-Kulturfamilie
Jeden Freitag findet eine Feier im Rondell der Klinik mit allen Bewohner*innen von Shanti statt. Nepalesische Musik mit Harmonium und Tabla wird life gespielt. Und die Kinder singen gerne mit. Dann folgen nepalesische Tänze durch die größeren Schülerinnen, die sie in der Shanti-Tanzschule gelernt haben. Natürlich möchten sich auch die Kinder zu den Rhythmen bewegen und füllen die Bühne. Wer sitzt, klatscht dazu und freut sich am Geschehen. Ein Kulturgenuss! Da die Kinder, die hier wohnen, keine eigene Familie mehr haben, ist das Erleben der kulturellen Verbundenheit so wichtig und heilsam: Wir sind eine Kulturfamilie!
Shanti - a Waldorf-aspired School
Mittlerweile werden 90 Kinder in der Schule unterrichtet und 30 Kindergartenkinder betreut. Ein Teil der Schüler*innen kommt von außerhalb mit dem Schulbus hierher. Von neun bis drei Uhr ist Unterricht, danach noch Musik und Tanz. Das Kollegium trifft sich von drei bis vier für eine Stunde, um den Unterricht for den nächsten Tag vorzubereiten. Denn zu Hause haben die Lehrerinnen überhaupt keine Zeit: Sie müssen für die Familie kochen, die eigenen Kinder versorgen, Wäsche von Hand waschen (2 von 9 haben keine Waschmaschine!), usw.
In diesen beiden Juni-Wochen gebe ich täglich Seminare zu den Grundlagen der Waldorfpädagogik, zur Menschenkunde und zum Lehrplan. Un die Lehrer*innen verhalten sich wie die Kinder in den Klassen. Sie hören so aufmerksam zu und bedanken sich jedes Mal. Eine kontinuierliche Fortbildung ist so notwendig, da viele Lehrer*innen erst ein Jahr an der Schule unterrichten. Zum Glück gibt es Nima, eine erfahrenen Klassenlehrerin aus der Tashi Waldorfschule, die dreimal in der Woche zum Hospitieren und Mentorieren kommt.
Von Pokhara nach Kathmandu
Für 180 km von Pokhara nach Kathmandu musste ich am Pfingstsonntag acht Stunden mit dem Auto fahren, da fast die Hälfte der Stecke eine reine Off-Road-Piste ist. Am Abend besuche ich als erstes den “Kathmandu Waldorfkindergarden”, der dieses schöne Bild im Signet trägt.
“Kathmandu Waldorfkindergarden”
In der quirligen Hauptstadt Nepals tummeln sich fünf Waldorf- bzw. waldorfinspirierte Einrichtungen. Normalerweise ist Nana Goebels Buch über “Waldorf worldwide” von 2019 eine Fundgrube - und mein Reiseführer durch die Waldorfschul-Landschaften. Aber zu den neusten Entwicklungen findet sich nichts; na ja, vier Jahre sind eine lange Zeit für das rasante Wachstum in Kathmandu. Die Stadt zählt zu den am schnellsten wachsenden Städten Asiens. 1971 gab es 150 000 Einwohner, 2001 bereits 671 000 und heute 1 Million.
Der “Kathmandu Waldorfkindergarden”ist ohne Zweifel der hervorragend geführt Vorzeige-Kindergarten Nepals unter der Leitung von Sarita Shanghai. Sie selber ist hier geboren, aber ihre langjähigrn Erfahrungen als Erzieherin und Lehrerin konnte sie in Hyderabad/Indien machen. Nun gibt sie Ausbildungskurse in Nepal, begeistert Menschen und bringt die Qualität der Waldorfbewegung auf ein hohes Niveau!
Die alte Königsstadt Patan
Kathmandu liegt in einem 25 km breiten Becken, das von Bergen eingerahmt wird. Der Legende nach existierte im Tal ein See, das von einem Sohn Krishnas, Manjushri, trockengelegt und bewohnbar gemacht wurde. Die erste Stadt hieß Manju Patan. Im Laufe der nächsten 1000 Jahre entstanden in diesem Becken drei Königreiche: Patan, Kantipur und Bhaktapur, die miteinander rivalisierten. Um 1400 geriet das Tal unter die Herrschaft des Newar-Stammes mit seiner Malla-Dynastie. Jetzt entstanden die üppig geschmückten Palastbauten und Tempelanlagen. Hier folgen Bilder vom Durbur Square in Patan.
Drei Baustil-Richtungen auf einem Platz
Der in Stein erbaute Shivatempel am Eingang ist in klassisch-indischem Hindustil errichtet. Dahinter befinden sich die Pagoden-Tempel, wie sie für Nepal typisch sind: mit den mehrstöckigen Dachetagen in Holzbauweise. Und es gibt es die buddhistischen Tempel, wie den “GoldenTempel of Patan” aus dem 15. Jh. Friedlich lebten und leben bis heute hier die beiden großen Religionen, Hinduismus und Buddhismus nebeneinander, was typisch für Nepal ist.
Tashi Waldorfschool
Tashi zählt zu den ältesten Waldorfinitiativen in Kathmandu. Als Schule für die Kinder aus armen Familien gegründet war sie immer von Spenden abhängig gewesen, da die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen konnten. Fast 20 Jahre ging es gut, bis 2019 kurz vor Beginn der Pandemie die Schule schließen sollte. Aber dank des starken Willens der beiden Erzieherinnen, die bis heute die Basis für Tashi bilden, gab es einen Neustart in einem neuen Gebäude und neuen LehrerInnen wie Dil Maya, die schon aus Pokhara Waldorferfahrung mitbrachte.
Unterstützung bleibt notwendig!
In der Pfingstwoche hospitiere ich in den Klassen 1 bis 5 vonTashi und erlebe den 100-prozentigen Einsatz der Erzieherinnen und Lehrerinnen für die Kinder. Wenn das Geld am Monatsende nicht reicht, werden die Gehälter gekürzt, aber nicht das Mittagessen für die Kinder! Das ist eine eiserne Regel: Die Schule ist für de Kinder da! Da die finanzielle Situation immer noch unsicher ist, möchte ich auch die Leser*innen meiner Website um Unterstützung von Tashi bitten (über die Freude der Erziehungskunst, Stichwort Tashi). Hoffentlich kommen in Zukunft mehr Kinder aus der nepalesischen Mittelschicht in die Klassen, damit sich die Situation nachhaltig verbessert.
Link zum neuesten Rundbrief der Freunde der Erziehungskunst mit dem Artikel über Tashi:
Maitreya-Waldorfschool
Wir schreiben den 20. Mai 2023, in Nepal gilt ein anderer Kalender, der Vikram Sambat. Man lebt hier im Jahr 2080. Die Kinder der Maitreya Pathshala Waldorfschool schreiben jeden Morgen das nepalesische Datum in ihr Heft. Unterrichtssprache ist Nepali. In Pokhara bleibe ich für eine Woche und helfe den Klassenlehrerinnen.
Landwirtschaft und Schule
Der besondere Impuls dieser Schule liegt in der Kombination von Landwirtschaft und Schule. Zum einen bekommen die Kinder einen tätigen Einblick in den Umgang mit den Tieren und Pflanzen, zum anderen sichert die Landwirtschaft das finanzielle Überleben der Schule. Die Milch von den Kühen wird verkauft, das Gemüse für das tägliche Mittagessen landet auf den Tellern der Kinder, eine Biogas-Anlage liefert das Methan zum Kochen; die Ersparnis allein hierfür rund 500,-€ pro Monat.
In der Coronazeit konnten die Lehrer*innen nur durch den Hof überleben! Allerdings bedeutet das für Ritman Gurung, den 36-jährigen Gründer der Schule und seine Kolleginnen Bishnu und Assa, dass sie bereits um 5.30 h im Stall sind zum Melken, Füttern und Ausmisten. Auch nach der Schule muss die Arbeit am Hof verrichtet werden. Für deutsche Lehrer*innen, die über zu viel Arbeit klagen, wäre dies eine Zumutung. Hier begreifen die Mensches die bäuerliche Tätigkeit als Ausgleich vom Unterrichten und Erhalt der körperlichen Fitness. Ich ziehe den Hut ganz tief vor dieser Lebenseinstellung und -praxis!
Die Geburt eines Kälbchens
hautnah mitzuerleben ist ein Wunder! DieMutter schleckt ihr Kind mit der Zunge von oben bis unten sauber - die erste Ganzkörpermassage. Nach einer Stunde steht das Kälbchen bereits auf den eigenen Beinen; wackelig sind die ersten Schritte. Hatte ich alles gelesen, aber gesehen habe ich’s hier zum ersten Mal. Für die Kinder der Schule ist es immer wieder zu erfahren… Die Drittklässler haben ein Jahr lang die Aufgabe, die Tiere zu füttern und zu versorgen! Und sie lernen, dass das zum Leben dazugehört. Ganz selbstverständlich. Das hätte ich mir für meine eigenen Kinder auch gewünscht.
Bei schönem Wetter thronen die Berge des Annapurna-Massives über der Schule.
Hier erhebt sich de Machapuchre über der Stadt Pokhara.
Der Eingang der Schule wirkt sehr bescheiden.
Das Kollegium mit 5 Klassenlehrer*innen
Es gibt also fünf Klassen, aber die bestehen aus jeweils zwei Schuljahren. Also müssen die Klassenlehrer*innen sich jeden Tag überlegen, wie sie den Stoff für zwei Klassenstufen in einen Hauptunterricht packen können. Außerdem decken sie fast den gesamten Fachunterricht ab, bis auf Handarbeit und Eurythmie geben sie alles: Englisch, Sport, Malen, Plastizieren, Zeichnen, Gartenbau, Werken, Übstunden usw. Sie sind von 9.30 bis 15.30 h ständig pädagogisch tätig.
Nepal - Traumziel fürs Trekking
-Albtraum für alle Autofahrer
Auch für angenehme Temperaturen im Mai ist Nepal mein Traumziel. In Indien klettert das Thermometer zur Zeit auf 40 Grad plus, was das Leben in meiner Landcruiser-Kabine unerträglich macht. Schlafen im Alkoven ist unmöglich, wenn die Sonne „Browny“ den ganzen Tag aufgeheizt hat. Bereits in Varanasi, meiner letzten Station in Indien (siehe Indien 2. Teil), hatte ich im Hotel mit Aircondition übernachten müssen. Also fahre ich in die Berge Nepals.
Fahren ist ein guter Einstieg in die Schilderung von der Fortbewegung in diesem Land. Die Entfernung von der Grenze bei Sonauli bis nach Pokhara, der zweitgrößten Stadt Nepals, beträgt 150 km. Aber die Fahrzeit dauert 8 Stunden, d.h. die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 20 km/h! Dies liegt zum einen an der kurvenreichen Strecke, zum anderen an dem sehr gewöhnungsbedürftigen Zustand der Straßen: Löcher in der Asphaltdecke, reine Schotterstrecken wegen weggerissener Fahrbahn, Baustellen, langsame Lkws, die man nur schlecht überholen kann…
Mein Motto: Ich habe alle Zeit der Welt und fahre tiefenentspannt durch tausende von Kurven! Und wirklich, ich genieße die Landschaft um mich herum, die Berge bis 2000 m, die kleinen Dörfer, die mühselig angelegten Terrassen für die landwirtschaftliche Nutzung und nicht zuletzt die kühlere Luft in der Höhe.
„Anna purna“
Welch ein musikalischer Klang für das berühmte Bergmassiv in der Mitte von Nepal! Und es ist der Magnet für alle Trecking-Tourist*innen, denn die sechstägige Wanderung zum Annapurna Base Camp bietet den spektakulären Blick auf den 8000 er, der wie ein großer Bruder aus der Runde seiner etwas kleineren Brüder herausragt. Nicht umsonst wird dieser Ort „Annapurna Sanctuary“ genannt: Ich befinde mich im Innern des Naturheiligtums, die Bergspitzen lenken den Blick wie Kirchtürme zum Himmel!
Pokhara aus Ausgangsort für alle Touren ins Annapurna-Gebiet
Die zweitgrößte Stadt Nepals hat 300 000 Einwohner und ist damit im Vergleich zu Indien eine Kleinstadt. Sie liegt an einem schönen See, an dessen Ufer die Herbergen, Hotels und Ausrüstungsgeschäfte um die Gunst der Trecking-Gäste buhlen. Und siehe da, ich treffe am Ufer die deutsche Familie aus Erfurt wieder, die ich schon in Amritsar vor fünf Monaten kennengelernt hatte. Es ist so viel Trubel hier, dass ich versuche, einen einsameren Ort zum Übernachten zu finden. Aber das ist gar nicht so leicht. Die einspurige „Straße“ in die Berge endet an einer Baustelle… Andere Wege zum Ufer sind zu gewagt selbst für mein Allrad-Mobil. Endlich, es wird schon dunkel, entdecke ich am Nordufer eine freie Fläche. Laut Google Maps befindet sich der Ort im Wasser… Also nichts wie hin!
Es ist die typische Situation: Ich bin niedergeschlagen, enttäuscht, ja verzweifelt; wie soll es denn jetzt weitergehen? Und dann plötzlich öffnet sich ein Tor, es findet sich ein schöner Ort aus dem Nichts: Welch glückliche Gelegenheit und alles ist gut!
Auf zum ABC !
ABC ist die Abkürzung von Annapurna Base Camp. Ich will es ausprobieren, ob mein linker Fuß wieder fit ist und funktioniert wie vor dem Bruch. Es ist allerdings ein gewagtes Abenteuer, da ich in den letzten vier Monaten nichts für meine Kondition tun konnte. Und jetzt soll mein alter Körper von 1500 bis auf 4130 Höhenmeter hinauf steigen?
Ich muss mir noch eine Erlaubnis zum Trekking für 3000 NRupies kaufen (fürs Annapurna Conservation Area Project), verzichte aber auf einen Guide, den ich verpflichtend mitnehmen sollte.
Die wahren Helden sind die Träger!
Ich parke Browny am Ende der Asphaltstrecke, die von Nayapool hinauf ins Tal führt. Hier im Dörfchen Siwai auf 1500 m Höhe übernachte ich und breche um 6.30 h zu Fuß auf. Allerdings ist der Weg eine Offroad-Strecke und ein Jeep nimmt mich ein Stück mit, bis es nicht mehr weitergeht. Der Weg windet sich in die Höhe, und es wird heiß! Wieder habe ich Glück und ein zweiter Jeep fährt zur langen Hängebrücke nach Jhino. Für 2,50 € steige ich gerne ein. Dann aber wird‘s ernst. Hinter der Hängebrücke geht der Pfad steil bergauf: HoheTreppenstufen führen nach Chomrong hinauf! Das ist eine Frage der Kondition; immer wieder muss ich Pausen machen.
Nach zwei Stunden Treppensteigen gönne ich mir in der „German Bakery“ einen Kaffee mit Apple Pie (Brot gibt‘s keins).
Weiter geht‘s nach Sinuwa hinauf, wo mich zwei junge Nepalis überholen. Sie haben 30 kg schweres Gepäck auf dem Rücken, tragen die Last aber per Band über der Stirn. Das ist die übliche Methode der sog. Porter. Ich komme mit ihnen ins Gespräch und frage sie nach ihrem Lohn. 2000 NRupies würden sie pro Tag bekommen, das sind 15€, von den sie aber Essen und Unterkunft selbst bezahlen müssten. Das schockt mich sehr! Da bleiben vielleicht 10€ Tageslohn übrig. Spontan drücke ich jedem 1000 NR in die Hand.
Machapuchhre - der Heilige Berg Nepals
Am nächsten Morgen stehe mit Sonnenaufgang gegen 5.15 h auf und mache mich auf den Weg nach Bamboo. Es geht durch dschungelartige Wälder mit Affen, Vögeln, Rhododendronbäumem und Epiphyten in den Astgabeln.
Und dann eröffnet sich die Aussicht auf den berühmten Berg Machapuchhre, was übersetzt Fischschwanz heißt. Viele Expeditionen hatten sich an seinen Flanken abgerackert, aber keine war erfolgreich gewesen. Es gab Tote und Verletzte, so dass die nepalesische Regierung im Jahr 1966 beschloss, keinen Permit für die Besteigung mehr zu erteilen. Seitdem ist dieser Berg heilig, dem Shiva geweiht!
Wer ihn einmal gesehen hat, wird seine Form nie wieder vergessen! Es ist wie beim Matterhorn in der Schweiz.
Senkrechte Wände zu beiden Seiten
Am Ende des zweiten Tages dringe ich immer tiefer in die Schlucht hinein, die oben sich zum Talkessel weiten wird. Links und rechts von mir türmen sich die senkrechten Wände der 5000 Meter hohen Berge auf, Wasserfälle stürzen von den Felsen kilometerlang hinab. Die Kamera kann dieses Erlebnis überhaupt nicht einfangen und wiedergeben. Diese Dreidimensionalität lässt sich eben nicht auf zwei Dimensionen reduzieren! Nicht der Mensch ist das Maß aller Dinge - zumindest nicht hier im Himalaya. Man empfindet so etwas Bescheidenheit im Angesicht der Urgewalt dieser Natur…
Selbstzweifel, Gelassenheit und Motivation
Am Ende des zweiten Tages erreiche ich das Lager „Himalaya“ auf knapp 3000 m Höhe. Ich bin froh, dass ich es bis hierhin geschafft habe. Erschöpft mit Muskelkater und schweren Beinen falle ich erst mal ins Bett, bevor ich mich mit den anderen Menschen auf der Hütte unterhalten kann. Der dritte Tag soll eigentlich zum Ziel führen, aber es sind auch 1200 Höhenmeter zu erklimmen. Wenn ich es nicht schaffe, sage ich mir, ist es auch nicht schlimm. Wem muss ich etwas beweisen? Niemandem! Es langt auch, wenn ich nur das Machapuchhre Base Camp erreiche, das den Blick auf den Annapurna freigibt. Mit dien Gedanken quäle ich mich fünf Stunden nach oben. Es wäre falsch zu behaupten, dass es Spaß machen würde. Das Wort „Wanderlust“ gibt‘s im Englischen nicht und auch nicht für mich.
Auf dem sogenannten MBC (dem Machapuchhre Base Camp) auf 3700 m mache ich Pause, und treffe eine Gruppe junger Nepalis aus Kathmandu, denen die Anstrengung auch ins Gesicht geschrieben ist. Mir geht es also nicht allein so. Das motiviert mich wieder! Also beschließe ich, gemeinsam mit ihnen zum ABC aufzusteigen. Über 4000 sollte ich auch nicht allein gehen. Die letzten 400 Höhenmeter erklimmen wir beschwingt und erreichen gegen 16 Uhr die Hütten in der Region des ewigen Eises.
Sonnenaufgang am Annapurna Sanctuary
Ich gehe früh schlafen, denn um 5.15 h werden die Spitzen der Annapurnakette von den ersten Sonnenstrahlen vergoldet zu leuchten beginnen. Dieses Erlebnis lässt sich keiner entgehen! Und wirklich stehen ca. 40 Menschen pünktlich am Rand der Moräne und knipsen, was das Zeug hält, machen Videos, Selfies und Gruppenaufnahmen in allen Positionen …
Es ist aber auch einmalig, was wir hier erleben können: Wir stehen auf 4000 Metern Höhe und die Runde der Annapurna-Gipfel erhebt sich noch einmal 4000 Meter über uns. Das gibt es nur im Himalaya! Wenn man in den Alpen auf 4000 m steht, dann ist der höchste Berg Europas gerade mal schlappe 800 m höher. Wer steigt denn eigentlich die vier Kilometer auf die Gipfel empor, frage ich mich? Wer besitzt soviel Mut und Verwegenheit, dieses Abenteuer du wagen?
Abschied und Abstieg
Wir schreiben Sonntag, den 14. Mai 2023. Bereits um 8 Uhr machen wir uns auf den Rückweg, denn der Abstieg ist lang und am Nachmittag wird es Gewitter geben. In das wollen wir alle nicht geraten. Und in der Tat geht alles viel schneller; bereits nach vier Srunden machen wir Mittagspause in Deurali auf 3200 m Metern. Ich übernachte wieder in „Himalaya“, da es anfängt zu regnen und ich keine Lust habe, auf glatten Steinen auszurutschen.
Am nächsten Tag macht sich mein linker Fuß bemerkbar. Denn beim Absteigen trete ich immer mit der Fußspitze zuerst auf, d.h. die gebrochene Zehe bekommt den vollen Druck ab. Also muss ich behutsamer und vorsichtiger, vor allem aber langsamer gehen. Ich erreiche also nur wieder Chomrong und nicht das Auto wie geplant. Drei Tage dauert also der Abstieg mit Rückfahrt nach Pokhara.
Insgesamt bin glücklich, dass alles so gut verlaufen ist!
Unvergesslicher Machapuchhre
Er hat den Aufstieg begleitet, und auch beim Absteigen zeigt sich der heilige Berg von ganz verschiedenen Seiten: vor Sonnenaufgang und im hellen Sonnenlicht. Ein schönes Abschiedsmotiv!
Der „Begnas Lake“ nahe Pokhara - Mitte Mai 2023
Zum Ausruhen ein idealer Ort. Eine halbe Srunde Fahrt Richtung Südosten von Pokhara, natürlich auf abenteuerlichen Wegen, und ich finde ein nettes Guesthouse in Ufernähe. Hier kann man richtig gut schwimmen! Die Südostecke heißt Majhkuna, die Unterkunft Jamunas bzw. Prakash Guesthouse.Es scheint ein Geheimtipp für Israelis zu sein, die hier Entspannung suchen.
Nach- und Vorbereitungszeit
Hier habe ich Ruhe und Zeit, Fotos zu sortieren und hochzuladen bzw. Tagebuch zu schreiben und meine Erfahrungen zu teilen. Für die nächsten Wochen knüpfe ich Kontakte zu den Waldorfschulen in Nepal. In Pokhara trägt die Schule den Namen „Maitreya Path Shala“, der auf das Nahen des zukünftigen Buddhas hindeutet. Die Schule in Kathmandu nennt sich Tashi Waldorf School. Über sie haben die „Freunde der Erziehungskunst“ in ihrer neuen Ausgabe berichtet.
Am meisten Kopfzerbrechen macht mir aber die Weiterreise nach Myanmar. Die Landgrenzen sind immer noch geschlossen (Fliegen ist wieder möglich), so dass ich nicht weiß, wie ich weiter nach Osten „der Sonne entgegen“ fahren kann…
Es folgen Bilder vom See; wenn es klar ist, schaut Annapurna III über die Hügel hierher.